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Kultur Tortoise: Postrock in Rostock
Nachrichten Kultur Tortoise: Postrock in Rostock
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00:00 08.11.2016

Die Erwartungshaltungen im Publikum waren recht hoch. Schließlich ist eine Band dieses Kalibers selten hier in der Gegend. Und dann noch in einem kleinen Club!

Als würden Blink-182 in Helgas Stadtpalast spielen. Oder Sting in der „Pumpe“.

Mit rund 150 Zuschauern war der Zwischenbau in Rostock aber genau passend für das Clubkonzert, das die amerikanische Band Tortoise in Rostock gab. Die aus Chicago stammende Gruppe hat sich bereits ins Rocklexikon eingetragen: Sie gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Postrock. Dies ist eigentlich nur eine hilflose Vokabel bei der Beschreibung dessen, was nach dem Rock kam oder kommen sollte. Postrock hat sich aber eingebürgert als eine stilistische Mischung aus Indie, Krautrock, Progressive Rock und bisschen Jazz.

Fakt ist auch: Die Künstler des Genres scheren sich kaum um kommerzielle Erwartungshaltungen oder herkömmliche musikalische Muster. Sie agieren weitab des Mainstreams. Und Tortoise ist übrigens die englische Bezeichnung für eine Landschildkröte.

Doch das alles ist nur Theorie. Auf der Bühne zeigte sich die Band spiel- und experimentierfreudig wie auf ihren Alben. Anlass für die aktuelle Tortoise-Tour ist das am Jahresanfang erschienene Album „The Catastrophist“. Das Songmaterial des Abends kam auch von anderen Tortoise-CDs wie „TNT“ (1998) oder „Standards“ (2001).

Es machte Spaß, den Musikern bei der Arbeit zuzusehen. Zentraler Künstler bei Tortoise ist John McEntire, der abwechselnd Schlagzeug und Keyboards bediente. Auch bei den anderen Bandmitgliedern gab’s im Laufe des Konzerts ein munteres Durchtauschen der Musikinstrumente – jeder Musiker spielte das, was der Song eben verlangte. Ihre Kompositionen folgten nicht Rockmustern, sondern boten manchmal einander gegenläufige Melodien, oft sich gegenseitig überlagernden Rhythmen. Manchmal wirkte dies wie die Suche nach einem Song, nur provisorisch auf ein Indierock-Fundament gesetzt.

Auch das Tortoise-Instrumentarium ist für den Rock ungewöhnlich: Vibrafon und andere Schlagwerke erweitern die Sounds beträchtlich, die Synthesizer liefern oft drollige Klänge wie aus der Spielekonsole. Zusätzliche Möglichkeiten ergeben sich dadurch, dass zwei Schlagzeuge auf der Bühne stehen. Und Tortoise ist bei aller Experimentiererei durchaus auch dem Schönklang zugeneigt – manchmal ergeben sich recht märchenhafte Klanglandschaften.

Das Publikum erlebte fünf ernsthaft und auch recht schweigsam arbeitende Musiker, die unprätentiös agierten. Hochinteressant, das alles mal aus der Nähe betrachten zu können.

Thorsten Czarkowski

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