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Vom Turmbau zu Babel bis zu Sigmar Polke

Hamburg Vom Turmbau zu Babel bis zu Sigmar Polke

Bemerkenswertes Experiment: 13 Bürger gestalten Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle

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„Flucht Schwarz-Rot-Gold“ von Sigmar Polke.

Quelle: Foto: Daniel Reinhardt; Dpa

Hamburg. „Wolf, Löwe und Bär sehe ich als die drei großen Religionen: Judentum, Christentum, Islam. Auf dieser Zeichnung leben sie in Frieden zusammen. Das ist es, was wir uns alle wünschen“, schrieb Ali Awudu, geboren in Ghana, unter die Radierung „Die Befreiung vom Wolf und Bären“ von Allaert van Everdingen (†1675).

13 Menschen – 13 Blicke auf die Sammlung der Hamburger Kunsthalle. Für seine erste Ausstellung „Open Access“ hat der neue Direktor Christoph Martin Vogtherr zwölf Hamburger eingeladen, sich in mehrwöchigen Workshops intensiv mit den Werken des Museums zu beschäftigen. „Die Kunsthalle möchte einen Dialog über aktuelle Themen der vielfältigen Stadtgesellschaft anregen und lädt alle Bürger ein, sich daran zu beteiligen“, sagte Vogtherr gestern. Bis 27. August sind gut 50 Werke vom Mittelalter bis in die Moderne zu sehen, die sich mit Dialog, Empowerment, Freiheit, Gemeinschaft und Respekt auseinandersetzen.

In gegenseitigen Interviews lernte sich das Ausstellungsteam zunächst kennen. Unterschiedliche Biografien und Sichtweisen treffen aufeinander. Es sind Menschen aus Afghanistan und Syrien, auch aus der Ukraine oder aus Westpreußen dabei, so wie Heide Kadula (73), die als kleines Mädchen während des Zweiten Weltkriegs mit ihren Eltern vor den Russen fliehen musste. Sie ist die Älteste, Nursima Nas mit 19 die Jüngste. Sie alle eint, dass sie zu unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Ländern nach Hamburg gekommen und dort geblieben sind. Unter dem Motto „Was ist mir wichtig?“ und „Welche Kunst hat mit mir zu tun?“ recherchieren sie in der Museumsdatenbank und Bestandskatalogen und wählen schließlich die Werke aus, die in der Ausstellung zu sehen sind.

So hat Heide Kadula Stadtansichten von Hamburg ausgesucht. Khalil Balbisi aus Israel hat auf einem Gemälde von Erich Brill (†1942) das Viertel in Jerusalem entdeckt, in dem er gelebt hat. Ein Foto von Andy Warhol zeigt zwei Männer, die sich in der Öffentlichkeit küssen. Hosein Youssofi (Afghanistan) entdeckte ein altes Gemälde, das den Turmbau zu Babel zeigt. „Das muss zu der Geschichte in meinem Religionsbuch gehören“, erzählt er im Video, das sich Besucher ansehen können. Einer jungen Frau mit Kopftuch, geboren in Indonesien, gefällt Sigmar Polkes Gemälde „Flucht Schwarz-Rot-Gold“, „weil in meiner Kultur Freiheit Luxus ist“.Carola Große-Wilde

OZ

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