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Trollig und trotzig: Brekenfelds irdische Engel

Rostock Trollig und trotzig: Brekenfelds irdische Engel

Bis zum 19. November zeigt die Rostocker Galerie Auriga Werke von Malte Brekenfeld

Rostock. Malte Brekenfeld hat schon viel ausprobiert. Er hat Fische auf einem Zeichenblock filetiert und die bizarren Muster aus getrocknetem Blut und Fischschleim zu Bildern verarbeitet. Er hat aus Hinterlassenschaften von Kühen Kunstwerke geschaffen. „Das war kurz nach dem Studium, als ich beweisen wollte, dass man aus Scheiße Geld machen kann“, sagt der 50-Jährige und lacht. Seine Punk-Attitüde hat der Repnitzer inzwischen abgelegt. Seine unkonventionellen Methoden sind geblieben. Auch wenn das in der aktuellen Ausstellung verwendete abgestandene Schmutzwasser, in dem Acryl- und Tuschreste für einen pastosen Farbauftrag sorgen, im Vergleich fast harmlos wirkt.

Unter dem Titel „Grüne Engel kreuzen meine wirre Stirn“ sind ab heute 33 aktuelle Werke des Künstlers in der Rostocker Galerie Auriga im Fischereihafen zu sehen. Einer der Schwerpunkte ist die offene Serie „Aus meiner Sammlung sehr kleiner Engel“. 22 davon hat Brekenfeld in Mischtechnik auf Karton gebannt. Doch engelsgleich sind bei den himmlischen Wesen allenfalls die Flügel. Trollartig bis trotzig kommen Brekenfelds Engel daher. Sie tragen Teufelshörner, machen mit einem „Nö“ in einer Sprechblase oder abgelegten Flügeln und surreal großer Hand deutlich, dass sie nicht uneingeschränkt bereit sind, die ihnen zugedachte Funktion auszuüben.

Vielleicht ist es gerade die Ambivalenz des bekennenden Atheisten, der sich mit Vorliebe mit Religion und Sinnfragen auseinandersetzt, die seine Engel so menschlich machen, seine Werke so vieldeutig.

„Für mich ist ein Schutzengel kein himmlisches Wesen, sondern eher jemand, der Hilfestellung leistet“, sagt der Künstler. Ein anderer Engel mahnt dazu, Verantwortung zu tragen. Den wirtschaftlichen, ökonomischen und gesellschaftlichen Umwälzungen unserer Zeit stellt Brekenfeld daher eine ganze Armada von Engeln gegenüber. „In diesen Zeiten kann man gar nicht genug Engel um sich scharen“, sagt er. Deswegen soll die Serie weiterwachsen. „Es können 80 oder 180 werden, vielleicht auch 1800. Ähnlich wie beim Ablasshandel kann dann jeder seinen eigenen Engel erwerben“, sagt Brekenfeld mit einem Lächeln.

Auch elf großformatige Bilder hat der Künstler mit in die Galerie Auriga gebracht. Er lässt den Betrachter in seine ganz eigenen Bildwelten eintauchen, in denen es so viel zu entdecken gibt. Oft schwingt in Brekenfelds Bildern die Sehnsucht nach dem Paradies mit, der Versuch des Menschen, sich dies durch Kultivierung von Welt zu erschaffen, was letztlich die irreversible Schädigung des blauen Planeten zur Folge hat. Das wird auch in dem Bild „Kleiner blauer Planet“ deutlich, in dem winzige Menschen in einer surrealen Pflanzenwelt die Reste eines Astronauten wegschleppen.

Auf dem Werk „Das Ufo“ sind fremdartig aussehende Menschen zu sehen, die raum- und zeitlos umherzutreiben scheinen. Gezogen von einem Engel, nähern sie sich einem kleinen, abwehrend wirkenden Volk, das sich den Besuchern auf einer Pflanze entgegenstemmt. Obwohl Brekenfelds Bilder immer auch ein kritisches Statement zum Zustand der Welt darstellen, sind sie um vieles komplexer: Sie sind eine Metapher für die Kausalketten alles Irdischen, ein ständiger Kreislauf aus Werden und Vergehen, eine Symbiose aus Menschlichem und Pflanzlichem, thematisieren sowohl sexualisierte Natur wie Maschine.

Vor allem sind den Deutungsmöglichkeiten des Betrachters keine Grenzen gesetzt: „Ich gehe nicht mit einem konkreten Plan an meine Bilder, viele Dinge lasse ich unbewusst geschehen“, sagt Brekenfeld, der seine Werke gern auch nachträglich deutet. Wichtig ist ihm vor allem: „Es ist immer alles offen.“

Stefanie Büssing

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