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Kultur „Kunst“ als Männerherzschmerz-Stück in Stralsund
Nachrichten Kultur „Kunst“ als Männerherzschmerz-Stück in Stralsund
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15:23 25.11.2018
Stefan Hufschmidt (Marc), Mario Gremlich (Serge) und Markus Voigt (Yvan) (v.l.) in "Kunst" am Theater Vorpommern. Quelle: Vincent Leifer
Stralsund

„Weil ich Serge liebe und unfähig bin, einen Serge zu lieben, der dieses Bild kauft“, schreit Marc (Stefan Hufschmidt). Liebe, Vertrauen, Freundschaft. Die Aushandlung des „Ichs“ in Gegenwart eines „Du“. In Yasmina Rezas „Kunst“ geht es um Vieles, aber nicht um Kunst.

Es geht um die Frage, wie ein weißes Bild mit weißen Linien, das Serge für 80 000 Euro gekauft hat, ein Meter tiefes Loch in eine Männerfreundschaft brennen kann. In Wutausbrüchen („Für diese Scheiße hast du 80000 Euro bezahlt?“), Weinkrämpfen, einer Schlägerei, gegenseitigem Ehefrauen diffamieren („In der Art, wie deine Frau Paula den Zigarettenrauch verscheucht, liegt ihre gesamte Reizlosigkeit“) droht es den Ingenieur Marc, den Hautarzt Serge und den Papierhändler Ivan zu verschlucken. Oder besser deren Freundschaft. So auch im Oktober 1995, als die Männerherz schmerzende Satire an der Berliner Schaubühne ihre deutsche Erstaufführung feierte.

Die Stücke von Yasmina Reza, ob „Der Gott des Gemetzels“ oder „Kunst“ gehören zu am meisten gespielten Theaterstücken. Hier eine kleine Asuwahl von Inszenierungen im Norden und ein Blick nach Hollywood.

„Kunst“ – der erste Welterfolg von Yasmina Reza

„Kunst“, das dritte Theaterstück der französischen Autorin und Regisseurin wurde ihr erster Welterfolg. Es folgten „Drei Mal Leben“ und „Der Gott des Gemetzels“. Jetzt hat Oberspielleiter Reinhard Göber die Komödie für das Theater Vorpommern inszeniert. Premiere war Samstagabend im Theater Stralsund. Textlich hielt der Regisseur sich diszipliniert an das Original, schrieb nur das Ende um: Anstatt dass die Freundschaft wie bei Reza zerbricht, vertragen sich bei Göber wieder alle, indem Serge sein weißes Bild mit Filzstift beschmieren lässt. „In dem Stück ist die Männergesellschaft am Abgrund. Mir war es wichtig dem Publikum zu zeigen, dass man was für die Freundschaft investieren sollte. Oft wird zu wenig gekämpft“, erklärt der Regisseur.

Viel Geschrei – lautes Lachen

So weit, so gut. Nun zogen sich die ersten Minuten des auf eine Stunde und zwanzig gekürzten Stücks mit Mario Gremlich als Serge, Hufschmidt als Marc und Markus Voigt als Yvan etwas in die Länge. Da wurde zu gespielt intellektualisiert und bisweilen grundlos zu laut rumgeschrien. Es riss schlicht nicht direkt mit. Doch Voigts Monolog schaffte den Wendepunkt: Mit Füßen und Händen entlarvte er das Komische des Dramas der Schwiegermütter um die Einladungskarte. Das Publikum belohnte sofort mit Lachern. Nun hatte sich das Trio etwas eingespielt. Auf Ariane Salzbrunns neutralem Bühnenbild aus drei Holzkästen, einer Holzbank und drei Bildern wurde boulevardesk geschrien, geschlagen und geweint. Selten fand am Theater Vorpommern ein so tief psychologisches, emotionalisierendes, reines Männerstück statt. Vielleicht mussten sich die Schauspieler selbst auch erst einmal daran gewöhnen. Allen voran Voigt spielte den Ivan, der die Männerfreundschaft mit einer Schale Oliven wieder kittet, jedenfalls hervorragend. Schade, dass die Friede-Freude-Eierkuchen-Pointe nicht recht zum vorher gespielten Existenziellen, dem verbalen Verletzen und dem gegenseitigen Hass, auf das eigentlich das Ende der Beziehung folgen müsste, passen will. Nun Rezas fein pointiertes Psychodrama verzeiht auch das und macht das Stück dennoch sehenswert.

Die Zuschauer lachten jedenfalls nicht zu wenig.

Yasmina Reza

Die französische Schriftstellerin Yasmina Reza gehört aktuell zu den am meisten gespielten Theaterautoren. Ihre oft lakonischen Stücke zeichnen sich durch wenig Aufwand in der Requisite, starke Dialoge und eine hohe Relevanz an gesellschaftspolitischer Thematik ab. Reza wurde am 1. Mai 1959 in Paris geboren, wo sie auch heute noch lebt. Neben dem Theaterstück „Kunst“ (1994) stammen von ihr bekannte Theaterwerke wie „Drei Mal Leben“ (2000), „Gott des Gemetzels“ (2006) oder „Ihre Version des Spiels“ (2012) und Prosastücke wie „Ein Verzweifelung“ (1999), „Nirgendwo“ (2005) oder „Glücklich die Glücklichen“ (2014) und der Roman „Babylon“ (2016). Yasmina Reza hat den Literaturpreis der Zeitung „Die Welt“, den Tony Award und den Prix Renaudot für „Babylone“ erhalten.

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