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Uffizien auf Modernisierungskurs

Florenz Uffizien auf Modernisierungskurs

Vor einem Jahr gab es den großen Paukenschlag. Erstmals wurde ein Ausländer zum Direktor der Uffizien in Florenz ernannt. Wo steht eines der bedeutendsten Museen jetzt? Der deutsche Chef Eike Schmidt zieht Bilanz - und kündigt Neues an.

Florenz. Zecken waren nur ein kleines von vielen großen Problemen, nachdem Eike Schmidt seinen neuen Job angetreten hatte. Die Parasiten hatten sich in die Räume der Uffizien verirrt, die Kammerjäger mussten anrücken, und mehrere Säle der Gemäldegalerie wurden vorübergehend geschlossen.

Doch sonst beschäftigt sich der deutsche Kunsthistoriker Schmidt als Direktor des Museums in Florenz mit komplexeren Themen. Zum Beispiel wie man eines der wichtigsten Museen der Welt besucherfreundlicher macht.

„Wir sind zusammen mit der Galleria dell'Accademia in Florenz das Museum mit den meisten Besuchern pro Quadratmeter - weltweit“, sagte der 48-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Damit will Schmidt das oft große Gedränge in den Uffizien veranschaulichen. Zusammen mit dem dazugehörigen Palazzo Pitti und dem Giardino di Boboli - die alle auf die Medici-Familie zurückgehen - kämen pro Jahr etwa 3,4 Millionen Menschen in die Uffizien. Vor allem in den Sommermonaten schieben sich die Massen dicht an dicht durch die Hallen, in denen so bekannte Renaissance-Werke wie Sandro Botticellis Venus ausgestellt sind.

Dazu arbeitet Schmidt zusammen mit der Universität im italienischen L'Aquila ein neues Konzept aus: Einerseits sollen die Schlangen vor dem Museum besser gelenkt werden. Andererseits sollen drinnen Bilder umgehängt, Türen geöffnet und neue Ausgänge geschaffen werden. „Denn besser reinzukommen ist nur eine kosmetische Korrektur, wir wollen auch innen ein optimales Kunsterlebnis“, sagt Schmidt. Das alles gehe aber nur „Schritt für Schritt“ - erst 2018 erwartet er die volle Wirkung der neuen Maßnahmen.

Im selben Jahr will er auch den Vasarianischen Korridor, der von den Uffizien über die Vecchio-Brücke zum Palazzo Pitti auf der anderen Seite des Flusses Arno führt, für das Publikum öffnen. Bisher darf man nur mit einer privaten Führung in den Gang, der eine riesige Porträt-Sammlung beherbergt. Dann könne man „wie einst die Medici-Fürsten über die Stadt spazieren“, so Schmidt.

Der gebürtige Freiburger wurde im August vergangenen Jahres zum Direktor des Museums ernannt, im November nahm er die Arbeit auf. Seine Ernennung war Teil einer großen Museumsreform, für die das Kulturministerium in Rom erstmals international Museumsdirektoren suchte. „Grund dafür war, dass man Sachen, die im Ausland funktionieren, nach Italien importieren wollte“, sagt Schmidt, der zuvor in den USA unter anderem an der National Gallery of Art in Washington, am Getty Museum in Los Angeles und am Minneapolis Institute of Arts gearbeitet hatte. „Als Ausländer ist man in Italien nicht automatisch mit jemandem verbandelt und hat oft einen objektiveren Blick.“ 

Viele staatliche Museen in Italien krankten daran, dass sie Beamte des Ministeriums führten. Überbordende Bürokratie war die Folge. Das Manöver von Kulturminister Dario Franceschini zog vor einem Jahr aber auch Kritik auf sich. Nun wurde das internationale Ausschreibungsprogramm sogar neu aufgelegt. Zudem bekamen die Museen im Zuge der Verwaltungsreform mehr Autonomie und können das verdiente Geld langfristig anlegen, statt es gleich zurück nach Rom zu überweisen.

Schmidt merkt man die amerikanische Prägung an: So organisierte er eine Ausstellung über Karl Lagerfeld in Zusammenarbeit mit der Florentiner Modemesse Uomo Pitti. Zudem ist er Sponsoring gegenüber aufgeschlossen. „Die Tatsache, dass private Leute Geld geben wollen, ist zunächst einmal etwas Positives.“ Ein Problem sei allerdings, wenn der Sponsor im Gegenzug eine riesige Werbefläche für lange Zeit verlange. „Da muss man Grenzen setzen.“ 

Das Thema wird seit längerem in Italien diskutiert, nachdem der Modekonzern Fendi für die Restaurierung des Trevi-Brunnens in Rom eingesprungen ist und der Lederwarenkonzern Tod's für die Renovierung des Kolosseums.

Jedoch betrifft dies weniger die Uffizien, die schwarze Zahlen schreiben. Eine Strafe, die Schmidt aufgebrummt bekam, als er ohne Erlaubnis der Kommune per Megafon vor dem Museum vor Taschendieben warnen ließ, bezahlte er aus eigener Tasche. Kosten: 295 Euro.

dpa

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