Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Theaterfest zum Jubiläum: Jubel, Tränen, Beifallsstürme
Nachrichten Kultur Theaterfest zum Jubiläum: Jubel, Tränen, Beifallsstürme
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:14 02.05.2018
Die Augen geschlossen, um den Tränen nicht freien Lauf zu lassen, nimmt Geschäftsführerin Kerstin Baumbach Abschied von Intendant Wolfgang Bordel. Beide sind gerührt, als sie sich an eine jahrzehntelange, intensive und nicht immer einfache, doch erfolgreiche Zusammenarbeit in schwieriger Zeit erinnern. Quelle: Foto: Steffen Adler
Anklam

Solch prall gefüllten Saal, begeisterte Zuschauer sogar auf den Stehplätzen und Jubelstürme – so wünschen sich Wolfgang Bordel und sein Team das Theater möglichst immer. Zur Feier seiner 35-jährigen Intendanz waren gestern viele Mitarbeiter, Weggefährten, Politiker, Freunde und vor allem Liebhaber des Theaters in die Lilienthalstadt gekommen, um den 1. Mai gehörig miteinander zu feiern – mit Bier und Bockwurst etwa. Vor allem hinsichtlich des Hopfengetränks erinnerten sich der Chef des Hauses und seine besonders langjährigen Freunde daran, dass es ihm zu DDR-Zeiten nur durch ein ebensolches „Freibier für alle“-Versprechen gelungen war, das gegenüber der Obrigkeit etwas widerspenstige „Kollektiv“ des Hauses doch noch zur Mai-Demonstration zu bewegen. Verrückte Zeiten? Ja, aber nicht weniger verrückt als die heutigen.

Restlos gefülltes Haus in Anklam: Bordel feiert öffentlich 35. Intendanzjubiläum

Das jedenfalls kann man gut und gerne als Fazit der vielen überaus liebevoll vorgetragenen Gratulationen ziehen. Dabei wurde eines immer wieder deutlich: Bei allem Fleiß, größtmöglicher Beharrlichkeit, Phantasie und Rastlosigkeit: Bordel konnte wohl auch nur dadurch zum Motor der Kultur in Vorpommern werden, weil er andere zu begeistern und mit dem Theatervirus zu infizieren wusste.

Ob Landrätin Barbara Syrbe, die ihre Rede philosophisch wie naturwissenschaftlich (eine Anspielung an Bordels Studienzeiten) angelegt hatte, Bürgermeister Michael Galander (er hat es geschafft, dass die Bühne in den nächsten zehn Jahren jeweils 175 000 Euro Zuschuss von der Kommune erhält) oder Christian Schwandt (Lübeck) vom Deutschen Bühnenverein – alle, die das Wort ergriffen, waren voll des Lobes und Respektes für Bordels Lebenswerk. Wobei der „Meister“ an dieser Stelle sofort intervenieren würde, denn er hat noch längst nicht die Absicht, das dicke Regiebuch seines Theaterlebens zuzuklappen.

Sein von ihm selbst als „verrückt“ bezeichnetes Team feierte den Barden jedenfalls in großherziger Sympathie, ja man hatte den Eindruck: uneingeschränkt liebevoll. Den linken Künstler und Intellektuellen, die treue Seele, den Geschichtenerzähler und Energielieferanten. Bordel hat in drei Währungen rechnen müssen oder rechnen lassen (DDR-Mark, D-Mark und Euro). Er schaffte es, acht Kultusminister weitestgehend unbeschadet zu überstehen und allen (vergeblichen) Bemühungen, das kleine, aber aufmüpfige Theater anderen einzuverleiben oder gar ganz zu schließen, erfolgreich zu widerstehen. Und wer genau auf die Lobesworte hörte, durfte erfahren, dass es noch immer so etwas wie gelebte Solidarität gibt. Da passte denn auch das Lied „Vorwärts, und nicht vergessen ...“

bestens ins Programm. Das gestalteten übrigens der Anklamer Knabenchor, der Chor der Theaterakademie und junge Künstlerinnen des Fritz-Reuter-Ensembles in beeindruckender wie frischer Manier.

Zwischendurch hagelte es geradezu Geschenke: eine große Packung Salz (für die Kultursuppe) von Vize-Landtagspräsidentin Beate Schlupp; das „Bunte Verdienstkreuz“ von Barbara Syrbe plus einen großen Eimer Senf, auf dass Bordel seinen selbigen auch künftig immer dazugeben könne; mehrere riesige Flaschen Wodka, im Anblick derer der Jubilar versicherte, dass seine Leber das noch verkrafte, und Brot, Zwiebeln sowie Speck als kaum versteckten Hinweis darauf, was der Gefeierte außer Kunst, Geist, Witz und Logik noch sehr zu schätzen weiß.

Rückblickend auf dreieinhalb Jahrzehnte Theater in und zunehmend auch um Anklam herum, blieb Bordel nur eine Schlussfolgerung: „Welch ein Irrsinn!“ Und er wurde nicht müde zu wiederholen: Ein Theater könne man nicht leiten, sondern „das muss man lieben und leben“. Dass man Bordel (bisher) nicht unter den erfolgreichsten deutschen Theaterregisseuren bei Wikipedia findet, muss ihn nicht grämen.

Solange er ein Publikum um sich weiß, das ihn so verehrt wie gestern, ist oder wird zumindest alles gut.

Steffen Adler

Als Schauspielerin und Kulturaktivistin hat sich Helga Wienhöfer in Barth einen Namen gemacht. Heute feiert die Grande Dame des Theaters ihren 90. Geburtstag.

02.05.2018

Unerhört witzig: Musikclown Gabor Vosteen gibt auf dem Kreuzliner ein Exklusivkonzert für Schüler

02.05.2018

Mit dem Fall der Mauer war Karl Marx politisch tot. Eine kritische Bewertung seines Denkens zu seinem 200. Geburtstag am 5. Mai.

01.05.2018