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Tanzbarer Pop plus Hörbuch plus „Herbie“

Rostock Tanzbarer Pop plus Hörbuch plus „Herbie“

Sinnhafte und sinnliche Steckdosenmusik: Auf ihrer „Wasted Wonderland European Tour“ gastierte die britische Musikerin Anne Clark am Ostersonntag in Rostock

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Eine nachdenkliche Künstlerin bei der Arbeit: Anne Clark spielte am vergangenen Sonntag im Rostocker Mau-Club vor rund 300 Konzertbesuchern.

Quelle: Frank Söllner

Rostock. Als Anne Clark vor mehr als 30 Jahren die Musikszene betrat, war sie schon etwas Besonderes. Denn dem weltweit sehr angesagten Synthiepop jener Tage fügte sie das gesprochene Wort hinzu. Es war noch kein HipHop, sondern im Grunde so etwas wie ein ewiges Rezitativ. Tanzbarer Pop plus Hörbuch sozusagen. Damit erweiterte Anne Clark ihre Kunst aber ins Literarische hinein, das hob sie auch ein bisschen aus den Achtzigern heraus.

Und das macht sie immer noch, wie am Sonntagabend in Rostock, unterwegs auf ihrer „Wasted Wonderland European Tour 2016“. An ihrer Seite hat Anne Clark heute ihren deutschen musikalischen Mitstreiter und Lebensgefährten, der unter dem Künstlernamen herrB firmiert. Wenn Anne Clark das ausspricht, klingt‘s niedlich — nämlich wie „Herbie“.

Und „Herbie“ war für die komplette musikalische Begleitung zuständig. Steckdosenmusik nannten die eisernen Verfechter handgemachter Musik so etwas früher leicht pikiert. Also all jene Sounds, die auch Depeche Mode, Thompson Twins, Erasure, Human League, Yazoo oder Spandau Ballet berühmt machten — manchmal ziemlich quietschige Synthie-Klänge, dann aber auch warme Sounds. Dazu ein manuell bedientes elektronisches Schlagzeug oder ein Drumcomputer, auch das in den Achtzigern bis zum Überfluss eingesetzte digitale Händeklatschen.

Heute kommt natürlich sehr viel von der Festplatte — auf den Keyboards von „Herbie“ thronte auch ein Laptop. Aber es sind bei Anne Clark immer noch sehr lebendige elektronische Grooves, die einen interessanten Gegensatz zur gesprochenen Literatur der Künstlerin erzeugen. Wenn man heute ein Konzert von Anne Clark hört, dann wirkt es seltsam modern. Das mag auch daran liegen, dass sie zusammen mit anderen Synthiepop-Künstlern ein bisschen die Technomusik mit vorbereitete, was heute dazu führt, dass sie auch von jüngeren Hörern mit Interesse wahrgenommen wird. Und, wie am Sonntag im Mau-Club, auch zum Tanzen animiert. Dabei streift Clark auch das Lager der Electronic Body Music oder das Genre Dark Wave.

Auf der Bühne wirkte Anne Clark eher scheu, aber ihre Kunst ist auch nicht gemacht für den großen oder bombastischen Auftritt. Allerdings wurde die Künstlerin unterstützt von Videoprojektionen oder viel Lichteinsatz, kreiert von Lichtdesigner Rick Kay. Es gab auch ruhigere Momente, in denen „Herbie“ zur Akustikgitarre griff.

Anne Clark servierte erst ganz zum Schluss ihre beiden Hits — nämlich „Our Darkness“ und natürlich „Sleeper in Metropolis“ mit seinem markanten Keyboard-Riffing. Die fast zwei Stunden im Rostocker Mau-Club waren eine kurzweilige und dabei sehr tanzbare Angelegenheit.

Und auch ein Fall für Nostalgiker, klar. Aber Anne Clark hatte im Vorfeld der aktuellen Tour angekündigt, sich von der Bühne zurückziehen zu wollen. Möglicherweise war diese Tournee ihre letzte. Ihre Veröffentlichungen sind spärlicher geworden — die 55-jährige Poetin und Songwriterin hat ihr Werk offenbar abgeschlossen.

Musikerin und Songpoetin

Die 1960 in London geborene Anne Clark machte sich ab 1982 als Poetin, Songwriterin, Sängerin, Pianistin und elektronische Musikerin einen Namen. Berühmt wurde sie 1984 mit dem Stück „Sleeper in Metropolis“, es folgten zahlreiche Singles, EPs und Alben. Musikalisch lassen sich die meisten Werke von Anne Clark der elektronischen Musik zuordnen, mit starken Dance-Elementen. Aufgrund der rezitierten Texte wird Clarks Schaffen auch der Gattung Spoken Word zugerechnet.

Von Thorsten Czarkowski

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