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00:04 12.05.2018
1934 im Konzentrationslager Oranienburg ermordet: Erich Mühsam.

Erich Mühsam als Comic? In Zeiten, in denen alles in einen Comic verwandelt wird, Holocaust, Bosnienkrieg, das Elend in Gaza, geht auch das. Man nennt es dann Graphic Novel, was ein wenig seriöser klingen soll, aber im Kern doch an der Sache nichts ändert.

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Dichter, Bohémien, Anarchist, Träumer: Erich Mühsam war ein Mann mit vielen Gesichtern / Eine Graphic Novel widmet ihm neue Aufmerksamkeit

Buchtipp

„Mühsam. Anarchist in

Anführungsstrichen“

von Jan Bachmann,

Edition Moderne (Zürich),

ISBN: 978-3-03731-172-1

96 Seiten, 19 Euro

Jetzt hat sich der Schweizer Zeichner Jan Bachmann also Erich Mühsam vorgenommen, den vor 140 Jahren geborenen Anarchisten aus Lübeck. Er zeichnet dessen Leben in groben Strichen nach und beschränkt sich dabei auf gut drei Monate im Jahr 1910. Was erstaunt, gibt es in Mühsams Biografie doch viel bewegtere Momente. Bachmann aber lässt einen Mann auftreten, den seine Brüder ins Sanatorium gesteckt haben, der da nicht bleiben mag, nach München in die Bohème verschwindet und im Wesentlichen schaut, wo er Geld auftreiben kann.

Gut acht Jahre später wurde diese Bohème revolutionär. Es war die Zeit, als Thomas Mann sich über das „alberne Pack“ auf den Straßen ärgerte, das „Republik“ rief. Und als er merkte, dass seine gerade veröffentlichten gegendemokratischen „Ansichten eines Unpolitischen“ das falsche Buch zur falschen Zeit waren.

Da drängten im Frühjahr 1919 plötzlich andere Dichter und unruhige Geister an ihm vorbei und fanden sich in der kurzlebigen Münchner Räterepublik an den Schalthebeln der Macht wieder. Kurt Eisner war dabei, Gustav Landauer, Ernst Toller – und Erich Mühsam, ein Mann mit Lübecker Vergangenheit.

Geboren wurde der Apothekersohn 1878 in Berlin, bevor die Familie im Jahr darauf in die alte Hansestadt zog. Hier besuchte er das Katharineum, musste aber wegen „Insubordination“ wieder gehen. Er machte Abitur in Parchim, lernte in Lübeck in der Apotheke, verschwand mit Anfang zwanzig nach Berlin, später nach München und machte die Insubordination als Schriftsteller, Anarchist und Freidenker zu seinem Programm. Er wurde verhaftet, kam wieder frei, gründete Organisationen. Er mischte sich ein und wurde zu einem der „Träumer“, wie Volker Weidermann die Münchner Räterevolutionäre in seinem gleichnamigen Buch genannt hat. Als die neue bayerische Republik eine Art Außenminister brauchte, schlug Mühsam sich gleich erst mal selber vor. Es wurde aber nichts mit dem Außenamt und mit einem Erfolg der Revolution schon gleich gar nicht.

Mühsam kam zwar mit dem Leben davon, aber auch mit 15 Jahren Haft. 1924 profitierte er von einer Amnestie, wurde aber schon wenige Wochen nach der NaziMachtergreifung verhaftet, gefoltert und im Sommer 1934 von der SS im Konzentrationslager Oranienburg ermordet.

In der Lübecker Geschichtswerkstatt Herrenwyk (Kokerstraße 1-3) wird heute um 19.30 Uhr mit Liedern und Texten an ihn erinnert.

Peter Intelmann

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