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Tino Bittner: Spiel mit Wahrnehmung und Perspektive

Rostock Tino Bittner: Spiel mit Wahrnehmung und Perspektive

Bis 4. September zeigt der Kunstverein zu Rostock Arbeiten des Schweriner Künstlers

Rostock. Das Leben und die Kunst sind häufig eine Frage der Perspektive: Mit Abstand betrachtet wirkt vieles klarer, aus verschiedenen Blickwinkeln ergeben sich neue Erkenntnisse: So ist es auch mit den Arbeiten von Tino Bittner. Der Schweriner spielt nicht nur mit der Perspektive sondern auch mit den Sehgewohnheiten der Besucher, führt diese immer wieder ad absurdum. Unter dem Titel „Beats – Breaks – Cuts“ sind zurzeit zehn Arbeiten des Künstlers im Kunstverein zu Rostock zu sehen.

Wenn Besucher sich vor seinen Bildern und Objekten den Hals verrenken, darum herumgehen oder zurücktreten, dann ist es genau das, was Tino Bittner mit seiner Kunst erreichen will: „Es ist wie eine Versuchsanordnung, eine Art Parcours, den die Besucher meistern können“, sagt der 41-Jährige lächelnd. Vor allem aber ist es ein Angebot, sich auf seine Kunst einzulassen. Denn: „Wirklich fertig wird meine Arbeit erst durch den Betrachter“, sagt Bittner.

Und der steht in der aktuellen Ausstellung als erstes vor dem „Lateinischen Quadrat“. Aus 81 Pappwürfeln und acht Acrylglasscheiben hat der Schweriner auf mehreren Ebenen eine Art „Sudoku im Raum“

geschaffen, wie er es nennt. „Wenn man die richtige Perspektive einnimmt, sind alle Flächen gefüllt verrät er. Lieber als darüber zu reden, lässt er aber die Werke auf die Besucher wirken.

So wie sein Textil-Bild „Rendezvous“, das ein Model zeigt, das Bittner durchlöchert hat. Auf die weiße Wand im Hintergrund hat er Zahlen geschrieben, die anmuten wie Malen nach Zahlen. Oder ist es eine Aufforderung, die Linien zu verbinden? „Oft vermuten die Betrachter, dass es eine Lösung gibt. Aber darum geht es mir nicht“, sagt Bittner. Es ist vielmehr die Auseinandersetzung, der Denkanstoß, die Irritation, die den Künstler an seiner Arbeit reizt. „Dadurch, dass die Augen fehlen, gelangt man eben nicht zur Person, sondern nur zur Oberfläche“, erklärt er.

Das entbehrt nicht einer gewissen Symbolkraft, denn für seine Arbeiten nutzt der studierte Illustrator und Kommunikationsdesigner häufig Bilder und Plakate aus der Werbung, die er auf Recyclinghöfen oder in Prospekten findet. „Die sind natürlich mit einer Botschaft aufgeladen und sollen Idealbilder transportieren“, sagt er. Diese werden von Bittner zerlegt und neu zusammengesetzt. Dabei verschiebt er die Perspektive, arbeitet dreidimensional mit Faltkartons, stülpt Inneres nach Außen und umgekehrt oder vergrößert die Abstände, wie in seiner Reihe „Matrix“. Dort mutet der Weißraum zwischen den Papierschnipseln verschiedener Modelbilder fast an, wie ein Gitter, durch das die Frauen blicken. Details, wie Augenbrauen oder Nasenlöcher hat er an anderen Stellen platziert, so dass ein Makel auf den Hochglanzbildern entsteht, der für Irritation sorgt. „Ich mag es, verschiedene Dinge miteinander zu verbinden oder etwas in einen neuen Kontext zu setzen“, sagt Bittner. Kunst als versteckte Konsumkritik? „Das ist eine Dimension, die man darin gern entdecken kann“, sagt der Schweriner mit einem Lächeln.

Beim Kunstverein zu Rostock, der jährlich in neun Ausstellungen ein breites Spektrum vorwiegend zeitgenössischer Kunst zeigt, hatte sich Bittner um eine Einzelausstellung beworben und freut sich, dass es nun geklappt hat. Die Werke dafür hat er mit Bedacht ausgewählt, damit sie ein harmonisches Gesamtkonzept ergeben. „Es geht darum, dass die Arbeiten sich gegenseitig ergänzen, Bezüge herstellen und sich gegenseitig aufschließen“, sagt er.

Dazu tragen nicht zuletzt die Räume des Kunstvereins bei: „Die sind wirklich toll“, findet Bittner. „Nicht zuletzt, weil die Besucher durch die Aufteilung gezwungen sind, ständig die Perspektive zu wechseln.“

Stefanie Büssing

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