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Verbeugung vor Yehudi Menuhin

Ulrichshusen Verbeugung vor Yehudi Menuhin

Die Festspiele MV ehren den großen Musiker 22 Jahre nach seinem legendären Konzert in Ulrichshusen

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6. August 1994: Dirigent Yehudi Menuhin gastiert mit dem London Symphony Orchestra in der Festspielscheune Ulrichshusen.

Quelle: Wüstneck/dpa

Ulrichshusen. Im August 1994, in den Gründerjahren der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, weihte Sir Yehudi Menuhin, der legendäre Geiger und prominente Dirigent, die Festspielscheune Ulrichshusen, die damals noch eine halbe Ruine war, mit einem großen Konzert ein. Auf den Punkt genau 22 Jahre später, da die Festspielscheune längst zum Epizentrum der Festspiele geworden ist, gab es hier am Wochenende ein opulentes Menuhin-Musik-Fest anlässlich seines 100. Geburtstages.

Dafür gab es einen guten Grund: Der britische Stargeiger Daniel Hope (42), einer der ersten Preisträger der Festspiele, regelmäßiger Stammgast, für zwei Jahre sogar ihr künstlerischer Direktor, ist durch viele Fäden mit der Person Yehudi Menuhins verbunden: Dieser war sein Lehrer und wichtigster Mentor und Förderer, über 60 Konzerte haben sie gemeinsam gegeben und manche nennen Hope einen „Ziehenkel“ Menuhins. In drei Konzerten an zwei Tagen ließ Hope den musikalischen Kosmos Menuhins im Resonanzraum Hope wiederauferstehen: ein Menuhin-Gedenken als Hope-Gala oder umgekehrt.

In einem einleitenden „Salongespräch“, das die Moderatorin unter das Thema der „musikalischen Philanthropie“ gestellt hatte, tauschten Menuhins Tochter Zamira Menuhin-Benthall (76) und Hope charakteristische Erinnerungen an die charismatische Persönlichkeit des Vaters und „Ziehgroßvaters“ aus, ergänzt durch die Warnemünderin Christiane Prechtel, die über das forterbende Wirken von dessen sozialem Engagement in der Bewegung „Live Music Now“ berichtete. Dazu noch ein geselliges Beiprogramm mit einer abendlichen Lesung und einem Geburtstagsdinner für die „Festspielfreunde“.

Solcherart unterfüttert ging es in die Musik, am Freitag ein Recital gemeinsam mit dem Pianisten Sebastian Knauer, am Sonnabend ein Kammerkonzert mit Streicherensemble und eine abschließende Orchestergala, bei denen Hope nur an zwei der 15 Programmnummern nicht mitwirkte. Dabei wurden vorwiegend „Erinnerungsstücke“ musiziert, Werke, zu denen Menuhin eine besondere Beziehung hatte, sei es, dass er ihre Komponisten besonders schätzte, wie seinen Lehrer Enescu, wie Bartók oder Elgar, sei es, dass er sie wiederentdeckt hatte, wie das „kleine“ Violinkonzert von Mendelssohn, sei es, dass er sie in Auftrag gegeben hatte, wie eine Violinsonate von William Walton, dazu Werke, die Hope unter Anleitung Menuhins erarbeitet hatte, wie etwa eine Bachsonate oder die Violinduos von Bartók.

Mit diesem bunten Bogen von Bach bis Bartók zog das Musikfest eine wichtige Profillinie des Meistergeigers nach, ließ aber auch Lücken. Hope schien den ethischen Anspruch Menuhins, der für diesen in der Musik als sittlicher Kraft wurzelte, konsequent zu ästhetisieren; mit seiner enormen Geigenkunst hielt er der desaströsen Welt das Bild einer unbeunruhigten, schmeichlerischen idealen Schönheit entgegen.

Realistischer waren da die musikalischen Mitstreiter, die er mitgebracht hatte, die Streicher des vorzüglichen Zürcher Kammerorchesters, dessen künstlerischer Direktor Hope jetzt ist. Schon im Kammerkonzert glänzten sie mit dem Mendelssohn-Oktett und dem Tschaikowski Sextett in einer zupackenden Musizierweise mit immensem Farbenreichtum. In der abendlichen Orchestergala waren sie, nach bravourös musizierten zwei Elgar-Stücken, ein spannungsvoller Partner für den Sologeiger Hope, in einem fulminanten Vivaldi Konzert (mit Konzertmeister Willi Zimmermann als zweitem Solisten), in einem schönheitsgetränkten Bachkonzert, in einer traumverlorenen Gedenkmusik für Menuhin von El-Khoury und im liebenswürdig frischen „kleinen“ Mendelssohn-Konzert. Und jedes Mal wurde Hope gefeiert, als sei er ein Wiedergänger Menuhins.

Festspiel-Halbzeit

Die Gala in Ulrichshusen markierte etwa die Halbzeit des dreimonatigen Klassik-Festivals. Nach Angaben der Veranstalter wurden bislang etwa 60000 Tickets verkauft und damit 80 Prozent des verfügbaren Angebots.

Bis Abschlusskonzert am 17. September rechnet die Festivalleitung angesichts des großen Publikumsinteresses mit ähnlich vielen Gästen wie im Rekordjahr 2015, als 75 000 Musikliebhaber zu den mehr als 100 Veranstaltungen kamen. Damit gehören die Festspiele MV zu den drei größten Klassikfestivals in Deutschland.

Heinz-Jürgen Staszak

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