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Vier Stars: Hübner, Beckmann, Jim Beam und Jack Daniel’s

Hamburg Vier Stars: Hübner, Beckmann, Jim Beam und Jack Daniel’s

Aufreibend und in Whiskey getränkt: Karin Henkels Inszenierung eines autobiografischen Dramas von Eugene O’Neill am Hamburger Schauspielhaus

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Ein großer Säufer und sein Sohn: Charly Hübner (l.) und Christoph Luser als James und Edmund Tyrone.

Quelle: Jodlbauer

Hamburg. Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg hat keine Scheu, seine Stars auszustellen. Es kann ja auf einige hochkarätige Ensemblemitglieder zurückgreifen. Zum Beispiel auf Charly Hübner, auch bekannt als „Polizeiruf 110“– Kommissar Bukow und, naja, als Charly Hübner eben. Oder Lina Beckmann, beste Schauspielerin des Jahres 2011 auf allen deutschsprachigen Bühnen und diesjährige Trägerin des Ulrich-Wildgruber-Preises (und für die, die’s interessiert: Hübners Angetraute).

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Aufreibend und in Whiskey getränkt: Karin Henkels Inszenierung eines autobiografischen Dramas von Eugene O’Neill am Hamburger Schauspielhaus

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Die beiden Edeldarsteller hat sich Regisseurin Karin Henkel (auch ein Star ihres Metiers) für ihre Inszenierung von Eugene O’Neills Familiendrama „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ ausgesucht, um, natürlich, ein Ehepaar zu spielen. Ein Glücksgriff für eine nervenaufreibende Geschichte, die sich eng an O’Neills biografisches Erleben anlehnt.

Der Schauspieler und große Trinker James Tyrone (Hübner) und seine morphiumsüchtige Frau Mary (Beckmann) sind Ebenbilder der Eltern des Dramatikers; der ebenfalls dem Alkohol verfallenen Sohn Jamie (Felix Knopp) ist seinem am Suff gestorbenen Bruder nachgebildet; mit dem lungenkranken Sohn Edmund (Christoph Luser) hat der Autor ein Selbstporträt geschaffen.

Nur etwa 200 Zuschauer dürfen im 1200 Menschen fassenden Theatersaal Platz nehmen, auf der Bühne, vor einer Hausfassade, irrt eine offensichtlich verstörte Frau im Morgenmantel umher – Mary Tyrone, die aus der Entzugsklinik entlassene Ehefrau und Mutter. Lina Beckmann ist eine somnambule, durch Morphium und Lebenslügen vorzeitig verwelkte Unglücksfrau, an deren Wahnvorstellungen das Publikum teilhaben muss – dem Dröhnen eines Nebelhorns, flimmerndem Licht, Nebelschwaden.

Von ihren Söhnen wird sie ins Haus geholt – und mit ihr sämtliche Zuschauer: „Kommen Sie mit, wir sind eine Schauspielerfamilie, wir mögen das.“ Nun sitzt man auf der Bühne und damit mitten im Wohnzimmer der Familie Tyrone und wird Zeuge von Alkoholexzessen, Gemeinheiten und Anschuldigungen, dazu Erpressung mit Selbstmorddrohungen, wie sie nicht nur in zerrütteten Verhältnissen zu erleben sind; und auch von Abhängigkeiten und den Zentrifugalkräften der Generationen. Ungerührt von all dem sitzt der Countertenor Hubert Wild an einem Klavier und singt den „Could song“ aus Purcells „King Arthur“. Mit langem Rock ist ihm die Rolle des Hausmädchens Cathleen zugeteilt.

Marys Blick flackert, sie zittert wie eine Person auf Entzug, und alle wissen: Sie wird rückfällig. Irgendwann kommt sie im Abendkleid eine lange Treppe herunter – hinter ihr ein Dutzend Ebenbilder, alles Produkte ihres Wahns. In Vater James rumort es ständig: Eigentlich liebt er seine Frau, doch er kann nicht ständig auf sie aufpassen, er säuft zu viel, ist geizig und im Grunde schwach. Die Söhne sind ohnehin Versager, sich gegenseitig in Hassliebe zugetan.

In weiteren Hauptrollen: Jack Daniel’s und Jim Beam. Auch das Publikum darf mittrinken, wenn Charly Hübner mit einem Tablett voller Gläser und einer vollen Flasche durch die Reihen schlurft.

„Eines langen Tages Reise in die Nacht“ endet im allgemeinen Delirium. Alle sind an allem schuld, niemand kann etwas dafür. Die Sippe macht weiter wie bisher und steuert auf eine finale Katastrophe zu. Was soll man auch sonst tun?! Eine zeitlose Geschichte, ein ganz normaler Horrortrip – bei der Premiere vom Publikum zu Recht gefeiert.

Nobelpreisträger mit Alkoholproblem

Eugene O’Neill wurde 1888 in einem New Yorker Hotel geboren, sein Vater war Tournee-Schauspieler, die Mutter reiste mit. Der Dramatiker starb nach einem rastlosen Leben 1953 auch in einem Hotel – in Boston. Als junger Mann erkrankte er an Tuberkulose und hatte zeitlebens – wie viele in seiner Familie – Alkoholprobleme. Für „Jenseits vom Horizont“ erhielt er 1920 den Pulitzer-Preis, 1936 wurde

er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Die Vorstellungen von „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ am Schauspielhaus Hamburg sind bis Dezember ausverkauft. Weitere Termine stehen noch nicht fest.

Michael Berger

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