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Überfällige Aufarbeitung des „Systems Wandlitz“

Berlin Überfällige Aufarbeitung des „Systems Wandlitz“

Zwei Historiker sehen in der ehemaligen Waldsiedlung mehr als die „Bonzensiedlung“ der DDR-Oberen

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Treffen zum 79. Geburtstag von Walter Ulbricht: Mitglieder des Politbüros 1972 in Ulbrichts Privaträumen in der Waldsiedlung Wandlitz.

Quelle: dpa

Berlin. „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“, lautete 1834 Georg Büchners Kampfansage gegen die Verschwendungssucht der Reichen und Mächtigen. Doch wie kann eine triste Siedlung aus den immer gleichen langweiligen Einfamilienhäusern 155 Jahre später für Empörung in der Bevölkerung sorgen? Aus heutiger Sicht ist die Wut der DDR-Bürger 1989 auf ihre im Wald bei Wandlitz abgeschottet lebende Führung kaum noch nachvollziehbar.

Die Historiker Elke Kimmel und Jürgen Danyel tragen mit ihrer auf intensiven Archivrecherchen beruhenden Publikation „Waldsiedlung Wandlitz. Eine Landschaft der Macht“ zu einem besseren Verständnis der Frage bei, warum die Siedlung zu einem „Sargnagel“ für die SED-Führung wurde. Es ist an der Zeit, dass sich nach den Angestellten und den ehemals mächtigen Bewohnern nun auch Wissenschaftler der geschlossenen Lebenswelt der DDR-Obersten annehmen und eine distanziertere, analytische Perspektive bieten.

Kimmel und Danyel beschäftigen sich in dem 200-seitigen Band nicht nur mit dem von der Bevölkerung besonders beargwöhnten System der „Sonderversorgung“, sondern begreifen Wandlitz als weit über die Waldsiedlung hinausreichendes System. In zehn Kapiteln arbeiten sie unter anderem die Geschichte der Siedlung auf und gehen sehr genau auf die Bewohner und deren Alltag ein.

Als Udo Lindenberg sich 1983 in seinem Lied „Sonderzug nach Pankow“ ironisch und provokant an Erich Honecker wandte, lebte der schon längst nicht mehr dort. Ab 1960 mussten die Mitglieder des SED-Politbüros von Pankow in die Waldsiedlung Wandlitz in Brandenburg ziehen. Im kollektiven Gedächtnis wird der Name „Wandlitz“ verankert bleiben – als Beispiel für die Kluft zwischen den Ansprüchen einer politischen Elite und ihrem moralischen Versagen in der Praxis. Doreen Mildner

OZ

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