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Tönende Gedankenspiele – so klingt die Elphi

Hamburg Tönende Gedankenspiele – so klingt die Elphi

In einem außergewöhnlichen Konzertsaal kann man ungewöhnliche Musik erwarten. Doch was Thomas Hengelbrock und das NDR Elbphilharmonie Orchester für den ersten Auftritt ...

Hamburg. In einem außergewöhnlichen Konzertsaal kann man ungewöhnliche Musik erwarten. Doch was Thomas Hengelbrock und das NDR Elbphilharmonie Orchester für den ersten Auftritt in ihrer neuen Residenz gewählt hatten, hat überrascht. Es war herausfordernd, anregend, faszinierend. Ein reiner Genuss war es nicht.

Das lokale Pflichtprogramm hatte Hengelbrock im Festakt erledigt: Zwischen den Reden gab es Werke der gebürtigen Hamburger Felix Mendelssohn Bartholdy und Brahms. Die Musiktradition der Stadt klang dann nur noch in homöopathischen Dosen an: in Verbeugungen vor dem ehemaligen Opernintendanten und Komponisten Rolf Liebermann und dem Dichter und Orgelbauer Hanns Henny Jahnn, dem Wolfgang Rihm seine Auftragskomposition gewidmet hat – ein zähflüssiger Klangstrom mit gewaltiger Textmenge, die Tenor Pavol Breslik mit technischer Finesse und betörendem Schönklang bewältigte. Zuvor näherte sich Hengelbrock dem klassischen Repertoire. Abwechselnd erklangen paradigmatische Werke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Ausgrabungen aus Renaissance und Frühbarock. Die historisch weit auseinanderliegenden Werke boten Gelegenheit, die Akustik zu prüfen. Statt mit großem Orchester wurde die Alte Musik von Ensembles dargeboten, die auf den Rängen platziert waren. Countertenor Philippe Jaroussky sang im Duett mit der Harfenistin Margret Köll wunderbare Arien aus der Frühgeschichte der Oper, eine Gruppe von Sängern, Geigern, Posaunisten spielte eine Motette von Praetorius:

anmutige, lichtempfindliche Musik, die in der Weite des Saals Intimität und Wärme bewahrte. Ganz anders gefordert war der Saal bei Bernd Alois Zimmermanns monumentalem Orchesterprélude „Photoptosis“.

Bei aller Lautstärke entfaltet das Orchester wie im Finale von Messiaens „Turangalîla-Sinfonie“ eine Fülle von Klangfarben. Sie zu unterscheiden, ist in der dezenten Deutlichkeit des Saals eine Belastungsprobe für die Ohren: An eine solche Menge von Informationen muss man sich erst gewöhnen.

Das Finale aus Beethovens 9. Sinfonie war Ziel des wilden Ritts durch die Jahrhunderte und sein programmatischer Gegenentwurf: Ein wohlklingender, aber komplizierter Schluss für ein Eröffnungskonzert, das eher ein tönendes Gedankenspiel als mitreißendes Musikfest war. Die Begeisterung war groß. Sie ist aber sicher noch steigerbar. Stefan Arndt

OZ

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