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Kultur Trauriges Mädchen wandert durch die Stadt
Nachrichten Kultur Trauriges Mädchen wandert durch die Stadt
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00:00 21.03.2017
In Mainz ist die Streetart-Darstellung des „Traurigen Mädchens“ in der ganzen Stadt zu sehen. Quelle: Foto: Peter Zschunke/dpa
Mainz

Schmuddelkinder als heimliche Stars: „Die Fangemeinde rund um Streetart wächst stetig“, sagt der Hamburger Experte Sebastian Hartmann. Einige Graffiti-Sprayer sind gefragter denn je bei Galerien und Museen. Die meisten aber bleiben im Straßenraum, anonym und oft so rätselhaft wie der weltbekannte britische Streetart-Künstler Banksy. Ein Geheimnis umgibt auch das „traurige Mädchen“, eine Motivserie, die in Mainz seit einigen Jahren die Fantasie der Betrachter bewegt. Bekannt ist nur, dass die Bilder von einer Frau gesprayt wurden.

Der Blogger Marcel Böhres hat eine Karte mit allen Standorten und Fotos der „traurigen Mädchen“ erstellt. Sie erscheinen gehäuft in der Neustadt, aber auch in der Altstadt und sind vereinzelt bis Bingen und Nieder-Olm zu finden. Allen gemeinsam ist das schmale Gesicht mit spitzem Kinn und melancholischem Ausdruck, aber stets sieht das „traurige Mädchen“ etwas anders aus. Sein Blick wirkt mal nachdenklich, mal keck, mal unterstreicht er die Tristesse von urbanen Brachflächen und Mietshäusern. In der Stadtverwaltung wird die ästhetische Wirkung des „traurigen Mädchens“ eingeräumt. „In ungenutzten Arealen kann das Umfeld so verschönert und bereichert werden“, sagt ein Sprecher. Auf privaten Häusern seien Graffiti aber Sachbeschädigung und ein Straftatbestand.

Aus anderen Städten kenne er das Motiv des „traurigen Mädchens“ nicht, sagt der Experte Hartmann. Das Besondere daran sei die Variation. „Die meisten Streetart-Künstler erstellen Schablonen eines Motivs, das immer gleich aussieht.“ Dass ein Motiv stetig variiert werde, kenne er sonst nur von den „Blue Heads“ aus Düsseldorf – verschrobenen und chaotischen Köpfen und Gesichtern in Blau.

„Wo die Blue Heads verrückt und unterhaltend daherkommen, ist das traurige Mädchen melancholisch und zeigt eine pessimistische Weltsicht“, sagt Hartmann. Sonst überwiegen in der Straßenkunst oft ironische oder sarkastische Ansätze. „Von daher ist das ,traurige Mädchen’ außergewöhnlich.“

Böhres ist vor fünf Jahren auf die traurige Gestalt aufmerksam geworden und entdeckte bald: „Die ist ja überall!“ Da packte ihn die Sammelleidenschaft und er veröffentlichte Fotos der „traurigen Mädchen“ in seinem Blog. Es sei schade, wenn eines der Bilder wieder verschwinde, sagt er. Aber im weltweiten Netz leben die „traurigen Mädchen“ auch weiter, wenn sie übertüncht sind.

Peter Zschunke

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