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Über den Selbstbetrug

Rostock Über den Selbstbetrug

Schriftsteller Ingo Schulze sieht Freiheit und Sozialstaat bedroht.

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Autor Ingo Schulze. Hormann

Quelle: Frank Hormann/ nordlicht

Rostock. Politischer Donnerstag im Rostocker Peter-Weiss-Haus: Gast ist Autor Ingo Schulze (50). Gegenstand der Diskussion dessen viel beachtete kapitalismuskritische Dresdner Rede von 2012 „Unsere schönen neuen Kleider“.

„Aber er hat ja gar nichts an!“, ruft das Kind im Hans-Christian-Andersen-Märchen angesichts der neuen Kleider des Kaisers und spricht so aus, was alle sehen, doch nicht zu sagen wagen. Diese Parabel auf den Selbstbetrug der Menschen stellt Ingo Schulze dem Gespräch voran.

In 13 Thesen hatte er in seiner Rede — ausgehend von diesem Gleichnis — den Verfall der Demokratie beschrieben, sich zu wichtigen politischen Aspekten wie der voranschreitenden Privatisierung aller Lebensbereiche und der Rolle der Medien geäußert und die Marktlogik attackiert, „durch die seit 20 Jahren die Gewinne privatisiert und die Verluste wie das Risiko sozialisiert werden“.

Er habe das anhaltende Schweigen über gravierende politische Themen als persönliche Herausforderung angesehen, um als politischer Mensch öffentlich Position zu beziehen. „Uns erwartet in den kommenden Jahren eine weitere gesellschaftliche Polarisierung. Davor habe ich große Angst. Dagegen muss ich etwas tun“, nimmt sich Schulze selbst in die Pflicht.

„Der Staat braucht Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Beides sehe ich jedoch stark bedroht und bin nicht bereit, es hinzunehmen.“ Die Parabel fordere ihn auf: „Nimm dich selbst wieder ernst, lasse dir nichts vormachen!“

Das Andersen-Märchen sei aktuell. Es zeige ihm, „wie wir veräppelt werden, aber dass wir auch etwas dagegen tun können“. Hier stelle sich ihm die Frage nach der Rolle des Schriftstellers bei gesellschaftlichen Veränderungen, meinte Schulze. Eine Frage, die er für sich im kämpferischen Sinne beantwortet, wofür er viel Applaus vom Publikum erhält.

Werner Geske

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