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Usedomer Konzertreihe im Geiste weltoffener Lebenslust

Usedomer Konzertreihe im Geiste weltoffener Lebenslust

Das Usedomer Musikfestival startet am Sonnabend in seine 23. Saison / Mit dem Baltic Sea Philharmonic tritt ein neues Ostseeorchester erstmals in Peenemünde auf

Peenemünde. Auserlesene Musik, neues Orchester, originelle Sicht auf Kulturgeschichte beim Länderschwerpunkt Schweden – und große politische Sensibilität. Für das am Sonnabend beginnende Usedomer Musikfestival erhält das Wort „Völkerverständigung“ nach den jüngsten Wahlergebnissen mit sehr hohem AfD-Ergebnis auf der Ostseeinsel ein nochmals gesteigertes Gewicht.

 

OZ-Bild

Dirigent Kristjan Järvi auf dem Rücken des polnischen Bassisten Milosz Madejski

Quelle: Peter Adamik

„Wir nehmen zur Wahl nicht explizit Stellung“, sagt Festivalpressesprecher Alexander Datz. „Aber wir repräsentieren zu dem düsteren Bild, das nach der Wahl von der Region gezeichnet wurde, seit 1994 ein Gegenbild: Wir stehen für Weltoffenheit.“

Gewicht hat dieser Gesichtspunkt dort schon immer. Als vorrangiges Ziel seines jährlichen Herbst-Festivals erklärt Intendant Thomas Hummel daher vor dessen 23. Ausgabe: „Die Völkerverständigung durch Musik in einer ehemals geteilten Region voranbringen.“ Die größte Spielstätte der Konzertreihe, das Kraftwerk Peenemünde, wo die Nazis im Zweiten Weltkrieg Raketen-Waffen entwickelten, ist heute symbolischer Ort der Versöhnung der Deutschen mit anderen Völkern. So steht das Eröffnungskonzert am 24. September (20.00 Uhr mit Gidon Kremer, seiner Kremerata Baltica und dem Baltic Sea Philharmonic unter Kristjan Järvi) als „Konzert der Freiheit“ anlässlich des 25. Jahrestages der Unterzeichnung der deutsch-polnischen Nachbarschaftsverträge unter Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Mit dem Länderschwerpunkt Schweden bringen in den nächsten drei Wochen 30 Konzerte, Lesungen und Ausstellungen an 21 Veranstaltungsorten die Insel zum Klingen und geistigen Schwingen. Als Höhepunkte kündigen die Festivalmacher ein Konzert der schwedischen Mezzosopranistin Ann Hallenberg mit dem Ensemble „Il pomo d’oro“ und Krimi-Autorin Donna Leon als „Konzertpatin“ an (27.9. in Zinnowitz), ebenso eine Lesung des Schauspielers Johann von Bülow mit Kammermusik des Boulanger Trios zum Thema „Tucholsky in Schweden“ (3.10. in der Evangelischen Kirche Benz).

Schweden steht nach 2006 zum zweiten Mal im Mittelpunkt des Festivals. Diesmal, so betont Intendant Hummel, bringt das Land interessante Positionen mit Schwerpunkt Vokalmusik und große Stimmen ins Programm. So treten mehrere Chor-Ensembles auf, darunter die A-cappella-Gruppe Vocal Six mit Stücken der Beatles bis Abba.

Auch kulturgeschichtlich holt der Länderschwerpunkt Interessantes ans Licht: nämlich die bedeutende Rolle, welche pommersche Bauern auf der Insel Usedom im 17. Jahrhundert für die internationale Musikgeschichte gespielt haben sollen. Festival-Dramaturg Jan Brachmann erklärt das so: Usedom war nach dem Dreißigjährigen Krieg (bis 1720) schwedisch. Als Königin Christina von Schweden (1626-1689), die auch Herzogin von Pommern war, im Jahre 1654 abdankte, zum Katholizismus konvertierte und nach Rom ging, sicherte ihr ein Staatsvertrag Gelder aus dem Gut Pudagla auf Usedom. In Rom förderte die schwedische Kunst- und Musikliebhaberin mit ihren Mitteln sehr großzügig ein Theater und verschiedene Komponisten. „Und wer weiß, vielleicht wäre ohne diese Usedomer Bauern die Musikgeschichte anders verlaufen?“, meint Alexander Datz.

Mit dem Baltic Sea Philharmonic im Eröffnungskonzert spielt erstmals ein neues Ensemble der Ostseeregion in Peenemünde: Es ist das Schwesterorchester des 2008 auf Usedom gegründeten Baltic Sea Youth Philharmonic (BYP).

Eröffnung: 24. September, 20 Uhr, Kraftwerk Peenemünde, Werke von Wilhelm Stenhammar, Mieczyslaw Weinberg und Peter Tschaikowski.

Programm:

• www.usedomer-musikfestival.de

Dietrich Pätzold

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