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„Und irgendwo ist immer Licht bei ihm“

Ahrenshoop „Und irgendwo ist immer Licht bei ihm“

Dornenhaus Ahrenshoop zeigt „Traum und Poesie – Das Unsichtbare im Sichtbaren“ / Retrospektive zum 90. Geburtstag von Werner Zöhl (1926-2012) aus Fischerhude

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Renate Löber (65) vor den Bildern „Die Flötenspielerin“ (2006) und „Frauenbild mit weißer Vase“ (1993) von Werner Zöhl Fotos (3): Dietmar Lilienthal

Ahrenshoop. „Das schlafende Kind am Tisch“ – ein Ölbild, 1952 auf Sperrholz gemalt. Und „Mittagsschlaf des Mädchens“, Öl auf Leinwand aus dem Jahr 1980. Da liegen fast 30 Jahre dazwischen. Aber beide Bilder tragen ähnliche Sehnsuchtszüge und haben etwas madonnenhaft Religiöses in sich.

OZ-Bild

Dornenhaus Ahrenshoop zeigt „Traum und Poesie – Das Unsichtbare im Sichtbaren“ / Retrospektive zum 90. Geburtstag von Werner Zöhl (1926-2012) aus Fischerhude

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Ausstellung: „Traum und Poesie – Das Unsichtbare im Sichtbaren“, Retrospektive zum 90. Geburtstag von Werner Zöhl (1926-2012) mit 52 Arbeiten aus der Zeit von 1947 bis 2004; bis 18. November.

Diese Ausstellung ist 2016 die letzte vor der Weihnachtsausstellung im Dornenhaus, die im Anschluss eröffnet wird.

Das Werk von Werner Zöhl (1926-2012) aus Fischerhude, nahe der Künstlerkolonie Worpswede, vereint eine enorme Vielfalt und zugleich Ähnlichkeit auf engstem Raum. Auch von daher passt es sehr gut, dass sich Renate Löber (65) von der Galerie im Dornenhaus Ahrenshoop entschieden hat, diesem außergewöhnlichen Maler eine Retrospektive zu widmen.

Auf engstem Raum in den kleinen Ausstellungsräumen eröffnet das Dornenhaus Zöhls Welt. Eine Welt aus Sehnsucht, Zärtlichkeit dem Menschen gegenüber, religiösen Motiven und der „Bewahrung des Menschen in der Natur“, wie die Galeristin sagt.

„Traum und Poesie – Das Unsichtbare im Sichtbaren“ heißt die Schau, die bis zum 18. November läuft. Der erste Teil des Titels bezieht sich auf die Inhalte, die Motive – „sogar die Gegenstände sind bei ihm vieldeutig“, sagt Renate Löber. Der zweite Teil meint die technische Ebene. Zöhl war ein Schüler des von den Nazis verfemten Bauhaus-Malers Erwin Hahs (1887-1970). Der riet ihm, als Zöhl 1948 aus drei Jahren britischer Kriegsgefangenschaft zurückkam, sich nicht mit dem Besuch von Kunstschulen aufzuhalten. Und so malte und zeichnete der damals 22-Jährige in Bremen drauflos. Aus England war Zöhl mit einem Rucksack voller Zeichnungen zurückgekehrt, die er in Gefangenschaft gefertigt hatte. Renate Löber: „Er hat schon als junger Mensch diese hohe zeichnerische Begabung gehabt.“ Sein Hauptwerk jedoch ist die Malerei, das Ölbild. Sein grafisches Werk wirkt in seiner Leichtigkeit wie die Skizze zur Ölmalerei. Die frühen Werke erinnern stark an Klee, Feininger, Mondrian, Picasso – der Kubismus scheint allerorten durch. Davon entfernt sich Zöhl und findet zu einer kaleidoskopartigen Verdichtung und einer Zurücknahme der Farbe mit zunehmendem Alter.

Bereits 1964 – mit 38 Jahren – kehrt er dem Kunstbetrieb den Rücken und zieht sich ins beschauliche Fischerhude vor den Toren Bremens zurück. Die Abgewandtheit vom irdischen Kunstbetrieb und seinen kommerziellen Notwendigkeiten sieht man seinem Werk an. Renate Löber: „Er ist schön, aber bewusst nicht dekorativ. Dafür sind die Übergänge zu fließend. Er war ja der Poet mit dem Pinsel. Es sind Dingbilder in Traumwelten, aber es sind keine Traumwelten. Zöhl malt nicht, was gefällt. Er ist nie dekorativ.“ Er malt, weil er es muss. Malerei, die aus einem inneren Zwang, einer Unbeugsamkeit im Charakter, herausmuss. Vieldeutigkeit und Feinfühligkeit. Werner Zöhl hat drei Themen: Stillleben, Landschaft und Figur. „Alle Bilder, die nur Landschaft zeigen, sind rein paradiesische Bilder.

Sobald der Mensch dazu kommt, sind Brüche drin. Alle Bilder enthalten eine große Sehnsucht“, erklärt Löber. Es gibt sehr viele Bilder mit Kindern und jungen Frauen – Symbolik für Reinheit und Schönheit.

Im Dornenhaus hängen 52 Arbeiten, überwiegend Ölbilder, aber auch Holzschnitte und Zeichnungen aus der Zeit von 1947 bis 2004, die noch nie ausgestellt wurden. Das früheste Werk, „Die Badenden“

hat Zöhl 1948 aus Gefangenschaft mitgebracht. In all den Arbeiten wirkt eine innere Ruhe, ein Frieden. Was auf den ersten Blick wie Einsamkeit wirkt, bietet die Möglichkeit an, Frieden zu stiften.

„Und irgendwo ist immer Licht bei ihm“, sagt Renate Löber.

Michael Meyer

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