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„Themen, die unter die Haut gehen“

Wieck „Themen, die unter die Haut gehen“

Beim 11. Darßer Naturfilmfestival werden von heute bis Sonntag mehr als 30 Filme an sechs Spielorten gezeigt

Wieck. Walforscher im Kampf gegen die Ölindustrie, tropische Muscheln als Teil einer Millionen-Dollar-Industrie oder die Eroberung der Weltmeere: Mit einem breiten Themenspektrum und eindrucksvollen Filmaufnahmen rund um den Globus warten die Veranstalter des Darßer Naturfilmfestivals von heute an bis Sonntag an sechs Spielstätten auf dem Darß, in Zingst und in Stralsund auf. Aus mehr als 100 deutschen Produktionen hat die Jury zwölf Filme für den Deutschen Naturfilmpreis nominiert, der am kommenden Sonnabend in Wieck vergeben wird.

„Die Filme bestechen durch brillante Kameraarbeit, einen guten Schnitt und Themen, die unter die Haut gehen“, sagt Festivalleiter Kai Lüdeke. Verliehen wird der mit 7500 Euro dotierte Preis in zwei Kategorien: Bester Film Mensch und Natur sowie Bester Film Wildnis Natur. Während sich die Filme der ersten Kategorie mit umweltpolitischen Aspekten beschäftigen, richtet Letztere den Fokus fast ausschließlich auf die Natur. „Wildes Deutschland – Die Zugspitze“ von Jürgen Eichinger beispielsweise ist eine faszinierende Reise vom Tal zum Gipfel, die zeigt, wie sich dort die Tier- und Pflanzenwelt verändert.

Schwerpunkt des Festivals ist in diesem Jahr das Thema „Leben mit Raubtieren“, das in den vergangenen Jahren in Deutschland durch die Wiederansiedelung von Wölfen und Luchsen bereits für reichlich Diskussionsstoff sorgte. „Immer wieder illegal geschossene Tiere zeigen, dass das Thema immens wichtig ist und die Menschen verunsichert sind. Viele wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen“, sagt Lüdeke, der dies ändern möchte: „Auf dem Festival wollen wir versuchen aufzuzeigen, dass ein Zusammenleben mit den Tieren möglich ist, aber dazu gehört auch Bildungsarbeit.“

Zwei Filme widmen sich daher diesem Thema: „Die Rückkehr der Raubtiere“ von Holger Vogt und die Reportage „Erster Wolfsnachwuchs in Mecklenburg-Vorpommern“ von Regisseurin Dörte Petsch. Es ist der zweite von insgesamt drei Filmen, in denen die Filmemacherin den Forscher Norman Stier bei seiner Arbeit mit den zwei in MV ansässigen Wolfsrudeln in der Lübtheener Heide und in der Ueckermünder Heide begleitet. Im Sommer 2014 tappen fünf Wolfswelpen in seine Fotofalle – die ersten seit 100 Jahren. Rund sechs Monate lang folgt Dörte Petsch den Forscher, dokumentiert seine Arbeit, spricht mit Gegnern und Befürwortern. „Das Thema Wolf in MV war von Beginn an spannend. Während der Dreharbeiten habe ich entschieden, dass er gar nicht so gefährlich ist, wie gern behauptet wird“, sagt die Filmemacherin, die während der Dreharbeiten einiges in Kauf nahm. „Wir haben unzählige Tage und Nächte im Wald gesessen und auf Wölfe gewartet, das war die größte Herausforderung“, sagt sie mit einem Lächeln. Ihr Film – sicherlich ein Beitrag für mehr Toleranz im Umgang mit dem Raubtier. „Es ist auf jeden Fall ein Film für den Wolf“, so Petsch.

Neben den nominierten Filmen gibt es 30 weitere Film-Highlights und Veranstaltungen wie Vorträge, Podiumsdiskussionen, Wanderungen und eine Radwanderung. Auch mit den Filmemachern können Besucher während des Naturfilmfestivals von heute an bis Sonntag ins Gespräch kommen.

Rund 3500 Besucher zählten die Veranstalter im vergangenen Jahr. „In diesem Jahr peilen wir 4000 an, die Ticketnachfrage war noch nie so groß“, gibt sich Lüdeke zuversichtlich. Auch zwei neue Spielstätten gibt es in diesem Jahr: Das Gut Darß in Born, wo es vor einer Filmvorführung ein hoftypisches Mittagessen gibt, und das Hotel „Vier Jahreszeiten“ in Zingst. Neu ist ebenfalls der Kinderfilmwettbewerb, bei dem die drei besten Kurzfilme gezeigt werden.

Stefanie Büssing

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