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Von Knastis, Bankern Terroristen und Sissis Perücke

Stralsund Von Knastis, Bankern Terroristen und Sissis Perücke

Bekannt aus „Hinter Gittern“. Seit 2012 ist Claudia Lüftenegger am Theater Vorpommern — aktuell im Stück „Terror“

Stralsund. Was hat Ferdinand von Schirachs Justizdrama „Terror“ mit der Perücke von Romy Schneider aus der „Sissi Trilogie“ zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts.

Ersteres wird bereits als „das“ Erfolgsstück der laufenden Theatersaison gehyped. In dieser und der kommenden Spielzeit steht es im deutschsprachigen Raum gleich bei 32 Häusern auf dem Spielplan, ab heute auch beim Theater Vorpommern in Stralsund.

Bindeglied zur Haarpracht der TV-Kaiserin ist eine zierliche Person mit rauchiger Stimme: Schauspielerin Claudia Lüftenegger, die in jenem Stück die Staatsanwältin spielt — die Handlung ist schnell erzählt: Vor Gericht steht Pilot Lars Koch, weil er mit seinem Kampfjet einen von Terroristen gekaperten Airbus abgeschossen hat, um zu verhindern, dass dieser in die voll besetzte Allianz Arena stürzt. Die Frage, darf man Menschenleben gegeneinander aufwiegen, entscheidet in dem simulierten Gerichtsverfahren der Zuschauer.

Ohne erwähntes Haarteil wäre es vermutlich nie zu der Rolle gekommen. „Der Wunsch, Schauspielerin zu werden, ist eigentlich aus einer naiven Sache entstanden“, verrät Lüftenegger. „Ich habe Romy Schneider in einem Sissi-Film mit ihren wadenlangen Haaren am Fenster stehen sehen und meiner Mutti zugerufen: Mama, so lange Haare möchte ich auch mal haben. Die sagte, dann musst du Schauspielerin werden und ich dachte: Okay“, erinnert sich die 39-Jährige. „Natürlich hatte ich null Ahnung, was auf mich zukommt.“

Diese Naivität habe ihr damals vermutlich geholfen. „Ich habe einfach nicht gewusst, wie viele Opfer man bringen muss. Egal ob Theater oder Film, mit Glamour hat das nichts zu tun“, weiß Lüftenegger heute. Doch damals war sie fest entschlossen. „Obwohl meine Eltern mich lieber bei der Sparkasse gesehen hätten. Aber so enden wie der hiesige Bankangestellte, mit Uli-Stein-Krawatte, wollte ich dann doch nicht“, sagt sie lächelnd. Gleich in drei Ländern bewarb sie sich um einen Studienplatz. „Deutschland, Österreich, Schweiz — ich weiß nicht, wie viele Vorstellungsgespräche ich hatte. Ich habe ein Vermögen im Zug gelassen“, sagt sie.

Sympathisch und bodenständig ist die gebürtige Nürnbergerin, die es im Laufe ihres Lebens immer weiter in den Norden zog. Ehrlich und ungeniert erzählt sie von ihrem ersten Vorsprechen, bei dem sie Fausts Gretchen mit dem Rücken zur Kommission in Richtung einer Madonna-Figur spielte, weil sie es in einem Video so gesehen hatte. Von ihrem Handicap — seit der Kindheit stottert sie — , an dem sie bis heute hart arbeitet. Und von ihrem ersten Engagement in Singen, das sie nach ihrer Schauspielausbildung in München und Berlin ergatterte — cholerischer Intendant inklusive. „Ich war ein zartes, schüchternes Seelchen und hatte bei der ersten Vorstellung so eine Angst, dass ich auf der Bühne umgekippt bin. Damals habe ich wirklich daran gezweifelt, dass das der richtige Beruf für mich ist“, sagt sie.

Doch sie hielt durch, spielte ab 2005 am Landestheater in Eisleben, danach am Theater der Altmark in Stendal und in Serien wie „Bei aller Liebe“, „Klinikum Berlin Mitte“ und „Hinter Gittern“, wo sie als Prostituierte Lotti zu sehen war. „Damals habe ich meine Eltern angerufen und gebeichtet, dass ich eine Nutte spiele“, sagt sie lachend.

Seit 2012 gehört sie zum Ensemble des Theaters Vorpommern, lebt mit Mann und Sohn Oskar (2) in Greifswald. „Inzwischen müssen meine Eltern neun Stunden fahren, um auf ihr Enkelkind aufzupassen.“ Über die Zeit als Seriendarstellerin sagt sie: „Das ist wie Fließbandarbeit. Manchmal zu echt beschissenen Zeiten, damit das Licht stimmt.“ Und: „Weil die Szenen nicht chronologisch sind, muss man am Anfang schon wissen, wie man das Ende spielt.“ Im Theaterstück „Terror“ sei das anders. „Man hat Zeit, die Figur zu entwickeln.“ Rat hat sich Lüftenegger für die Rolle von ihrem Bruder, einem Juristen, geholt. „Der Pilot ist schuldig“, sagt sie voller Überzeugung. „Ich kann aber auch die andere Seite sehr gut verstehen.“

Und die Langhaarperücke? „Die habe ich am Theater Vorpommern schließlich doch noch bekommen“, sagt Lüftenegger. „Sie war unglaublich schwer und die Haare haben sich immer verfangen. Letztlich habe ich sie verflucht.“

Von Stefanie Büssing

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