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Kultur „Unrealistisch, aber unterhaltsam“
Nachrichten Kultur „Unrealistisch, aber unterhaltsam“
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00:00 15.10.2016
Katrin König (gespielt von Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) im „Polizeiruf 110“ mit dem Titel „Im Schatten“.

Sonntagabend ist Krimizeit: In der morgigen „Polizeiruf 110“-Folge „Im Schatten“ wird erneut ein Verbrechen in Rostock aufgeklärt. In Anlehnung an das Buch „ZeroZeroZero“ von Roberto Saviano wird der Rostocker Hafen als Kokainumschlagplatz in Nordeuropa inszeniert.

Der neue „Polizeiruf 110“ aus Rostock heißt „Im Schatten“ / Hafenkapitän und Polizei beurteilen Sonntags-Krimi

Das Drehbuch zur neuen Folge hat Florian Oeller geschrieben. Es ist seine dritte Arbeit für den „Polizeiruf 110“.

Sendetermin: „Im Schatten“ läuft am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten

Wenn ein Dealer erschossen, eine Kronzeugin erstickt und ein Zollbeamter tot unter einer Brücke aufgefunden werden, sitzen auch zahlreiche Rostocker wieder gespannt vor den Fernsehgeräten. So auch der Hafenkapitän der Hansestadt Gisbert Ruhnke und seine Frau: „Der Polizeiruf aus Rostock ist immer sehr spannend“, sagt der 63-Jährige, der seit zehn Jahren für Ordnung und Sicherheit am Hafen sorgt.

Keine Folge hat er bislang verpasst. Das Ermittlerteam aus Katrin König (gespielt von Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) hat es ihm besonders angetan. „Die passen richtig gut zusammen“, schwärmt Ruhnke. Besonders Bukow sei mit seiner robusten Art ein typischer Rostocker. „So sind die Norddeutschen eben.“

Dass der aktuelle Kriminalfall an seinem Arbeitsplatz spielt, hat einen ganz besonderen Reiz für den Hafenkapitän: Illegale Drogengeschäfte der kalabresischen Mafia, der berüchtigten „Ndrangheta“, am Rostocker Seehafen, involvierte Unternehmen am Düngemittelkai und korrupte Zollbeamte. „Manchmal ist es ein wenig übertrieben dargestellt, aber das gehört wohl zum Kriminalfilm dazu“, meint Ruhnke.

Dennoch sei es ein durchaus vorstellbares Szenario. „Es kommt in der Weltschifffahrt vor, dass sich Zöllner oder Speditionen auf so etwas einlassen. Darauf muss man vorbereitet sein“, sagt der Hafenkapitän. Umfangreiche Kontrollen in Zusammenarbeit mit der Wasserschutzpolizei und dem Grenzschutz seien ausschlaggebend. „Ich gehe davon aus, dass der Zoll hier ordnungsgemäß arbeitet. Wir haben in der Realität da keine Probleme“, scherzt Ruhnke.

Dennoch habe auch er in seiner Laufbahn bereits „krimitaugliche“ Vorfälle erlebt, beispielsweise Brände oder unerklärliche Unfälle mit Schiffen. Sogar einen großen Drogenfund habe es 2005 gegeben:

150 Kilogramm Kokain mit einem Marktwert von rund fünf Millionen Euro wurden im unter Wasser liegenden Ruderkasten eines Kohlefrachters entdeckt. „Das wurde damals gleich erkannt, um weiteres zu verhindern. Es kann immer etwas passieren, wenn man nicht auf Ordnung und Sicherheit achtet.“

Die Ermittlungsarbeit der Fernseh-Beamten habe jedoch kaum etwas mit echter Polizeiarbeit zu tun, erklärt Isabel Wenzel vom Polizeipräsidium Rostock. „Es ist von vorne bis hinten unrealistisch. Alle Klischees werden im Polizeiruf bedient“, sagt die Kommissarin, die seit 2012 als Pressesprecherin tätig ist.

Zwar sei eine Zusammenarbeit mit dem Zoll, so wie im neuesten Polizeiruf, durchaus üblich. Die Aufklärung eines Mordfalles sei jedoch viel aufwendiger, als es ein Fernsehkrimi darstellen könnte. „Es dient schließlich der Unterhaltung“, sagt Wenzel.

Dies zeige sich auch in der Darstellung des Ermittler-Duos. „Solche speziellen Typen, wie im Fernsehen, wären in einem echten Ermittlungsteam schwierig. Alle müssen sich abstimmen und an einem Ziel arbeiten.“ Schon die Zusammensetzung des Teams sei unrealistisch. Eine Zusammenarbeit zwischen einer Fallanalytikerin vom Landeskriminalamt und einem Kommissar aus der Polizeiinspektion, wie im Falle von Bukow und König, gebe es in Wirklichkeit nicht. Und auch private Angelegenheiten blieben im Dienst außen vor. „Das geht dann doch zu weit“, sagt die 42-Jährige. Auch sie werde sich den neuen Polizeiruf ansehen, auch wenn sie bereits in vorherigen Folgen gesehen hat, dass sich viele Szenen gar nicht in Rostock abspielen. „Die Dienststelle die gezeigt wird, ist nicht in Rostock. Unser Haus ist viel schöner“, scherzt Wenzel.

Lisa Fritsche

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