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Teuflische Reise durch die Rockgeschichte

Rostock Teuflische Reise durch die Rockgeschichte

„Rock’n’Rostock“ hatte am Sonnabend in der Halle 207 Premiere

Rostock. Es ist die plastische, aber natürlich nie belegte Geschichte vom Musiker, der dem Teufel seine Seele verkauft und im Gegenzug mit großem Talent gesegnet wird.

Erstmal kommt der Erfolg. Alles andere wird später geregelt.

„Rock’n’Rostock“ hatte am Sonnabend in der Halle 207 Premiere, inszeniert von Katja Taranu, mit einem musikalischen Konzept von von Jan Paul Werge. Und das Tanztheater in Rostock stellte sich der Herausforderung, ebenjene geheimnisvolle Geschichte vom musikalischen Pakt mit dem Teufel mit ihren Mitteln darzustellen.

Und dabei half auch die Songauswahl. Dieses Tanztheater ist musikalisch ein Trip durch die große Ära der Rockmusik, die sich auf die Zeit der frühen Sechziger bis zu den frühen Neunzigern eingrenzen lässt. Bei „Rock’n’Rostock“ ist der Soundtrack gespickt mit Songklassikern von Queen, Nirvana oder U2. Und zu Rock lässt sich auch prima tanzen. Sicherlich nicht zu jedem Rock – die oft krummtaktigen Bombastwerke von Emerson, Lake & Palmer, Gentle Giant oder Yes würden nur sehr eigentümliche Choreografien zulassen. Aber „Born To Be Wild“ (Steppenwolf), „You Really Got Me“ (The Kinks) oder „The Passenger“ (Iggy Pop) reißen immer noch mit und sind gut tanzbar, „Don’t Stop Me Now“ von Queen ist die reine Lebensfreude. Damit wird’s dem Publikum einfacher gemacht, mit einem größeren Bekanntheitsgrad des Repertoires.

Das Teuflische in der Rockmusik symbolisiert hier AC/DC – da wird der Song „Thunderstruck“ zur diabolischen Untermalung für den bösen Pakt. Die Geschichte unseres Helden (Jan Paul Werge) geht weiter.

Ja, er hätte sich natürlich auf die Liebe seines Mädchens verlassen können, das bedingungslos an ihn glaubt, aber nein, in seinem Ehrgeiz lässt er sich mit dem Teufel ein. Die Rockmusik kennt immer auch den Hang zum Größenwahn.

Das alles entfaltet auch getanzt Wirkung. Nicht nur die beeindruckenden Leistungen der Tanzcompagnie, auch die Optik. Gerade die Glanz- und Glitterphase verlangt nach solchen Outfits (Kostüme: Robert Schrag), die den Szenen dann einen Hauch von Las Vegas geben. Besonders die Inszenierung des U2-Songs „With Or Without You“, bei der Darsteller in gläserne Boxen gesperrt sind, ist effektvoll.

Diese Reise durch die Rockgeschichte geht weiter, kleine Überraschungen inbegriffen. So wird Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ brutal von Lenny Kravitz’ „Are You Gonna Go My Way?“ abgewürgt, Kurt Cobains Ehrlichkeit durch Retro-Rock aus der Retorte ersetzt. Das läutete in den Neunzigern das Ende des klassischen Rocks ein. Zum große Finale, zur Erlösung auch, kommt hier Queens „Bohemian Rhapsody“ zu Ehren, mit diesem Meisterwerk ist nicht viel falsch zu machen.

Das alles dringt sehr basslastig aus den Boxen, was möglicherweise jene Zuhörer vor gesundheitliche Herausforderungen stellt, die schon lange keine Disco mehr von innen gesehen haben, ähnliches gilt auch für die gelegentlichen Stroboskop-Effekte. Warum das alles „Rock’n’Rostock“ heißt, bleibt freilich offen. Klingt einfach gut.

Aber ganz zum Schluss, quasi schon im Zugabenteil, kommt die letzte Weisheit von Robbie Williams: „Let Me Entertain You“. Das ist zwar keine richtige Erlösung, aber die auf den Punkt gebrachte Botschaft des Abends.

Thorsten Czarkowski

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