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Tina Dico: „Ich löse mich quasi in der Musik auf“

Rostock Tina Dico: „Ich löse mich quasi in der Musik auf“

Ihre Musik umhüllt die Zuhörer, wie eine weiche Decke / Mehr als 400 Besucher feierten die Sängerin im Volkstheater

Rostock. Im Rostocker Mau-Club können es die Bands zwar so richtig krachen lassen, es gibt aber auch Künstler, die einen besonderen Rahmen brauchen, um eine ebensolche Atmosphäre zu kreieren: Dazu gehört die dänische Sängerin Tina Dico — das dachten sich die Veranstalter des Mau und stellten die zierliche Frau mit der ausdrucksstarken Stimme kurzerhand auf die Bühne des Volkstheaters. Dort wurde sie am Dienstag von mehr als 400 Besuchern gefeiert.

Sie wirkt irgendwie zerbrechlich und filigran: Die Gitarre in der Hand, das weizenblonde Haar zum seitlichen Pferdeschwanz gebunden steht Tina Dico im Lichtkegel des Scheinwerfers auf der ansonsten dunklen Bühne. „Ich bin zum ersten Mal in Rostock, aber ich glaube, dass wir heute eine richtig gute Zeit zusammen haben“, sagt sie. Und das bestätigt sich schon bei ihrem ersten Lied „Room with view“, den die Songwriterin nach ihrem Umzug nach London geschrieben hatte, als sie niemanden kannte, sich die Zeit mit dem Blick aus dem Fenster vertrieb.

Was banal klingt, ist eine tiefgründige Studie des eigenen Lebens, musikalisch höchst emotional umgesetzt. Ihre glasklare Stimme, mal gefühlvoll, nachdenklich und zart, dann wieder kräftig-kehlig, verleiht ihren Liedern eine wechselnde Intensität, die sich nicht nur in der Akustik niederschlägt. Während Dico singt, ist sie ganz bei sich und ihrer Musik, wirkt fast magisch. Dico selbst beschreibt es so: „Auf der Bühne reise ich zu einem eigenen Ort, der ganz weit weg ist. Er hat nichts mehr mit dieser Welt zu tun. Mein Bewusstsein verschwindet in diesen Momenten vollständig, ich löse mich quasi in der Musik auf.“ Neben dieser Aura und den wunderschönen Melodien, die sich nahtlos aneinanderreihen, ist es die Begeisterung der Dänin, die sich auf das Publikum überträgt. „Ich könnte die ganze Zeit lächeln, es gibt nichts Schöneres, als gemeinsam zu singen“, sagt Dico.

Denn: Sie hat Ehemann Helgi Jonsson mitgebracht, der mit ihr im Duett singt und mit zwei eigenen Liedern für ganz eigene Gänsehautmomente sorgt. „Mit ihm teile ich mein Leben und die Musik“, so Dico.

Dass sie mittlerweile mit dem Isländer und ihren zwei gemeinsamen Kindern in der Nähe von Reykjavík lebt, schlägt sich auch in ihrem letzten Album „Whispers“ nieder, ihr reduziertestes Werk, von dem sie neben Liedern der Alben „In the red“ und „Count to ten“ die Songs „Old friends“, „Someone you love“ und „Whispers“ spielte.

Ob es die Ruhe Islands ist, die sie dazu inspiriert hat, der Stille mehr Raum zu geben? Denn das tut Dico in ihren Liedern, die sie entfaltet, bis zu einem Flüstern reduziert, innehält, nur um sich danach um so explosionsartiger zu entladen.

Dico, die zurzeit auf Deutschlandtour ist, nach Rostock zu holen, sei ein langer Prozess gewesen, sagt Thomas Fanter vom Mau-Club, der die Veranstaltung gemeinsam mit dem Volkstheater organisierte.

„Wir waren fast zwei Jahre lang mit ihr im Gespräch, deshalb freue ich mich riesig, dass es jetzt geklappt hat.“

Darüber freut sich auch Thomas Opitz aus Rostock, der ins Volkstheater gekommen ist, um die Sängerin live zu erleben: „Tolle Stimme, super Sound“, schwärmt er. Auch die Rostockerin Andrea Pawils ist begeistert: „Handgemachte Musik und schöne Texte mit tiefgründigen Inhalten, einfach toll.“

Von Stefanie Büssing

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