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12:12 15.09.2018
Viktor Schoner übernimmt die Intendanz der Oper Stuttgart. Quelle: Bernd Weißbrod
Stuttgart

Nein, selbst Regie führen werde er in Stuttgart auf keinen Fall, betont Viktor Schoner. Der Musikwissenschaftler und Bratschist will seine Intendanz fundamental anders auslegen als sein ausgesprochen beliebter Vorgänger, der Schweizer Jossi Wieler.

Der schrieb dem Ensemble der renommierten Stuttgarter Oper in seinen sieben Jahren als Intendant ein ums andere Mal Inszenierungen auf den Leib. Sechs davon stehen auf Schoners erstem Spielplan. Schoner kam als Organisator für die anstehende, jahrelange und millionenschwere Sanierung des Opernhauses - die sich aber immer weiter verzögert.

„Eventuell“, sagt Schoner, werde man in den nächsten sechs Jahren seines Vertrages maximal noch aus dem ehrwürdigen, aber in die Jahre gekommenen Opernhaus im Schlossgarten ausziehen. „Eventuell“, wiederholt der Lockenkopf und grinst. Ausgesprochen gelassen nimmt Schoner die politische Diskussion um die Sanierung und die Suche nach einer geeigneten Interimsspielstätte für das mehrfache „Opernhaus des Jahres“. Ausgesprochen bescheiden plante er seine Intendanz über anderthalb Jahre lang in einem Container im Innenhof der Oper, auch um die Kreise seines Vorgängers nicht zu stören.

Es bleibe ihm ja nichts anders übrig, sagt der 43-Jährige, der von der Bayerischen Staatsoper kommt. Stuttgart ist seine erste Intendanz. Laut Kunstministerin Theresia Bauer (Grüne) ist Schoner „in der Opernwelt international hervorragend vernetzt“. Für ihn gesprochen habe auch, dass er die Interimsspielzeiten - wann auch immer sie kommen - als Chance sehe.

Künstlerischer Betriebsdirektor war Schoner zuletzt etliche Jahre in München unter der Intendanz von Nikolaus Bachler. Auch dort erarbeitete er sich den Ruf als fleißiger und zurückhaltender Organisator. Er sei sich jedoch selbst stets bewusst gewesen, wohin er will. „Das war schon so angelegt“, kommentiert er seinen zielstrebigen Weg an die Spitze eines großen Theaters.

Stuttgart „passt“ nun, sagt er und räumt ein, kein „Opern-Nerd“ zu sein und sich vom „Bling-Bling“ in München bewusst ferngehalten zu haben. Viele festliche Abende wünsche er sich in Stuttgart. „Oper ist etwas Feierliches, klar.“ Er sei in erster Linie Musiker, sagt er. Mit einem Hang zu Mozart. „Ohne Mozart wäre nichts.“ Im Sommer aber hatte er auch Karten für ein Konzert der Elektro-Popband Kraftwerk auf dem Stuttgarter Schlossplatz.

Schoner setzt in Stuttgart auf Tradition und Experiment: Eröffnen wird er seine erste Spielzeit in Stuttgart Ende September mit einer 40 Jahre alten und sehr beliebten Repertoire-Inszenierung von Carl Maria von Webers „Freischütz“ und mit Richard Wagners „Lohengrin“ in der Regie von Arpad Schilling. Der ist bisher in Stuttgart unbekannt, mache aber anderswo Furore. Er wolle viele verschiedene Handschriften zeigen, kündigt Schoner an. Experimentell wird es im November, wenn der Belgier Hans Op de Beeck „Herzog Blaubarts Burg“ in einem ehemaligen Paketpostamt als Gesamtkunstwerk inszeniert.

In Osterode im Harz geboren, wuchs Schoner in Aschaffenburg auf. Er fühle sich als Unterfranke, sagt er. Bratsche studierte er in Berlin. An der Seite des Belgiers Gerard Mortier schärfte er sein Organisationstalent, arbeitete mit ihm bei den Salzburger Festspielen und gestaltete mit ihm von 2002 bis 2004 die erste RuhrTriennale. Es folgten Stationen an der Opéra National de Paris bis 2008 und zuletzt eben an der Staatsoper München.

Mit Schoner und seinem ebenfalls neuen Generalmusikdirektor Cornelius Meister geht an den Staatstheatern Stuttgart auch ein Kinderboom einher: Schoner hat drei, keines von ihnen älter als elf. Und auch Meister bringt drei Jungs mit. Die Familie rasch dabei zu haben, sei ihm sehr wichtig gewesen, sagt Schoner. Es ist ein klarer Generationswechsel für die erfolgsverwöhnte Stuttgarter Oper: Schoner ist 24 Jahre jünger als Wieler, Taktgeber Meister sogar 32 Jahre jünger als sein Vorgänger Sylvain Cambreling,

dpa

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