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Kultur Venezianische Malerei in Hamburg
Nachrichten Kultur Venezianische Malerei in Hamburg
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16:33 23.02.2017
„Jupiter und Io“ von Paris Bordone. Quelle: Axel Heimken
Hamburg

Alles begann mit einer Entdeckung: Als die Restauratorin der Hamburger Kunsthalle das Gemälde „Bathseba am Brunnen“ von Paris Bordone (1500-1571) restaurierte, entdeckte Kuratorin Sandra Pisot einen „verborgenen Schatz“.

„Wir lernten die Malweise Bordones immer besser kennen und wie facettenreich sein ganzes Werk ist“, sagte Pisot in Hamburg. Eine Idee war geboren: Vom 24. Februar bis zum 21. Mai widmet die Kunsthalle dem bisher übersehenen großen Rivalen und Schüler Tizians eine große Ausstellung. Es ist jedoch keine Retrospektive, sondern eine Gegenüberstellung mit anderen Meisterwerken der venezianischen Malerei, die zeigt, „wie eigenständig Bordone ist“.

Zu sehen sind rund 100 bedeutende Gemälde und Grafiken aus den großen Museen der Welt, darunter der Louvre in Paris, die Eremitage in St. Petersburg und die Uffizien in Florenz. „Erstmalig werden die Hauptwerke Paris Bordones in einer Schau zusammengeführt - eine derart umfangreiche Würdigung seines facettenreichen Werkes ist bisher einmalig“, sagte Pisot. Gegliedert ist die umfangreiche Schau in verschiedene Themenbereiche - von den mythologischen Bildthemen über die liegenden Akte bis zu Selbstwahrnehmung und Reflexion.

„Venedig war Anfang des 16. Jahrhunderts eine blühende Handelsmetropole, die durch den Seehandel zu großem Reichtum und politischer Macht gekommen war“, erklärte die Kuratorin. Das Leben in der Stadt sei - ähnlich wie heute - hektisch gewesen; Kriege gegen den Papst, Brände und Seuchen bedrohten die Menschen, die sich daher nach einem „locus amoenus“, einem lieblichen Ort sehnten. Diese Sehnsucht griffen die Künstler in ihren Bildthemen auf, die häufig von der antiken Literatur beispielsweise eines Ovids oder Vergils inspiriert waren. „In den Bildern wurde Arkadien besungen, diese vorbildhafte Landschaft, nach der sich der Städter sehnte.“

Bordone interessierte sich aber nicht so sehr für die Landschaft, sondern mehr für die antiken Liebespaare, die er überlebensgroß und in leuchtenden Farben festhielt. So zeigt sein Gemälde „Jupiter und Io“ nach Ovids „Metamorphosen“, wie Jupiter die Quellennymphe Io zu besitzen versucht, argwöhnisch beobachtet von seiner eifersüchtigen Ehefrau Juno in der linken Bildecke. „Das Erotische hat ihn fasziniert und die Mythologie war die Legitimation, um einen nackten Körper zu zeigen“, erklärte Pisot. Ob der Künstler eine Muse hatte, nach der er sein Idealbildnis einer Frau schuf, oder verheiratet war wie Tizian, weiß man nicht.

Das Motiv des liegenden weiblichen Aktes gelangte insbesondere durch die Gemälde Giorgiones und Tizians zu Berühmtheit, in der Ausstellung ist die berühmte „Ruhende Venus“ (1518) von Palma il Vecchio aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu sehen. Daneben gibt es noch die Themenbereiche Architektur, Männerporträts und die „belle donne“ - die Gemälde einer idealen Frau. Der letzte Raum widmet sich dem Thema „Venedig und der Norden“ - war doch die reiche Bankiersfamilie Fugger Auftraggeber zahlreicher Gemälde Tizians gewesen.

Die Ausstellung zeigt auch, wie Albrecht Dürer sich mit den Errungenschaften der venezianischen Malerei auseinandergesetzt hat und wie sich Tizian von dem Maler Jakob Seisenegger (1505-1567) inspirieren ließ.

dpa

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