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Kultur Vom Operettenbuffo zum TV-Star
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00:05 17.06.2017
Lutz Jahoda im Sendermuseum des RBB in Königs Wusterhusen (Brandenburg) am Klavier. Quelle: Foto: Dpa/patrick Pleul

Er begeisterte das Show-Publikum singend als charmanter Schmidtchen Schleicher oder braver Soldat Schwejk. Zu seinen Hits zählten launige Lieder wie „Die Blasmusik von Kickritzpotschen“ oder „Ladislaus, komm pack deine Fiedel aus“. Und mit seinen Sendungen und Shows im Fernsehen zählte Lutz Jahoda zu den beliebtesten Entertainern. Seit dem Mauerfall war er nur noch selten auf dem Bildschirm zu sehen. Auf der Bühne stand er noch in der Komödie Dresden. Am 18. Juni wird Jahoda 90 Jahre alt. Aber Ruhestand ist weiterhin nichts für ihn.

Königs Wusterhausen, nahe Berlin, Pfingsten 2017. Im Museum auf dem Funkerberg unterhält sich ein älterer Herr mit einer Besucherin. Er ist elegant gekleidet: helle Hose, helle Jacke, roter Schal. Es ist Lutz Jahoda. Einmal im Monat übernimmt er ehrenamtlich die Aufsicht in der Ausstellung „Es gab nicht nur den „Schwarzen Kanal“ - Streiflichter aus 39 Adlershofer Fernsehjahren“.

Sie erinnert an die Stars des DDR-Fernsehens. Eine Vitrine ist Jahoda gewidmet. Er war erstmals 1955 im Deutschen Fernsehfunk (DFF) zu sehen, dem Vorläufer des DDR-Fernsehens. „Operettenkabinett“

hieß die Folge.

An sein erstes Buch „Mit Lust und Liebe“ (1972) lehnte sich der Titel der TV-Reihe „Mit Lutz und Liebe“ an. Mit ihr startete das DDR-Farbfernsehen. Zehn Jahre blieb die Produktion auf dem Sender, abgelöst von der Samstagabendreihe „Spiel mir eine alte Melodie“. Mit der Schauspielerin Heidi Weigelt bestritt Jahoda zudem die Fernsehreihe „Wunschbriefkasten“. 1983 kürte ihn die Fernsehzeitschrift „FF-dabei“ zum „Fernsehliebling des Jahres“.

Begonnen hatte Jahodas Künstler-Leben am Theater in seiner Heimatstadt Brünn (Brno). „Es war Krieg, Männer waren Mangelware, also diente ich bei der Freiwilligen Feuerwehr, deren Chef gleichzeitig Inspizient am Stadttheater war“, erzählt Jahoda. Daraus ergab sich die ein oder andere Statistenrolle und schließlich sogar eine mit zumindest einem Satz.

Den Satz richtete der damals 16-Jährige an Hilde Engel, deren drei Jahre alter Sohn Tim später als Frank Elstner berühmt wurde. Jahodas Tante Mary und Onkel Ferry waren dessen Taufpaten. Mit Frank Elstner habe er noch heute Kontakt, berichtet Jahoda. Jahodas Traum war damals eine journalistische Karriere: „Ich schwärmte vom rasenden Reporter Egon Erwin Kisch, von Erich Kästner und von Kurt Tucholsky.“ In Berlin – dorthin zog er mit den Elstners – nahm er aber auch Schauspielunterricht. Am Theater der Altmark wurde er Operettenbuffo.

Seinen Jugendtraum, das Schreiben, erfüllte sich Jahoda im Rentenalter. Er verfasste Artikel für eine Monatszeitschrift und die Romantrilogie „Der Irrtum“. Demnächst erscheint sein deutsch-amerikanisches Lesebuch „Lustig ist anders“. „Mir geht es gut“, sagt der Jubilar. Er lebt mit seiner sechsten Ehefrau südöstlich von Berlin. Sein jüngster von insgesamt vier Söhnen ist 19, sein ältester 63 Jahre alt.

In einem Gedicht, das sich Lutz Jahoda zu seinem 90sten schenkt, heißt es: „Die Zeit der schnellen Jahre hat begonnen. Fest steht schon heute, wer gewinnen wird. Was war, ist zur Erinnerung geronnen:

Es wärmt das Herz, sich kurz darin zu sonnen . . .“

Sophia-Caroline Kosel

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