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Kultur Vampire sind auch nur Menschen
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20:55 14.05.2018
Junge Schauspieler des Kindertheaterclubs Stralsund in „Das V-Urteil“. Ein Theaterspiel über die Ansichten zweier Welten. Quelle: Foto: Theater Vorpommern

„Das V-Urteil“ ist ein Theaterspiel des Theaterkinderclubs Stralsund. Darin geht es um „Ansichten zweier Welten“. So lautet auch die Unterüberschrift der jungen Schauspieler. Der Blick von zwei Seiten auf die anderen.

„Vorurteile sind ein großes Thema in unserer Zeit, Vorurteile gegen jemanden, der anders ist. Es ist ja gerade sehr wichtig, darauf zu gucken, welche vorgefassten Meinungen sich in uns festsetzen“, sagt Theaterpädagogin Sabine Kuhnert. Sie leitet den Theaterkinderclub und ist die Spielleiterin. Das läuft zusammen. Denn die Kinder entwickeln die Geschichte selbst. An dem „V-Urteil“ haben sie seit Beginn der Spielzeit gemeinsam gearbeitet.

Es geht dabei um Menschen einer Bevölkerungsgruppe, die in unserem Denken ganz bestimmte Stereotype aufrufen. Sie sind hinterhältig und gemein, oft von diabolischer Schönheit. Man verfällt ihnen und lässt sich von ihnen ins Verderben ziehen. Deshalb sollte man ihnen nicht zu nahe kommen: Es handelt sich um Vampire. Und die sind erstmal großes Thema bei der Pyjama-Party, mit der das Stück beginnt. Die Kinder lümmeln dabei auf großen Kissen herum und erzählen sich Gruselgeschichten. Mit Taschenlampe unter dem Kinn. Alle handeln von Vampiren. Und irgendwann erzählt ein Mädchen die wahre Geschichte ihres Großvaters. Der nämlich verliebt war in eine Vampirin. Schrecklich schön war sie. Seine große Liebe. Aber irgendwann hat sie ihn verlassen. Der traurige Abschiedsbrief aber entspricht ganz und gar nicht den Klischees, den die Kinder von Vampiren haben. Und damit geht’s los. Sie beschließen, ihren Vorurteilen auf den Grund zu gehen. Mittels Orakel beamen sie sich in die Welt der Vampire. Und das geschieht auf dieser Bühne völlig gefahrlos.

Vampire unterscheiden sich von den Menschen nur darin, dass sie schwarze Kapuzenjacken anhaben. Und gern Blut trinken. Und sich im Kino nicht vor Vampiren gruseln. Ansonsten sind sie ausgesprochen freundlich und großzügig. Haben den gleichen Ärger in der Schule und: Vorurteile gegen Menschen. Die finden sie schwach und ängstlich und nicht wirklich zu irgendwas tauglich. Außerdem ärgern sie sich über die Klischees, die Menschen von Vampiren haben. „Bei denen sind wir immer blutrünstig, glatzköpfig und haben lange Fingernägel.“ Auf der Bühne wird das alles mittels Talk-Show aufgearbeitet. Da kommen Wissenschaftler zu Wort, bilden sich Meinungen und Vorurteile.

Der Theaterpädagogin Sabine Kuhnert war es wichtig, das Phänomen von zwei Seiten zu betrachten. Insofern stellt sich auch die Frage, ob und wie Vampire und Menschen zusammenleben können. Und da gibt es Erlebnisse und Begegnungen, die diesen Klischees auf den Grund gehen.

Alle Episoden haben die Kinder sich in kleinen Gruppen ausgedacht. Ein paar der Mädchen, so Kuhnert, haben mit ihr dramaturgisch an der Horizontalebene gearbeitet. In welche Rahmenhandlung soll das Stück eingebettet sein? Welche Geschichten ziehen sich durch? Wie geht die Geschichte mit dem Opa und seiner Ex aus? „Die haben ganz viele Ideen eingebracht. An der Gesamtgestaltung aber sind alle beteiligt gewesen“, so Kuhnert. So sind die Kissen ein wunderbares Element für Spiel und Bewegung auf der Bühne, nicht zuletzt mündet die Pyjamaparty natürlich in einer Kissenschlacht. Auch die Projektionen haben sie selbst entwickelt und den Besucherflyer gestaltet.

Das Fazit auf dieser Bühne: Vampire sind auch nur Menschen. „Gute Nacht, Ihr Freaks!“ und dann kuscheln sich alle wieder in ihre Kissen.

Kinder spielen Theater

Der „Theaterkinderclub Stralsund“ gehört zum Theater Vorpommern.

Eine Spielzeit lang entwickeln die Mädchen und Jungen jeweils ein Stück und führen es auf.

Theaterpädagogin Sabine Kuhnert leitet die Kinder an. Dabei geht es viel um Spaß und Spiel. Aber die

Kinder lernen auch Rhythmus und

Timing, Stimme und Schauspiel.

Für die nächste Spielzeit können sich theaterinteressierte Kinder zwischen 9 und 15 Jahren anmelden. Geprobt wird wöchentlich im Theater auf der Probebühne.

Nächste Vorstellung „Das V-Urteil“ ist am Donnerstag, 17. Mai – ab 18 Uhr im Gustav-Adolf-Saal.

Juliane Voigt

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