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Tatort-Blitzkritik: „Echolot“ (Bremen) Unter Zauberlehrlingen

Ein bisschen zu viel digitale Hexenmeisterei ist der neue Fall von Inga Lürsen und Nils Stedefreund.

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In ihrem neuen Fall ermitteln die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) im Internet.

Quelle: Carmen Jaspersen/dpa

Bremen. Als Freund der analogen Lebenswelt hatte man im „Tatort“ aus Bremen das Vergnügen, einer ziemlich abgedrehten Spezies zuzuschauen: den Vertretern der Digital-Ökonomie. Sie sind überwiegend männlich und überhebliche Wesen, die glauben, die Menschheit warte auf ihre Segnungen. Und sie arbeiten in einer Bürolandschaft, in der es aussieht wie in Harrys Hafenbasar in St. Pauli. Wenn dann die schnöde Realität in ihre selbstprogrammierte Welt eindringt – ein Todesfall, der die Folge von Manipulationen an der Software eines Autos ist –, dann gucken die Nerds blöd aus der Wäsche.

So wie Goethes Zauberlehrling, der Urvater aller Start-Up-Idealisten, die fahrlässig eine Entwicklung lostreten, die dann außer Kontrolle gerät. „Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los...“ Der weibliche Avatar, den die Jungs von Golden Bird Systems nach dem Ebenbild einer Kollegin geschaffen haben, hat schon zu Beginn der Geschichte eine unheimliche Dimension und zu viel Eigensinn – das kann nur ein schlimmes Ende nehmen. Zumal es offenbar keinen Zugang zum Kern dieses „Nessa“ genannten Programmes mit menschlichem Antlitz gibt – keiner kennt den Code. Goethes Zauberlehrling kannte das Problem auch:

„Ach, ich merk es! Wehe! wehe! Hab ich doch das Wort vergessen!“

Abgesehen davon, dass sich das Regieteam von „Tatort: Echolot“, Claudia Prietzel und Peter Henning, etwas zu weit in eine dystopische Fiktion vorwagt – und das vor der biederen Kulisse Bremens –, abgesehen davon, dass es bereits etliche Kriminalromane gibt, die ebenfalls ein außer Kontrolle geratenes Computerprogramm als Bösewicht vorladen und abgesehen davon, dass der Fall „Nessa“ etwas zu bierernst vorgetragen wird: Die Ermittlungen der Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) im Internet und in angrenzenden Softwaregebieten sind in etwa so aufregend wie das Entziffern eines Algorithmus. Da hilft auch nicht die Verstärkung des Teams durch eine ansehnliche BKA-Kollegin (Luise Wolfram) mit den Fähigkeiten einer Systemadministratorin.

Dass das mörderische „Nessa“-Programm letztlich doch gelöscht werden kann, ist natürlich dieser Hexenmeisterin zu verdanken: „In die Ecke, Besen, Besen! Seids gewesen.“

Michael Berger

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