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00:00 14.02.2017

Schon als Kind lässt sich Marysol Ximénez-Carrillo vom Glamour der Theater- und Musicalwelt am New Yorker Broadway verzaubern. Da verwundert es nicht, dass sie schon früh weiß, was sie werden will: Musicaldarstellerin. Aktuell steht sie für das Cole Porter-Musical „Anything Goes“ in Schwerin auf der Bühne, das am Donnerstag Premiere hat.

„Getanzt und gesungen habe ich schon, als ich sechs Jahre alt war“, erzählt die zierliche junge Frau mit den ausdrucksstarken Augen. Den klangvollen Namen, der praktisch auf der Zunge zergeht, hat sie von ihrem spanischen Papa. Überhaupt, so scheint es, ist die 34-Jährige eine Kosmopolitin. Der Vater Spanier, die Mama Deutsche, der Geburtsort Osnabrück ist eher einem Zufall geschuldet. „Das war quasi auf der Durchreise. Mein Opa wohnt in Lengerich und in Osnabrück war das nächste Krankenhaus“, sagt die 34-Jährige und lacht.

Die ersten Jahre verbringt Ximénez-Carrillo in Mannheim, zwischen ihrem achten und elften Lebensjahr lebt sie mit ihren Eltern in New Jersey. „Wir waren oft am Broadway, da war mir klar, das mache ich auch“, sagt sie. Wieder zurück in Mannheim singt sie mit 14 in ihrem ersten Musical „Human Pacific“, wo sie auch Sänger Xavier Naidoo und den Komiker Bülent Ceylan kennenlernt. „Bülent war damals für mich so’n bisschen wie ein großer Bruder, er hat mich oft nach Partys nach Hause gebracht. Leider haben wir uns später aus den Augen verloren“, sagt sie.

Als sie 17 ist, bricht sie das Gymnasium nach der zehnten Klasse ab und studiert in Berlin Gesang, Tanz und Schauspiel an der Uni- versität der Künste. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Papa. „Er hat mir das Studium ermöglicht und mir immer gesagt, ich soll das machen, was mich glücklich macht“, sagt sie. Und das tut die junge Frau. Ihr Studium schließt sie mit Auszeichnung ab, bei ihrem ersten Engagement arbeitet sie mit Helmut Baumann zusammen, bis 1999 Intendant des Berliner Theater des Westens. „Für mich ein Traumstart. Das hat mich noch einmal darin bestärkt, dass der Beruf richtig ist.“

Als freiberufliche Schauspielerin tingelt sie seitdem durch die Republik, spielt Rollen wie Sally Bowles in „Cabaret“, Lucy in „Jekyll and Hyde“, Polly in „Crazy For You“, Ximénez in der deutschen Erstaufführung von „Der Graf von Monte Christo“, Bianca in „Kiss me Kate“ oder Anita in „West Side Story“. „Aber mein absolutes Lieblingsstück ist ’Anything Goes’. Ich stehe auf die Song- und Dance Sachen der 30er und 40er Jahre“, schwärmt sie.

In der Musical-Komödie von Cole Porter aus den 1930er Jahren geht es um eine skurrile Reisegesellschaft auf einem Luxusliner bei der Überfahrt von New York nach Liverpool. Ximénez-Carrillo mimt die verführerische und leicht verruchte Reno Sweeney. „Sie ist eine gestandene Frau, die es von der Straßensängerin zu ihrem eigenen Nachtclub gebracht hat, selbstbewusst und dennoch emotional und gefühlvoll.“ Mit diesen Eigenschaften kann sich die 34-Jährige auch privat identifizieren. „Eine brave, biedere Rolle zu spielen, würde mir wesentlich schwerer fallen“, sagt sie mit einem Lächeln.

Erfahrung mit der Rolle hat sie bereits: 2015 mimte Ximénez- Carrillo die Reno Sweeney schon am Stadttheater Münster. „Das macht es leichter, weil man die Lieder schon im Körper hat und den Ablauf des Abends kennt“, sagt Ximenez-Carrillo. „Trotzdem entdeckt man mit einem anderen Regisseur auch immer neue Dinge. Wichtig ist, dass man nicht so festgefahren ist.“

Für die Produktion, die vom 16. Februar bis zum 5. März auf dem Spielplan steht – geplant sind 16 Vorstellungen – hat das Mecklenburgische Staatstheater Regisseurin und Choreographin Iris Limbarth ins Boot geholt. Das Musiktheaterensemble spielt, singt, tanzt und steppt gemeinsam mit Schauspielern, dem Ballettensemble und Musicaldarstellern, die extra für „Anything Goes“ zu Gast in Schwerin sind. Neben Marysol Ximénez-Carrillo ist in einer weiteren Hauptrolle Andreas Langsch zu sehen, der Preisträger im Bundeswettbewerb Gesang 2013 war.

So sehr sich Ximénez-Carrillo auf ihren Auftritt freut, einen Wermutstropfen gibt es. „Das ist das erste Mal, dass mein Vater nicht dabei ist“, sagt die junge Frau leise. „Er ist überraschend im Oktober gestorben.“ Aber sie weiß, stolz wäre er auf jeden Fall. Dafür sitzt jemand anderes im Publikum, verrät Ximénez-Carrillo: „Mein Mann Marc.“

Stefanie Büssing

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