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15:13 24.10.2017
Peter Wohlleben legt nach. Quelle: Arno Burgi
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Frankfurt/Main

Ist Naturschutz letztlich kontraproduktiv und sollte man auf die Selbstregulierungsmechanismen der Natur vertrauen? Im neuesten Buch Peter Wohllebens jedenfalls geht es ganz besonders um die Folgen menschlicher Eingriffe - auch wenn diese noch so gut gemeint sind.

In „Das geheime Netzwerk der Natur“ beschreibt der Förster und Bestsellerautor einmal mehr das Zusammenspiel zwischen Tieren und Pflanzen als fein austariertes System, das besonders leicht aus dem Lot gerät, wenn der Mensch eingreift - und sei es mit dem Ziel, die Natur zu schützen.

„Die Natur regelt alles am besten selbst“, betonte Wohlleben auch kürzlich bei seinem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse. Zwischen Messehallen und Büro-Hochhäusern schien die Welt des heimischen Eifelforsts zwar weit entfernt, doch Wohlleben plädierte auch hier für mehr Gelassenheit im Umgang mit der Natur. „Wenn wir irgendwo eine Stellschraube drehen, ändert sich das ganze System“, betonte er.

In seinem neuen Buch, das ähnlich wie vorangegangene an der Spitze der Bestsellerlisten steht, führt er etwa als Beispiel Landschaftsveränderungen durch die Ansiedlung von Wölfen im Yellowstone Nationalpark an. Denn die Gegenwart der Raubtiere lässt die Hirsche, die bis dahin entlang der Flussläufe Baumsprösslinge abgefressen hatten, die Sicherheit des dichten Waldes bevorzugen. Ergebnis: Entlang der Flussläufe können wieder Bäume wachsen.

Die Auswirkungen von Klimaschwankungen auf die Zusammensetzung des Waldes, aber auch menschliche Eingriffe von der Forstwirtschaft bis hin zur Ansiedlung und dem Schutz von Arten, die ursprünglich nicht in Deutschland heimisch waren - Wohlleben erklärt Zusammenhänge. Denn Bäume seien durchaus in der Lage, sich selbst vor Schädlingen zu schützen, indem sie etwa Giftstoffe oder Bitterstoffe produzieren.

Launig und anschaulich beschreibt Wohlleben das „Internet des Waldes“, das Kommunikationssystem der Bäume - eine Kommunikation allerdings, die sich nicht mit menschlichen Maßstäben messen lässt. Doch die elektrischen oder chemischen Impulse, die über das Wurzelwerk der Bäume weiterverbreitet werden, erfüllen ihren Zweck, versichert der Förster. Etwa wenn die Bäume alle gleichzeitig im Herbst ihr Laub verlieren.

Wohlleben hält nichts davon, beim Naturschutz nur auf eine Tier- oder Pflanzenart zu achten und den Rest der Natur aus dem Blick zu verlieren. „Ich würde grundsätzlich keine Tiere ansiedeln“, sagte er auch in Frankfurt. „Die kommen von selbst zurück, wenn es passt.“ Die passenenden Bedingungen, das betont Wohlleben auch in seinem Buch immer wieder, brauchen mitunter Zeit. Doch diese Zeit scheint nur nach menschlichen Maßstäben lang - für eine Buche mit einer Lebenszeit von 500 Jahren gilt das gar nicht.

Unter Forstwissenschaftlern und Biologen sind Wohllebens Thesen nicht unumstritten, gerade wenn es um Berichte über eine Kommunikation von Bäumen geht. So zitiert Wohlleben in seinem Buch Studien, nach denen Buchen ihre eigenen Sprösslinge „erkennen“ und in trockenen Zeiten für sie sogar auf das lebenswichtige Wasser verzichten. Das klingt für Skeptiker aber eher esoterisch.

- Peter Wohlleben: Das geheime Netzwerk der Natur. Wie Bäume Wolken machen und Regenwürmer Wildschweine steuern. Ludwig-Verlag, München, 220 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-453-28096-0.

dpa

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