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Wahnwitz und Menschenliebe

Anklam Wahnwitz und Menschenliebe

„Der Weltuntergang“ von Jura Soyfer im Theater Anklam.

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Anna Jamborsky als Führer(in).

Quelle: Stefan Sauer/ZB

Anklam. Wie wär‘s mit einem Draufblick auf die Menschheit? Von ganz weit oben. Die Vorpommersche Landesbühne offeriert ihn seit Samstag in Anklam mit dem Stück „Der Weltuntergang“

des in mehr als 30 Sprachen übersetzten Österreichers Jura Soyfer (1912-1939). Darin fühlt sich die Sonne beim Dirigieren ihrer Sphärenharmonie gestört durch Dissonanzen der Erde. Der Mond erklärt, dass die Erde krank sei, weil sie Menschen hat, und der auf Flirtsuche nach süßen Sternschnuppen durchs Sonnensystem schwirrende Komet Konrad wird beauftragt, die Erde zu rammen und dadurch von der Menschheit zu befreien.

Aus schrägem Humor ist dieser Rahmen gezimmert, den Regisseur Wolfgang Bordel bei seinem Autor fand. Noch schräger wird‘s, wenn sich das Stück der Menschheit zuwendet. Die ist zwar erschrocken wegen der Nachricht vom baldigen Weltuntergang, macht aber weiter wie bisher, allerdings wirkt das Treiben der Diplomaten und Diebe, Agenten und Selbstmörder noch absurder. Oder das der Professoren: Ein deutscher Wissenschaftler, der eine Lösung gegen den Kometen erfand und bei seinem „Führer“ abblitzte, wird auch in anderen Staaten abgewiesen, weil die nahende Katastrophe die Wirtschaft so schön in Schwung gebracht hat. Die Reichen wollen mit einem Raumschiff abhauen, sind aber auch nur einem Betrüger auf den Leim gegangen. Die Ärmeren versuchen‘s mit Revolutionen gegen den Weltuntergang.

Das ist eine turbulente Theatershow. Junge Schauspieler und Eleven sowie Rainer Karsitz verarbeiten Menschheitsfragen zur übermütigen Kabarett-Revue. Sternschnuppen tanzen durch die Szene, als Filmsequenzen werden Naziaufmärsche oder einstürzende Hochhäuser auf eine Leinwand projiziert. Die als schlichte Sketche geformten Szenen auf kleiner Drehbühne überraschen durch ihre Sprache.

Die hat der Autor, der das Stück mit 24 schrieb, virtuos beherrscht. Er war früh Autor und früh politisch. Wegen seiner Tätigkeit für die Kommunisten wurde er vor dem Einmarsch Hitlers in Österreich verfolgt. Am 13. März 1938, einen Tag nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs, wurde er erneut verhaftet. Er kam im Juni ins KZ Dachau, wo er den Text des berühmten Dachau-Liedes schrieb, und im Herbst 1938 nach Buchenwald. Dort starb er im folgenden Februar an Typhus.

Termine: ab 1. April auch in der „Blech-

büchse“ Zinnowitz

 



Dietrich Pätzold

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