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Uwe Kolbes bittere Abrechnung mit Brecht

Uwe Kolbes bittere Abrechnung mit Brecht

Berlin. Hätte die DDR ohne Bertolt Brecht so lange Bestand gehabt? Die natürlich zugespitzte Frage (Brecht starb 1956) des 1957 in Ostberlin geborenen Lyrikers ...

Berlin . Hätte die DDR ohne Bertolt Brecht so lange Bestand gehabt? Die natürlich zugespitzte Frage (Brecht starb 1956) des 1957 in Ostberlin geborenen Lyrikers Uwe Kolbe zielt nicht auf die staatsrechtlichen Bedingungen Nachkriegsdeutschlands, die mit oder ohne Brecht bis zum Mauerfall 1989 Bestand gehabt hätten. Kolbe verweist vielmehr auf die Vorbildfunktion Brechts über seinen Tod hinaus für viele Künstler in der DDR für die Unterstützung des SED-Systems. Heiner Müller und andere leiteten von Brecht die Legitimation ab, dass man Kommunist und Künstler sein konnte, wie Kolbe in seinem Essay betont.

Er mutet den Lesern in dieser Streitschrift starken und teils subjektiven, auch polemischen Tobak zu. Kolbe will aber wie Brecht mit Zuspitzungen zum Nachdenken über althergebrachte Gedankengebäude anregen, zum produktiven Streit eben, also eigentlich ganz im Sinne Brechts. Vor allem will Kolbe an der „Vorbildfunktion“ des intellektuellen „Übervaters“ Brecht für nachfolgende Generationen einer ostdeutschen Dichterschule kratzen, politisch gesehen seiner Meinung nach mit verhängnisvollen Folgen. Kolbe rechnet sich selbst dazu, er komme aus einer DDR-Generation der Brecht-Begeisterung. „Aber ich bin in einer geschlossenen Gesellschaft groß geworden, in der Tabus mit dem Knüppel verteidigt wurden“, sage Kolbe. Daher müsse auch das Genie des 20. Jahrhunderts „dialektisch gesehen werden“, denn „der Leninist, der sich zur DDR bekannte und von ihr ein Theater geschenkt bekommen hat, war antidemokratisch“.

Uwe Kolbe: Brecht, S. Fischer Verlag, 175 Seiten, 18,99 Euro

OZ

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