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Kultur Volksgerichtshof: „Topographie des Terrors“
Nachrichten Kultur Volksgerichtshof: „Topographie des Terrors“
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00:07 26.04.2018
Ein Mann betrachtet in der Ausstellung über den Volksgerichtshof Fotos der Opfer der Prozesse. Quelle: Foto: Dpa

Berlin. Er hörte ausländische Sender und kritzelte auf der Fabriktoilette eine kommunistische Parole – für Erich Deibel gab es keine Gnade. Im März 1942 kam der Stahlarbeiter aus Wetzlar in die Haftanstalt nach Berlin-Moabit, am 6. Juni wurde er wegen Hochverrats hingerichtet. Mehr als 5200 Menschen erlitten das gleiche Schicksal vor Hitlers „Volksgerichtshof“: Angeklagt, erniedrigt, ermordet.

Zur „Bekämpfung von Staatsfeinden“ wolle das Gericht stets so urteilen, wie „der Führer“ den Fall beurteilt hätte, hatte Präsident Roland Freisler (1893-1945) versprochen. Diesen Wunsch vollzogen er und seine Kollegen mit akribischer Kaltblütigkeit. Eine Ausstellung im Berliner NS-Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ zeichnet jetzt Geschichte und Urteilspraxis des Gerichts nach. „Der Volksgerichtshof 1934-1945 – Terror durch ,Recht’“ – bis zum 21. Oktober dokumentiert die Schau mit Einzelschicksalen, wie das Gericht zum Herrschaftsinstrument der Nazis wurde. Fast 17 000 Urteile sprachen die Richter. Betroffen waren auch Mitglieder von Widerstandsgruppen wie der Roten Kapelle oder der Weißen Rose. „Die grausame Urteilspraxis sollte mehr bewirken als die Vernichtung politischer Gegner“, schreibt der Strafrechtler Klaus Marxen (Berlin) im Katalog der Ausstellung. „Beabsichtigt war auch, Angst und Schrecken zu verbreiten, um Widerstand im Keim zu ersticken“. Auf Plakaten, an Litfaßsäulen und Hauswänden wurden die Todesurteile und Hinrichtungen verkündet.

Freisler, in Robe mit Parteiabzeichen und Barett auf dem Kopf, den rechten Arm zum Hitlergruß hochgereckt – bis heute habe sich das Bild des letzten Gerichtspräsidenten als Inbegriff des „Volksgerichtshofs“ gehalten, schreibt Marxen. Dennoch habe sich Freislers Brachialstil nicht durchgesetzt. Die meisten Richter seien um „rechtliche Normalität“ bemüht gewesen.

Ausstellung: 25. April bis 21. Oktober, täglich 10-20 Uhr; Eintritt frei

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