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Teresa Präauer: Verspielte Gegenwartsliteratur

Rostock Teresa Präauer: Verspielte Gegenwartsliteratur

. Dies war der zweite Termin der aktuellen LiteraTour Nord: Die österreichische Schriftstellerin Teresa Präauer las am Dienstag im Literaturhaus Rostock.

Rostock. . Dies war der zweite Termin der aktuellen LiteraTour Nord: Die österreichische Schriftstellerin Teresa Präauer las am Dienstag im Literaturhaus Rostock.

Mitgebracht hatte sie ihren neuen Roman „Oh Schimmi“, der in einem Milieu spielt, das es nur selten in die Literatur schafft: Es werden auch Kundinnen und Angestellte eines Nagelstudios thematisiert.

Ungewöhnlich ist vor allem die Hauptfigur: Jim alias Schimmi, ein Heranwachsender, der noch bei seiner Mutter lebt und stark von ihr dominiert wird. Doch Jim hat sich in eine Kundin des Nagelstudios verguckt, die Ninni nämlich. Die Brautwerbung nimmt ungewöhnliche Züge an: Denn Jim verwandelt sich zunehmend in einen Affen – und „Schimmi“ darf dabei durchaus als Kurzform für Schimpanse verstanden werden. Die Verwandlung findet eher im Kopf des Haupthelden statt. Sie mündet aber auch in eine Ankleideszene, als Jim in ein Affenkostüm schlüpft. Schließlich findet – da sitzt der Hauptheld im Auto – eine weitgehende Vermischung von Dschungelwelt und Realität statt.

Teresa Präauer las mit viel Verve und Engagement, ihre Lesung wurde schließlich als „hörspielreife Ein-Frau-Lesung“ annonciert. Und ihr Buch ist „hochtourig erzählt“, meinte auch der Rostocker Literaturwissenschaftler Dr. Lutz Hagestedt, der die Autorin innerhalb der Lesung befragte. Die Einschätzung ging so weit, dass Hagestedt dem Haupthelden eine „Logorrhöe“ attestierte. Wobei sich die deutsche Literaturkritik uneins darüber ist, ob die Hauptfigur nun beschränkt ist – oder hochintelligent. Lutz Hagestedt präferiert die Theorie vom zwar unterdrückten, aber fantasievollen jungen Mann: „Trotz des kleinen Bewegungsspielraums hat er einen gewaltigen Horizont.“

Das war der literaturwissenschaftliche Teil des Abends, Teresa Präauer gab Auskunft über ihre Arbeit. Denn in ihrem dritten Roman gibt’s reichlich literarische Referenzen – zum Beispiel einen Bezug auf Arthur Schnitzlers „Reigen“. Die dort vollzogenen Personenwechsel finden in Präauers neuem Buch in ähnlicher Weise statt. Bei ihr ist es „ein Karussell von Wahnsinn, Liebe und Zuneigung“, wie die Schriftstellerin erklärte. Auch finden sich Affenfiguren reichlich in der Literatur, unter anderem bei Franz Kafka. Teresa Präauers Buch soll auf beiden Ebenen funktionieren, sagt sie – für den „normalen“ Leser und auch für den Literaturwissenschaftler. Die Autorin, die übrigens auch bildende Künstlerin ist, arbeitet gern mit „Sprechhaltungen, die uns umgeben“, sie verwendet unter anderem Rap-Elemente. Thorsten Czarkowski

Nächste Lesung der LiteraTour Nord: Benedict Wells (6. Dezember, Literaturhaus Rostock)

OZ

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