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Kultur Theaterstreit und plumpe Zahlenspiele
Nachrichten Kultur Theaterstreit und plumpe Zahlenspiele
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00:04 15.01.2015

Als einzige Bühne Mecklenburg-Vorpommerns hat das Volkstheater Rostock 2014 ein positives Betriebsergebnis. Dies teilten Intendant Sewan Latchinian und der kaufmännische Geschäftsführer Stefan Rosinski mit. Das Haus hatte im vergangenen Jahr 108000 Besucher und erwarte einen satten Überschuss.

Die Summe nennen beide nicht, da die Berechnungen nicht abgeschlossen seien. Hinter vorgehaltener Hand spricht man jedoch am Theater von einer knappen Million. „Wenn man bedenkt, dass die anderen Theater des Bundeslandes wiederholt Insolvenzhilfen der Landesregierung als zusätzliche Mittel in Anspruch nehmen, stehen wir gut da“, findet Latchinian. Der Trend halte an. „Unser auf zwei Jahre angelegtes künstlerisches Konsolidierungskonzept geht auf und hat schon neue Theaterlust entfacht, wie der Dezember zeigte.“

Damit können die Rostocker Theatermacher auch rechnerisch der Anti-Volkstheater-Stimmung des ausschließlich mit Zahlen operierenden Bildungsministers Mathias Brodkorb (SPD) entgegentreten. Brodkorb drängt seit über zwei Jahren auf Fusionen zwischen Theatern bzw. Sparten des Landes. Am 28. Januar muss daher Rostocks Bürgerschaft über einen Abbau von Sparten (Musiktheater, Ballett) bzw.

Alternativen dazu entscheiden. Um Druck zu machen, stellte der Minister vor Weihnachten das Volkstheater Rostock als größtes Sorgenkind im Lande hin und behauptete, dessen Einnahmen seien bis November noch mal um 20 Prozent, die Anzahl der Besucher gar um 30 Prozent gesunken (vgl. dagegen unsere Tabelle). Zu bedenken ist bei solcher Zahlenspielerei, dass die aktuelle Rostocker Saison verglichen wird mit einem Vorjahr, in dem man noch das am 31.12.2013 aufgegebene Theater im Stadthafen (TiS) nutzte.

In einem hat Brodkorb jedoch recht. Die Zahlen des Rostocker Theaters sind seit den 1990er Jahren schlecht. Allerdings hat das tiefere Gründe in einer miserablen Kulturpolitik der Stadt. In der halb so großen Landeshauptstadt Schwerin spielt das weit höher geförderte Staatstheater in einem mit Landesmitteln runderneuerten reizvollen Haus, das Theater Vorpommern verfügt in Stralsund und Greifswald über zwei attraktive Große Häuser und ein hübsches Theater in Putbus. Auch Neubrandenburg und Neustrelitz haben besuchenswerte Häuser sowie den schönsten Konzertsaal des Landes. Dagegen spielt Rostock seit dem Zweiten Weltkrieg in einem ab und zu notdürftig sanierten Provisorium und hat in den letzten sieben Jahren mit der GmbH-Bildung und einer fahrlässig schlecht vorbereiteten Hausschließung inklusive Notsaison im Theaterzelt den Ruf ruiniert. Das lässt sich reparieren — langfristig, wenn man es zulässt.

Dagegen haben die mit größeren Finanzsorgen ringenden Theater des Landes mehr Besucher (siehe Tabelle). Doppelintendant Joachim Kümmritz (Schwerin sowie Neubrandenburg/Neustrelitz) ist es unangenehm, dass seine Zahlen nach nur drei Monaten als Keule gegen Rostock benutzt werden. Dennoch ist er stolz auf sie. Doch er musste schon mehrfach Insolvenzhilfen in Anspruch nehmen. Und Intendant Dirk Löschner (Theater Vorpommern) rechnet 2017 mit einem Defizit von 2,3 Millionen Euro, wenn sich nichts ändert. Im Osten des Landes scheint eine Fusion nötig, die Kommunen haben jetzt darüber zu entscheiden.

Rostock, einzige Großstadt in MV, will sein eigenständiges Theater behalten. Latchinian ist ganz optimistisch: In drei Jahren könne er 150000 Zuschauer haben. Aber nicht, wenn in zwei Wochen der Kulturabbau beschlossen wird.

Volkstheater-Besucher September bis Dezember








2014 2013 (mit TiS) 2013 (ohne TiS)
September 4318 5332 4681
Oktober 6612 8365 6878
November 7180 12507 10992
Dezember 21489 21011 19802
Gesamtbesucher 39599 47215 (-16,1%) 42353 (-6,5%)
Gesamterlös in Euro 545539 600982 (-9,2%) 550908 (-1%)





Theater BesucherSep. - Dez. 2014
Schweriner Staatstheater 70 000 (—4,4%)
Theater Vorpommern 57 653 (+0,1%)
Neubrandenb./Neustrelitz 51 193 (+0,6%)
Volkstheater Rostock 39 599 (—6,5%)



Dietrich Pätzold

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