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Nachrichten Kultur Trauer um Jazz-Papst Michael Naura
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00:00 15.02.2017

In der Nachkriegszeit war Michael Naura einer der erfolgreichsten Jazzpianisten in Deutschland, er gehörte zu den besten Jazzmusikern – neben Albert Mangelsdorff, Heinz Sauer, Ernst-Ludwig Petrowsky, dem Vibrafonisten Wolfgang Schlüter. Eine zweite Karriere – bedingt auch durch eine Erkrankung – machte er im Hörfunk. 1971 bis 1999 leitete er sachkundig wie scharfzüngig die NDR- Jazzredaktion. Er machte sich nach der Wende jahrelang für die Eldenaer Jazz Evenings in Greifswald stark, die er ein „ungeschliffenes Juwel“ nannte. Am Montag ist Naura (82) nach langer Krankheit in Hollbüllhuus bei Husum gestorben.

„Michael Naura war brillant. Von vielen als Jazz-Papst verehrt, hat Michael Naura im NDR unüberhörbare Akzente gesetzt“, sagte NDR-Intendant Lutz Marmor. „Er verantwortete die legendären NDR Jazzworkshops, kämpfte unermüdlich für ’seine’ Musik und jazzte selbst am Klavier.“

Naura, 1934 in Memel (heute Klaipeda/Litauen) geboren, kam als Kind mit der Mutter nach Berlin. Hier studierte er Philosophie, Soziologie, spielte nebenher Klavier. 1953 – mit 19 Jahren – gründete er in Berlin das Michael-Naura-Quintett; 1956 Umzug nach Hamburg. Im Jazzkeller in den Colonnaden spielte die 1962/63 zur besten deutschen Band gewählte Formation jahrelang sechs Nächte die Woche. „Es war schlimmer als Bergbau“, berichtete Naura einmal. Die Nächte in verqualmten Räumen vor alkoholisiertem Publikum forderten ihren Tribut. 1963 bis 1966 musste Naura pausieren. Die besten Jazzer Deutschlands taten sich zur Benefizvorstellung zusammen, um ihm zu helfen, Behandlungskosten aufzubringen. Das hatte es in der deutschen Jazzgeschichte nie zuvor gegeben.

1966 begegnet Naura dem Lyriker Peter Rühmkorf. Die Zusammenarbeit unterm Stichwort „Jazz und Lyrik“ trug Früchte. Als Leiter der NDR-Jazzredaktion produzierte, organisierte, schrieb er, machte weiter Musik. Seine Kritiken waren sprachlich brillant, konnten auch herb ausfallen. „Kaum ein kritisches Wort im Jazz (...) besitzt mehr Gewicht“, schrieb einmal die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Matthias Hoenig

OZ

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