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Kultur Thesenanschlag im Norden
Nachrichten Kultur Thesenanschlag im Norden
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00:00 13.05.2017
Greifswald/Gottorf

Laut Bismarck geschieht in Mecklenburg alles 50 Jahre später. Weswegen der Reichskanzler im Falle eines Weltuntergangs auch den Norden als Ziel erkoren hatte. Hätte er ein wenig kulturhistorisch zurück geblickt, hätte Bismarck bemerkt, dass in Pommern die Uhren nicht 50 , sondern ein bis drei Jahre nachgehen. Am 4. September 1517 stellt Martin Luther seine 95 Thesen zum Ablasshandel vor. Am 31. Oktober 1517 hat er seine 97 Thesen ans Hauptportal der Wittenberger Schlosskirche geschlagen.

Im Jahr 1518 kam der pommersche Theologe und Weggefährte Luthers, Johannes Bugenhagen, zu der Erkenntnis, dass der Augustinermönch Recht habe, sagt Dr. Joachim Krüger, Kurator im Pommerschen Landesmuseum Greifswald. Und nachdem durch Bugenhagens Anschub der reformatorische Erkenntnisprozess an der Küste gestartet sei, tauchen so um 1820 im Norden die ersten lutherischen Prediger auf.

Solchen Fragestellungen widmet sich die Ausstellung „Luthers Norden“, die die Landesmuseen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im Auftrag der Nordkirche gemeinsam kuratiert haben – welche Auswirkungen hatten Luthers Thesen im Norden?

Rund 100 Exponate aus den eigenen Häusern auf Schloss Gottorf und in Greifswald sowie Leihgaben aus der Hamburger Kunsthalle, dem St. Annenmuseum Lübeck, der Uni Greiswald oder der Universitätsbibliothek Kiel sind zu sehen – kein so leichtes Unterfangen im Jubiläumshype sind Luther-Leihgaben gefragt. Vom 14. Mai bis 3. September ist die Schau in Greifswald, vom 9. Oktober bis 28. Januar 2018 auf Gottorf zu sehen. Auch einen Katalog geben die beiden Museen gemeinsam heraus.

1520 mit den ersten Predigern – das sei der Anfang gewesen, sagt Krüger: „Da sind wir noch weit entfernt von der Durchsetzung der Reformation.“ Die erste evangelische Kirchenordnung habe Stralsund 1525 erlassen, Pommern folgte 1535, Schleswig-Holstein 1542 und Mecklenburg 1549 – gut Bismarck, immerhin 32 Jahre.

Die Schau in Greifswald zeigt den berühmten Croy-Teppich, im Flur als Vorläufer von Twitter, Facebook, Instagram Luthersche Flugblätter und in vier Räumen im alten Klosterkonvent des Franziskanerklosters des Pommerschen Landesmuseums mehrere Themenbereiche. Natürlich die direkte Bezugnahme auf das Jahr 1517 als Ausgangspunkt. Dr. Uta Kuhl von Schloss Gottorf sagt: „Der entscheidende Punkt, warum der Norden so wichtig ist, liegt darin, dass es hier über Jahrhunderte evangelisch blieb. Es gab nirgendwo eine flächendeckend so große und breite Region, die über einen so langen Zeitraum lutherisch war.“ Gezeigt werden laut Krüger und Kuhl nicht die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, sondern die kulturellen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Luther hat mit seinen Thesen den Ablasshandel und die Thematik des Fegefeuers kritisiert – der Casus Belli der Reformationswirren. Auswirkungen zeigt die Schau mit multimedialen Karten und Tischen am Verschwinden von Wallfahrtsorten und einer Entsakralisierung der norddeutschen Landschaft jener Zeit. So wie heute der Norden von einer Tourismusindustrie geprägt ist, war er es bis zur Reformation von einer Pilgerindustrie, die mit Luther unterging.

Die mittelalterliche Angst vor dem Höllenrachen wird ebenso thematisiert wie der Handel damit. Uta Kuhl: „Wir befinden uns in der Zeit des Frühkapitalismus mit den ersten Banken in Italien, es wurde damals wie heute mit der Angst gehandelt.“ Luther habe sich, eigentlich naiv rein theologisch argumentierend mit drei großen Playern des aufkeimenden Kapitalismus angelegt: dem Kardinal Albrecht von Mainz, dem Bankhaus Fugger und Papst Leo X. Es sei nur seinen exzellenten Beziehungen zu Fürsten wie zum Kurfürsten Friedrich dem Weisen von Sachsen zu verdanken, dass er den Bann aus Rom überlebt hat. Daher zeigt ein zweiter Raum der Schau das lutherische Netzwerk von Pommern über Eisenach bis Husum an der Westküste und Dänemark im Norden.

Zentral in der Schau bleiben die kulturellen Wirkungen über die Jahrhunderte weg, die gezeigt werden anhand der klerikalen Medienindustrie, antiklerikaler Satire und der Kunst mit Gemälden von Albrecht Dürer (1471-1528), Lucas Cranachs d. Ä. (1472-1553) oder 300 Jahre später mit Gemälden von Caspar David Friedrich (1774-1840) und Philipp Otto Runge (1777-1810) – Höhepunkte der Romantik, in die lutherische Motive ebenso wirkten.

Michael Meyer

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