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Kultur „Tänzer sind Don Quijotes“
Nachrichten Kultur „Tänzer sind Don Quijotes“
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00:03 14.06.2018

. So schnell kann das gehen, dann hat man eine Angewohnheit. William Parton (59) soll ab 13. Juli am Ballett Vorpommern in Greifswald den Don Quijote tanzen. Dafür hat sich der Amerikaner, der in Hamburg und Greifswald lebt, den typischen Zwirbelbart wachsen lassen, der den spanischen Edelmann des 17. Jahrhunderts unverwechselbar machte. Und nun zwirbelt sich Parton gern an seinem Bärtchen herum. Sympathisch sieht das aus, wenn der blonde Hüne einen mit seinem umwerfenden Lächeln überfällt. „Ja, das ist eine Angewohnheit geworden“, lacht er.

Tänzer, Schauspieler, Ballettmeister; Tanzlehrer: William „Bill“ Parton (59) nach dem Training im Foyer des Greifswalder Theaters. Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal

Das ist schon mutig, was sich der Greifswalder Ballettdirektor Ralf Dörnen da für seine Figur des Sommerballetts 2018 ausgedacht hat. Für Tänzer jenseits der 40 ist in der Regel Schluss auf der Bühne. Tanzen? Das machen die Knochen, Gelenke, Muskeln kaum noch mit. Dafür ist dieser Beruf zu körperintensiv.

William Parton hat auch erst mal tief durchgeatmet, als Dörnen ihn fragte, ob er in seiner Inszenierung des Romans von Miguel de Cervantes die Hauptrolle tanzen würde. „Es ist eine gewagte Geschichte. Ich bin fast 60. Aber wir haben einen sehr guten Begriff für die Figur gefunden. Ich vertraue Ralf da völlig.“ Und der Ballettdirektor seinem Star.

Parton sagt: „Ich kann weder direkt von der Straße auf die Bühne noch mit diesen wunderbaren jungen Tänzern hier in Greifswald mithalten.“ Deswegen nimmt er neben den Proben zu „Don Quijote“ am täglichen Training des Ballettensembles teil. Und deswegen wird er auch keinen athletischen Don Quijote tanzen. „Ich werde keine Tour Jetées und auch keine Double Tours tanzen. Ich werde die Rolle verkörpern.“ Es gehe mehr um theatralische und schauspielerische Ausdrucksformen als um die reine Bewegung.

Da kommt Parton seine Ausbildung und Karriere zugute. Geboren in Hartford (Connecticut), wo er als Jugendlicher in Compagnien getanzt hatte, kam er 1982 als 23-Jähriger ans Hamburg Ballett von John Neumeier. Zuvor war er auf Vortanz-Tour in Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Neumeier engagierte ihn. Dort tanzte Parton bis 1993 Solorollen in „Romeo und Julia“, „Nussknacker“, „Mittsommernachtstraum“ oder in der Ballettversion der Matthäuspassion. Ab 1993 absolvierte er eine pädagogische Tanzausbildung an der School of Hartford-Ballet in seiner Heimat. Freiberuflich arbeitete er als Ballettmeister auf Kampnagel in Hamburg und in Greifswald. 1998 ging er an die Schule für Schauspiel Hamburg und hängte noch eine Ausbildung zum Schauspieler dran. Seit 1999 ist er als freiberuflicher Schauspieler, Tänzer und Ballettmeister in Hamburg, Greifswald, Salzburg, Frankfurt am Main tätig. Auf Kampnagel bekam er mehrere Rollen und am Schauspielhaus in Hamburg spielte Parton im „Agamemnon“. Für die Produktion von „Dieser Himmel, diese Leere“ (2014) und „Anna Karenina“ (2015) in Greifswald hat er immer mal wieder als choreographischer Assistent ausgeholfen.

Ein Weltenbummler, Freigeist und Quereinsteiger. Das passt hervorragend zum Don Quijote. „Ja, ich war schon immer ein Spätstarter und Quereinsteiger“, sagt Parton. Das Vertrauen zu Ralf Dörnen ist groß. Umgekehrt ebenso. Parton kennt den Ballettdirektor in Vorpommern aus der gemeinsamen Zeit beim Hamburg Ballett, wo Dörnen damals Neumeiers Starsolist war. Sein langjähriger Weggefährte sagt:

„Ich bin begeistert von dem, was Ralf hier aufgebaut hat. Seine erste Produktion, ’Cinderella’, war wundervoll. Ich habe höchsten Respekt davor, dass er damals, als alles noch sehr runtergekommen war, hierhergekommen, geblieben ist und sich durchgebissen hat.“ Das habe etwas von der Sturheit eines Don Quijote.

Im Übrigen, meint Parton: „Wenn man nach heutigen Don Quijotes sucht, findet man die Tänzer. Als Tänzer strebt man gegen alle Naturgesetze und Hindernisse. Man muss total selbstlos sein, um all die Schmerzen aushalten zu können – und so eitel wie Don Quijote sind wir auch alle.“ Ein wenig eitel, absolut fit, sehr humorig und äußerst sympathisch.

Beliebtester Ritterroman des Mittelalters

Der Roman „Don Quijote“ steht mit weltweit 500 Millionen Exemplaren auf der Liste der meistverkauften Bücher auf Platz vier hinter der Bibel, der Mao-Bibel und dem Koran. Erschienen ist das Buch von Miguel de Cervantes (1547-1616) im Jahr 1605 (Teil zwei 1615) unter dem Titel „El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha “ („Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“). Der Roman erzählt die Geschichte des Landadeligen Alonso Quijano, der sich der Lektüre von Ritterromanen so weit hingibt, bis er sie für wahr hält und selbst als Don Quijote mit seinem Ackergaul Rosinante und seinem Junker Sancho Panza auf Streifzüge geht, um seiner Liebe Dulcinea, die er nie zu Gesicht bekommt, zu gefallen. Auf seinen Zügen kämpft er im Wahn gegen Windmühlen, Weinschläuche, Hammelherden und wird zum „Ritter der traurigen Gestalt“.

Don Quijote

Am Theater Vorpommern inszeniert Ballettdirektor Ralf Dörnen ab 13. Juli das Stück „Die Träume des sinnreichen Junkers Don Quijote de la Mancha – Ritter von der traurigen Gestalt“ nach Motiven von Miguel de Cervantes Saavedra. Die Hauptrolle tanzt William Parton. Außerdem Miguel Rodriguez als Sancho Panza, Isabella Heymann als Dulcinea, Emilia Lakic als Sancho Panzas Ehefrau.

Weitere Termine: 21. Juli, 16. September, 5. Oktober, 25. November Stralsund; 14. September, 7./18. Oktober, 30. November Greifswald.

Michael Meyer

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