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„Summer of Love“: Psychedelische Kunst der 60er Jahre

Ausstellung in San Francisco „Summer of Love“: Psychedelische Kunst der 60er Jahre

Flower Power im Museum: 50 Jahre nach dem „Summer of Love“ schmückt sich das renommierte de Young Museum in San Francisco mit einer Hommage an die Hippie-Kunst.

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Alles so schön bunt hier.

Quelle: Randy Dodson/fine Arts Museums Of San Franciso

San Francisco. Schon der Eingang des de Young Museums ist ungewöhnlich blumig-bunt. „Flower Power“, „Make Love, Not War“, „Peace“ steht auf riesigen runden Folien, die wie Ansteck-Buttons an der eleganten Fassade des Kunstmuseums in San Francisco kleben.

Auch der Gehweg ist mit farbigen Plaketten gepflastert. Der rosarote geschwungene Schriftzug „The Summer of Love Experience“ verrät es von Weitem: Es geht um den „Sommer der Liebe“ von 1967.

Es ist der perfekte Ort für eine Hommage an die Hippie-Kunst, mit bunten Postern, Fotos, Mode und psychedelischer Lichtkunst. Das Fine-Arts-Museum im Golden Gate Park ist nur einen Katzensprung von dem legendären Wiesenstück Hippie Hill am Rand des Haight-Ashbury-Viertels entfernt. Hier pilgerten vor 50 Jahren Zehntausende Blumenkinder hin, zu den Klängen von Scott McKenzies Hippie-Hymne „San Francisco (Be Sure To Wear Flowers In Your Hair)“.

Das war ein „prägender“ Moment in der Geschichte der Westküstenmetropole, sagt Museumsdirektor Max Hollein. Die Kunst dieser Zeit habe heute noch eine wichtige Bedeutung. Im vorigen Sommer wechselte der gebürtige Österreicher vom Frankfurter Städel Museum nach Kalifornien. Schon als Leiter der Schirn-Kunsthalle hatte Hollein 2005 dort psychedelische Kunst der 60er Jahre ausgestellt.

Das „High“-Gefühl und die Aufbruchstimmung von 1967 ist in den Ausstellungsräumen sofort spürbar. Mit riesigen Fotowänden, bunten Postern, Batikmode und Lichtshows führt die bis Mitte August laufende Schau die psychedelische Pop- und Subkultur schillernd vor Augen.

Aus einem Lautsprecher dröhnt die Stimme von Timothy Leary, dem Guru der Hippie-Bewegung, der Zugang zu bewusstseinsverändernden Drogen wie LSD und Mescalin forderte. Besucher hören Learys berühmten Slogan „Turn on, Tune in, Drop out“, mit dem er im Januar 1967 beim „Human Be-In“ im Golden Gate Park Tausende Hippies anfeuerte.

Ein Feuerwerk von Farben sind die mehr als 130 Plakate und Flugblätter von Posterkünstlern wie Stanley Mouse und Wes Wilson, für Gruppen wie Santana, Grateful Dead und Jefferson Airplane entworfen. „Das war eine völlig neue Kunstform, quasi als Werbung für Konzerte gedacht, aber mit raffinierter Ästhetik und verschlungenen Schriftzügen kunstvoll umgesetzt“, erklärt Colleen Terry, eine der beiden Kuratorinnen der Ausstellung.

Schon in den frühen 1970er Jahren legte das Fine-Arts-Museum die Poster-Sammlung an, inzwischen gehören mehr als 600 Plakate zum Bestand.

Farben wirbeln auch über die vier hohen Wände der Installation „Kinetic Light Painting“, geschaffen von dem jetzt 84-jährigen Lichtkünstler  Bill Ham. Vor 50 Jahren zählte er zu den Pionieren von Liquid Lightshows, die Konzertbesucher durch Licht- und Farbeffekte auf wilde Trips schickten. Dazu werden Farben in Glasschüsseln gemischt und auf Wände projiziert.

Wie bunte Amöben unter einem Mikroskop kreisen die Farbeffekte durch den Raum. Museumsbesucher räkeln sich dazu in 60er Jahre Sitzsäcken. „Wir wollen ein Gefühl vermitteln, was die Leute damals bei den Tanzkonzerten erlebten“, meint die Kuratorin. „Wir sprengen ein bisschen die Grenzen, was Kunst betrifft.“ Doch diese „visuellen Überbleibsel“ brächten genau die Ästhetik der damaligen Zeit zum Ausdruck.

Dazu gehören auch lange Batikkleider, gehäkelte Miniröcke und mit Bordüren bestickte Jeans-Schlaghosen. Die schwedische Modedesignerin Birgitta Bjerke häkelte Kleider in Regenbogenfarben für junge Hippie-Bräute und Rockröhren. Dutzende Schaufensterpuppen tragen die fantasievolle Mode der Love-and-Peace-Bewegung.

In einer Glasvitrine stehen mehrere handgefertigte Stiefel des späteren Videokünstlers Mickey McGowan, damals unter dem  Spitznamen „Apple Cobbler“ (Apfelauflauf) bekannt. Seine Schuh-Kreationen aus glitzernden Stoffen mit bunten Gummiabsätzen waren aus veganem Material. „So viele Strömungen, die heute wichtig sind, haben wir den Bewegungen der 60er Jahren zu verdanken. Viele Dinge, über die wir heute reden, waren schon vor 50 Jahren aktuell“, meint Terry.

Auch die Folksängerin Joan Baez (76), die kürzlich in einem Lied mit dem Titel „Nasty Man“ („Böser Mann“) die Mauerbau-Pläne von Donald Trump verspottete, trägt mit einer Poster-Leihgabe zu der „Summer of Love“-Ausstellung bei. Das Plakat zeigt Baez 1968 als junge Friedensaktivistin mit ihren Schwestern Mimi und Pauline mit dem Slogan „Girls Say Yes To Boys Who Say No“. Die Frauen stellten sich damit während des Vietnamkrieges auf die Seite von Männern, die den Wehrdienst verweigerten.

dpa

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