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Kultur Wachsende Form im Raum
Nachrichten Kultur Wachsende Form im Raum
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00:00 14.09.2016
Skulptur mit dem Titel „Falle“ (Gips, Knochen, Jute, Bambus, Epoxi, Pigmente)

Es wächst und wächst. Lange Bambusstämmchen ragen quer durch den Raum, an der Decke befestigt mit unsichtbaren Schnüren. Vorn wölbt sich ein Körper auf wie ein Raumschiff, zum Zerreißen gespannt, dabei aber zerbrechlich und rein pflanzlich. Die Objekte von Dirk Wunderlich sind immer irgendwie grenzüberschreitend. Was derzeit in der Galerie Künstlerarchiv Johannes Müller in dem kleinen Ort Kossow bei Rostock zu sehen ist, passt wieder mal in kein Format – und fast nicht in den Raum.

Zur Galerie
Dirk Wunderlich zeigt in Kossow bei Rostock zum Andenken an den Künstler Johannes Müller ein Kunstwerk im Prozess

Ausstellung

Bis 27.11.2016:

Dirk Wunderlich, Galerie/

Künstlerarchiv Johannes Müller,

Kossower Straße 3,

18299 Kossow,

www.galerie-kuenstlerarchiv.de

Geöffnet Mittwoch bis Freitag 16 bis 18 Uhr Sonnabend, Sonntag 10 bis

18 Uhr oder nach Absprache

Doch passt es unbedingt zu diesem Ort. Galerie und Archiv widmen sich dem Andenken an den Maler Johannes Müller (1935-2012). Errichtet von der Ehefrau des Künstlers, Doreen Müller, befasst sich das Archiv mit der Aufarbeitung und Katalogisierung des umfangreichen Werks des Malers und Zeichners. In den Galerieräumen werden regelmäßig Arbeiten von Freunden und Wegbegleitern gezeigt. Dazu gehört auch Dirk Wunderlich, geboren 1961. Der erinnert sich an die vielen Gespräche mit Müller, der als Künstler ebenso beliebt war wie als wagemutiger Theoretiker. „Da ging es immer um den Raum“, erinnert sich Wunderlich. Experiment und Spiel einer sich mehrdimensional entfaltenden Kunst sei häufig Thema gewesen.

Jetzt umfasst Wunderlichs für die Galerie konzipiertes Werk nahezu den gesamten Raum. Wunderlich ließ einen voluminösen rundlichen Körper wachsen, der sich vorn weit auswölbt und sich hinten gefährlich zusammenzieht. Wie die Blüte einer gigantischen Blume, der Körper einer monströs aufgeblähten Mikrobe, der Kopf eines Wals mit Öffnungen als Maul, die Innen und Außen miteinander in Beziehung treten lassen. Pflanze oder Tier – Wunderlichs Fantasiewesen lassen sich nie so richtig festlegen.

Gewachsen ist auch das Material dieses Objekts. Im Sommer vor acht Jahren brach Wunderlich zu einer Reise nach Japan auf. Der Austausch mit dortigen Künstlern, die Arbeit in der fremden Umgebung beeindruckten den Künstler tief. Bei seiner Rückkehr pflanzte er Bambus hinterm Arbeitshaus in Kneese bei Marlow. Diesen Bambus erntete er nun für die Kossower Ausstellung, so dass auch ein Stück Fernost mitschwingt in diesem Werk. Das im Übrigen noch nicht abgeschlossen ist. Auch darin wirkt Wunderlich grenzüberschreitend: während der Laufzeit der Ausstellung arbeitet der Künstler weiter an seinem Werk, macht den Entstehungsprozess zum Teil des Objekts. Die Grundstruktur aus Bambus wird noch weiter vervollkommnet, dann wird die Arbeit mit Kunststoff ausgekleidet. Da steht noch einiges bevor.

Seine Vorliebe für natürliche Formen, auch Zufallsfunde, extemporiert Dirk wunderlich seit einiger Zeit auch in Zeichnungen, von denen eine Auswahl jetzt erstmals zu sehen ist. Er habe immer großen Respekt vor der Zeichnung gehabt, bekennt der Künstler. Erst in der letzten Zeit entdeckte er die konzentrierte Zweidimensionalität für seine eigene Arbeit. Mit Tusche, Farbwasser oder Tätowierfarbe experimentiert der Künstler, lässt die Flüssigkeit auf dem Blatt verlaufen oder verteilt sie mit Pinsel, Zahnstocher oder Nadel. So entfalten sich halb gewachsene, halb geformte Figuren, wiederum rätselhafte Wesen, Wolken oder einfach starke Kontraste in Farbe und Form. Und auch sie haben das Zeug, immer weiter zu wachsen.

Dirk Wunderlich – Biografisches

Dirk Wunderlich wurde 1961 in Berlin geboren. Nach einer Stukkateurlehre absolvierte er ein Abendstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee im Fach Bildhauerei.

Seit 1986 ist er freischaffend. Von 1990 bis 1996 führten ihn verschiedene Arbeitsaufenthalte nach Schweden, Portugal, Thailand, Sri Lanka, Spanien und in die USA.

Von 1998 bis 2000 unternahm er Studienreisen in die USA, Dänemark, Südafrika.

Von 2000 bis 2002 übernahm er eine Lehrtätigkeit an der Technischen Universität Braunschweig. Er ist Mitglied der 2005 gegründeten Künstlergruppe MARFA, zu der auch die Künstler Susanne Rast und Malte Brekenfeld gehören. 2011 erhielt er den Rostocker Kunstpreis.

Matthias Schümann

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