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Kultur Tanztheater als Protest im Namen der Liebe
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00:00 18.03.2013
Rostock

Bronislav Roznos (46), der tschechische Chef des nach ihm benannten Tanztheaters, der Tanzsparte des Rostocker Theaters, verlässt nach nur vier Jahren seinen Posten.

2009 war er von Zwickau nach Rostock gekommen und hatte einen großen Teil seiner Balletttruppe mitgebracht — jetzt lässt er sie zurück.

Als Abschied führte er am Sonnabend im Großen Haus, wie es für ihn üblich war, eine Uraufführung auf: „Widernatürliche Liaison? Stories4Love“. Auch hier stößt er wieder in den Mittelpunkt einer gesellschaftlich bewegenden Fragestellung vor, der Frage, welche Formen der Liebe wie akzeptiert werden. Vier Beispiele hat er dazu ausgewählt. Thomas Manns Meisternovelle „Der Tod in Venedig“, in der ein alternder Schriftsteller der Verführungskraft eines schönen Jünglings erliegt, Vladimir Nabokovs Roman „Lolita“, von der lasziven Verführungskraft einer frühreifen Kindfrau, Michelangelos homoerotische Beziehung zu seinem Schüler Tommaso und — nicht ganz in diese Linie passend — die Geschichte der Schwestern Daisy und Violet Hilton, die im vorigen Jahrhundert als siamesische Zwillinge eine fragwürdige Showkarriere machten. Mindestens drei von ihnen gehören zu jenen Beziehungen, die die moralinsauren Apostel unserer Zeit gern als „widernatürlich“ denunzieren.

Roznos protestiert dagegen, indem er solche Beziehungen in ihrer verwickelten Wirklichkeit und Wahrheit auf die Bühne bringt, gleichsam zur vorurteilsfreien Ansicht. Dies gelingt allerdings nur in unterschiedlicher Überzeugungskraft. Für die vier Einzelepisoden scheint Roznos keinen wirklich Zusammenhang stiftenden Bogen gefunden zu haben. Jede steht für sich ziemlich isoliert da. Und auch das Bühnenbild von Robert Schrag, in vielfältigen Mustern sich auf und ab bewegende horizontale Stangen, stiftet nur eine schöne Illustration.

Nicht jede dieser Episoden hat den für Roznos typischen diagnostischen Blick und seine oft faszinierende Kraft der poetisch-symbolischen Verdichtung. Aber in jeder dieser Episoden zeigt das Ensemble, in seinen solistischen und Teamleistungen, seine technische Könnerschaft und seine individualistische Kraft.

Die Thomas-Mann-Episode bleibt am undurchsichtigsten; stünde es nicht im Programmheft, man würde nicht erraten, worauf sie sich bezieht. Die Lolita-Episode ist eine geradlinige verknappte Nacherzählung des Romans, mit einer starken Hung-Wen Chen als gefährliche Lolita.

Ein wenig fremd nimmt sich die Episode mit den siamesischen Zwillingen aus, thematisch und auch stilistisch, in der Teresa Lucia Forstreuter und Larissa Potapov technisch und ausdrucksmäßig die Schwierigkeiten einer solchen ständig aneinander gekoppelten Doppelexistenz sichtbar machen — aber der Verdacht eines bloßen subtilen Voyeurismus lässt sich nicht immer abweisen.

Ganz der „alte“ Roznos dagegen zeigt sich in der wunderbaren Michelangelo-Episode. Wie sich hier der alte Michelangelo (Roznos) den Cavaliere Tommaso (Josef Dvorák) gleichsam zum Liebhaber zurecht modelliert, mit gestischen Zitaten von Michelangelo-Plastiken, das hat eine atemberaubende poetische Kraft und verweist auf den tiefen Zusammenhang von schöpferischer Kunstkraft und Liebe, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Hier gewinnt der Abend seine wirkliche Tiefendimension.

Ungewöhnliche Ehen
Vier vertanzte Geschichten im Projekt „Widernatürliche Liaison?“ — die ungewöhnlichste ist wohl die der siamesischen Zwillinge Daisy und Violet Hilton (1908-1969), die nie getrennt wurden. In Brighton geboren, wurden die Mädchen früh als Sensation in Ausstellungen und auf Jahrmärkten präsentiert. Später traten sie in den USA mit Klarinette und Saxophon auf.

Beziehungen zu Männern hatte jede von ihnen . Nach großen Schwierigkeiten, eine Heiratserlaubnis zu erhalten, heirateten beide: Violet 1936 ihren Tanzpartner James Walker alias Jim Moore, Daisy 1941 den Tänzer Harold Estep alias Buddy Sawyer.

Weitere Vorstellungen: 21. und 30. März, 19. und 27. April, Volkstheater Rostock, Doberaner Straße 134/135

Heinz-Jürgen Staszak

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