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Von der Kaufhalle zum Koserower Kunstsalon

Koserow Von der Kaufhalle zum Koserower Kunstsalon

Seit 2006 bietet Ralf Waschkau Usedomer Künstlern eine Plattform

Koserow. Galerist Ralf Waschkau hat schon viel ausprobiert: Zur Kunst kam er über Umwege. Heute kann er sich keinen anderen Beruf mehr vorstellen. Seit 2006 bietet er Usedomer Künstlern ein Forum im „Koserower Kunstsalon“.

„Es war eine schöne und intensive Zeit, aber Lebensmittelhändler wollte ich nicht bis zur Rente bleiben“, blickt Ralf Waschkau heute auf sein Leben zurück. Denn: Nach einem Ökonomie-Studium in Leipzig zog es den gebürtigen Greifswalder zurück an die Küste, wo er im Lebensmittelgroßhandel die Kaufhallen des Landkreises belieferte, später auf Usedom selbst eine Kaufhalle leitete. Weil sich diese kurz vor der Jahrtausendwende wegen der Konkurrenz der Discounter schlicht nicht mehr rentierte, schnupperte er bei einem Freund in den Antiquitätenhandel und eröffnete 1999 sein eigenes Geschäft in Wolgast.

„Münzen, Porzellan, Möbel, ich hatte schon immer ein Faible für alte Sachen“, sagt er. „Irgendwann habe ich nach einer Spezialisierung gesucht und bei Ankäufen wurden mir die ersten Bilder angeboten“, erinnert sich der 53-Jährige. Darunter ein Werk des Wolgaster Marinemalers Willy Stöwer, einst Lieblingsmaler von Kaiser Wilhelm II. „Das war wahnsinnig spannend“, sagt Waschkau. „Das Interesse war geweckt, aber finanziell konnte ich keine großen Sprünge machen, um Kunstwerke anzukaufen.“ Also näherte er sich der Kunst zunächst über Grafiken. „Dabei bin ich auf viele berühmte Künstler gestoßen, die Usedom beherbergt hat.“ Otto und Oskar Manigk, Herbert und Matthias Wegehaupt, Karen Schacht, Vera Kopetz, Susanne Kandt-Horn, Rosa Kühn oder Rolf Werner, Klaus Rößler, Sabine Curio oder Volker Köpp zählt Waschkau auf. An Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984) und Rolf Werner (1916-1989) erinnern ihre ehemaligen Ateliers, andere finden sich vereinzelt in Galerien und Museen wieder, so Waschkau. „Die meisten Künstler werden aber bis heute kaum oder gar nicht wahrgenommen, obwohl sie ein Forum verdient hätten. Dafür gibt es auf der Insel leider keinerlei politische Bestrebungen“, beklagt er.

Dieses Forum schuf er 2006 mit seinem „Koserower Kunstsalon“ kurzerhand selbst. In der Galerie zeigt er statt Antiquitäten nun ausschließlich die Arbeiten regionaler Künstler. „Es sind Künstler der Vergangenheit, die in Vergessenheit geraten sind, und zeitgenössische Künstler, die nicht die Anerkennung bekommen, die sie verdienen“, erklärt Waschkau. Dazu gehören die bereits erwähnten Klaus Rößler, Rosa Kühn, Norbert Krabbe und Vera Kopetz (1910-1998), zu deren 100. Geburtstag Waschkau kurzerhand eine Ausstellung veranstaltete – einfach, weil es sonst niemand tat.

2006 veranstaltet er die erste Grafikausstellung mit Usedomer Künstlern, 2008 die ersten Personalausstellungen. Einer der ersten Künstler war der Zempiner Hugo Scheele (1881-1960) – Cartoonist, Dichter und malender Chronist, den Waschkau aktuell in der Ausstellung „Vom Fischer un sin Fru“ zeigt. Zu sehen ist eine Retrospektive aus rund 50 Arbeiten, darunter Aquarelle, die das Alltagsleben der Fischer in der Region zeigen, Gedichte und humorvolle Illustrationen.

„Learning by doing“ ist auch das Motto von Ralf Waschkau, als er 2008 in einem Hinterzimmer die erste Pommersche Kunstauktion veranstaltet. Inzwischen sind daraus zwei bis vier Auktionen pro Jahr geworden, bei denen jeweils bis zu 200 Bilder unter den Hammer kommen: Rekorderlös bisher seien 14 000 Euro für ein Bild von Willy Stöwer gewesen.

Eins schätzt Waschkau besonders an seinen Künstlern: „Wenn sie authentisch sind und mit Herzblut arbeiten.“ Etwas, das der Galerist mit ihnen gemein hat.

Stefanie Büssing

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