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00:00 12.04.2017

Bernard Misgajski ist ein vielseitiger Künstler. Eigentlich arbeitet er mit Stahl. Vorher war seine Passion der Stein. Der 67-Jährige, der heute auf Rügen in seiner „Alten Wassermühle“ lebt und arbeitet, zeigt in seiner aktuellen Ausstellung in Rostock eine große Bandbreite – auch was die Materialien betrifft. „Ferrum 3“ heißt seine neue Schau. Der Titel macht deutlich, dass das Metall für den Künstler dennoch ein zentrales Element bleibt.

Empfangen wird der Besucher aber mit einer Collage-Serie, die in diesem Jahr in Myanmar entstanden ist. Die insgesamt 30-teilige Reihe (von der in Rostock 24 Stück zu sehen sind) steht unter dem Titel „Kontaktaufnahme“. Bernard Misgajski, der ohnehin gerne reist, hat sich auf diese Weise mit dem ihm bis dato fremden asiatischen Land Myanmar vertraut gemacht. Die Grundlage der einzelnen Arbeiten sind Bücher, die der Künstler vor Ort gekauft hat. Dann hat er sie mit Ausschnitten aus Zeitungen, Büchern und Geldscheinen zu kleinformatigen Kunstwerken verfeinert, die nun in ihrer Vielgestaltigkeit auch zum Betrachter sprechen.

Die originelle Installation „Anders ticken“ spricht irgendwie auch, allerdings auf ihre besondere Weise: In zwei stählerne Köpfe hat der Künstler zahlreiche batteriebetriebene Uhrwerke eingebaut, die jetzt sozusagen im Chor vor sich hin ticken und so einen gemeinsamen dichten Sound bilden. Es ist diese akustische Dimension, die dieses Werk so besonders macht; ein Schwirren, das sich aus den vielen Ticktacks ergibt. Klar ist: In jedem Kopf tickt es anders – in dieser Anordnung sind es erst mal zwei Köpfe.

Dann gibt es zwei Arbeiten von Misgajski in dieser Ausstellung, die miteinander in einer Beziehung stehen. Das ist zum einen „Drømme trip“, eine Diashow, die innerhalb einer Stahlskulptur läuft, und zum anderen die Fotografie-Serie „Blaue Räume“, in der sich diese Motive wiederfinden. Zu diesem Zweck hat der Künstler mit dem Fotografen Matthes Trettin zusammengearbeitet: Denn die „Blauen Räume“, das sind Mini-Stahlskulpturen, die der Künstler angefertigt hat. Sie zeigen als Fotografien eine erstaunliche optische Wirkung. Denn auf den Fotos erscheinen die Dimensionen wesentlich gewaltiger – auf diese Weise spielt der Künstler auch mit dem räumlichen Vorstellungsvermögen des Betrachters.

Zweifellos bleibt bei Misgajski der Werkstoff Stahl weiterhin Mittelpunkt der Arbeiten. Die Serie „Kleine Architektur“ ist eine Reihe von Stahlobjekten, die ebenfalls mit der Vorstellungskraft des Betrachters spielen und „eine gewisse Absurdität darstellen“, sagt Bernard Misgajski. „Es gibt keine Eingänge, aber dafür gibt es Durchgänge“. Der Künstler arbeitet dabei mit den herkömmlichen Techniken der Metallbearbeitung, wie sie beispielsweise auch im Schiffbau gang und gäbe sind. Bei seiner Arbeit hat Misgajski eine Vorliebe für bereits korrodiertes Material. Er zeigt auf eines der Stücke aus der Serie „Kleine Architektur“ mit ein bisschen Oberflächenrost: „So eine schöne Struktur bekommt man selber nicht hin, die muss man einfach finden“, schwärmt der Künstler.

Dadurch bekommt der verwendete Stahl auch eine gewisse optische Wärme. Stahl ist auch das Grundelement der vielen „Lanzett“-Stücke, die Misgajski bereits geschaffen hat. In der Rostocker Ausstellung sind neun von diesen Stahlobjekten zu sehen, die mit Materialien wie Terrakotta, Glas oder Schwemmholz kombiniert wurden. Mit der Aufhebung der Schwerkraft spielt der Künstler sogar in der gewaltigen Skulptur „Schwer-Kraft-Werk“, in der ein Granitblock quasi zu schweben scheint. Die Metallskulptur „König und Königin“ fasziniert durch ihre majestätische, strenge Form und Größe.

„Ferrum 3“ von Bernard Misgajski ist vom 12. April bis zum 16. Mai in der Galerie Amberg 13 in Rostock zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr

Thorsten Czarkowski

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