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Kultur Cannes 2018 – Der verlorene Sohn kehrt zurück
Nachrichten Kultur Cannes 2018 – Der verlorene Sohn kehrt zurück
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16:31 06.05.2018
Zurück beim Filmfest: Lars von Trier, der lange Zeit Persona non Grata in Cannes war. Quelle: picture alliance / AAPimages/Ulr
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Cannes

Er ist wieder da – jener Regisseur, der auf seinem T-Shirt den Aufdruck „Persona Non Grata. Official Selection“ und darunter das Logo von Cannes wie ein Ehrenabzeichen trug. Das Filmfestival hatte Lars von Trier 2011 eher notgedrungen verbannt, nachdem der Däne mit wirren Aussagen über seine angebliche NS-Sympathie einen irrwitzigen Eklat ausgelöst hatte. Das Ganze war wohl zuerst von Triers unstillbarer Lust an der Provokation geschuldet.

Sieben Jahre sind genug – Cannes umarmt Lars von Trier wieder

Sieben Jahre später nimmt Cannes den verlorenen Sohn nun wieder in seine Arme. Wie in den guten, alten Tagen dürfte der Goldene-Palmen-Sieger („Dancer in the Dark“, 2001) mit seinem Wohnmobil nach Südfrankreich tuckern und neben dem teuersten Hotel einparken. Der bekennende Phobiker leidet unter Flugangst. Außer Konkurrenz stellt von Trier den Serienkiller-Thriller „The House That Jack Built“ vor, in dem Bruno Ganz, Matt Dillon und Uma Thurman mitspielen. Der Zugang zur Pressekonferenz dürfte in Nahkampf-ähnliche Szenen ausarten. Wer weiß, zu welchen Bemerkungen sich der Regisseur nun wieder hinreißen lässt?

Das 71. Festival von Cannes, das an diesem Dienstag (8. Mai) beginnt, hat mit von Triers Nominierung einen Coup gelandet. Als Festivalchef Thierry Frémaux im April das Programm verkündete, fehlte von Trier noch auf der Liste. Die Filmauswahl sah so lala aus. Überhaupt wollten alle lieber über das Duell Cannes gegen den übermächtigen Streamingdienst Netflix (hat seine Filme beleidigt zurückgezogen) und über das von der Cannes-Leitung ausgesprochene Selfie-Verbot auf dem roten Teppich (wird durchgezogen) reden.

Der erste Cannes-Beitrag aus Kenia wurde in der Heimat verboten

Doch nun hat Frémaux wieder einige Trümpfe in der Hand, um die ihn die Konkurrenz von Venedig oder Berlin beneiden dürfte. Da ist zum Beispiel das freundliche Tête-à-Tête mit Hollywood: Im Showprogramm läuft der neueste „Star Wars“-Ableger „Solo“ über die Abenteuer des jugendlichen Weltraumschmugglers - in den alten Filmen von Harrison Ford gespielt, hier nun vom jungen Alden Ehrenreich. Rund eine Woche nach der Weltpremiere startet das Spektakel weltweit in den Kinos.

Am anderen Ende des Aufgebots finden sich politisch aufgeladene Werke: Gemeldet sind Filme des Iraners Jafar Panahi und des Russen Kirill Serebrennikow. Beide leiden seit Jahren unter Drangsalierungen ihrer jeweiligen Regierung. Serebrennikows Hausarrest ist von einem Moskauer Gericht verlängert worden, aber auch eine Reiseerlaubnis für Panahi (Berlinale-Sieger mit „Taxi Teheran“) käme einem kleinen Wunder gleich.

Unterdessen ist der erste jemals nach Cannes eingeladene kenianische Film „Rafiki“ von der dortigen Regierung verboten worden. Begründung: Das Drama, das von einer lesbischen Liebe erzählt, legitimiere Homosexualität - und die steht in Kenia unter Strafe.

Penélope Cruz und Javier Bardem garantieren Starpower

Zu den bekannten Namen zwischen erstaunlich vielen jüngeren Talenten im Palmen-Rennen gehören die französisch-schweizerische Sphinx Jean-Luc Godard mit einem Kinoessay sowie der US-Amerikaner Spike Lee mit seinem Film „BlacKkKlansman“ über einen schwarzen Polizisten, dem es gelingt, den Ku-Klux-Klan zu infiltrieren. Nachgemeldet wurde auch der Türke Nuri Bilge Ceylan, der seit „Winterschlaf“ (2014) eine Goldene Palme im Schrank hat.

Das in Spanien gedrehte Drama „Todos lo saben“ (Jeder weiß es) des iranischen Oscar-Preisträgers Asghar Farhadi eröffnet das Festival. Dank Penélope Cruz und Javier Bardem ist Starpower garantiert. Das gilt auch für die folgenden Tage bis zur Preisverleihung am 19. Mai: Cate Blanchett und Kristen Stewart sitzen in der Palmen-Jury.

Der Papst bleibt Cannes fern? Warten wir’s ab.

Und die Deutschen? Im vorigen Jahr hatte es noch Fatih Akin mit dem NSU-Drama „Aus dem Nichts“ in den Wettbewerb geschafft, dieses Jahr läuft Ulrich Köhlers „In My Room“ zumindest in der wichtigen Nebenreihe Certain Regard. Cannes-Veteran Wim Wenders bekommt mit seiner nicht nur hierzulande heiß erwarteten Doku über Papst Franziskus („Ein Mann seines Wortes“, Kinostart: 14. Juni) die Ehre einer Spezialvorführung. Der Papst, so Festivalchef Frémaux, werde wohl nicht anreisen. Warten wir’s ab. Auch ohne ihn dürfte Cannes sich wieder als heiliges Pflaster für Cineasten erweisen.

Von Stefan Stosch / RND

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