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Kultur Tschechow ohne Tschechow?
Nachrichten Kultur Tschechow ohne Tschechow?
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00:10 08.05.2017
Zwei Schauspieler auf der Bühne gratulieren dem Regisseur und Schauspieler Herbert Fritsch zum Theaterpreis. Quelle: Jörg Carstensen
Berlin

Nein, glücklich sind sie nicht. Die „Drei Schwestern“, die sich in regelmäßigen Abständen im Ferienhaus irgendwo auf dem Land treffen. Regisseur Simon Stone zeigte zum Auftakt des 54. Berliner Theatertreffens am Samstagabend Anton Tschechows berühmtes Stück – in einer radikal modernisierten Fassung voller Liebe, Leid und Lebensfrust. Ohne einen Original-Satz von Tschechow kommen Stone und sein Ensemble vom Theater Basel aus. Die Dialoge des Klassikers wurden komplett neu geschrieben. Stone bietet eine Überschreibung mit deftiger Wortwahl und exzentrischen Ausbrüchen. Dennoch schafft er es, die Melancholie von Tschechows Drama spürbar und die Stagnation im Leben seiner Figuren und ihren Traum von einem besseren Leben nachvollziehbar zu machen.

Vom als besonders wählerisch geltenden Berliner Theaterpublikum gab es für die Basler zum Festivalstart viel Applaus. Unter den Zuschauern im Haus der Berliner Festspiele waren auch zahlreiche prominente Schauspieler und Theatermacher wie Lars Eidinger, Nina Hoss, Burghart Klaußner und Claus Peymann.

Am Sonntag wurde beim Festival bereits die erste Auszeichnung verliehen: Regisseur Herbert Fritsch wurde mit dem mit 20 000 Euro dotierten Theaterpreis Berlin ausgezeichnet. Er sei extrem gerührt und emotional „umgerührt“, sagte der 66-jährige Theatermacher, dem Freunde und Kollegen wie Volksbühnen-Intendant Frank Castorf und die Schauspieler Corinna Harfouch, Sebastian Blomberg, Christine Urspruch und Josef Ostendorf gratulierten.

Die Jury sprach Fritsch die Auszeichnung für seine außerordentlichen Verdienste um das deutschsprachige Theater zu. Zum diesjährigen Theatertreffen ist er mit seiner Inszenierung „Pfusch“ eingeladen.

Bei Simon Stones Auftakt-Inszenierung aus Basel beeindruckte das Publikum vor allem auch das Bühnenbild von Lizzie Clachan. Sie entwarf für die Spieler auf der Drehbühne ein komplett eingerichtetes Haus – mit Küche, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer. Durch die großen Fenster sind die mit Mikrofonen ausgestatteten Schauspieler zu beobachten, als seien sie freizügige Nachbarn.

Wenn Mascha (Franziska Hackl), Olga (Barbara Horvath) und Irina (Liliane Amuat) dort ihren kiffenden Bruder und ihre frustrierten Freunde treffen, dann fühlt man sich wahlweise ein bisschen wie ein Voyeur oder als Zuschauer einer High-End-Soap.

Elke Vogel

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