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Wakaliwood: Ugandas Traumfabrik für Kult-Actionfilme

Kampala Wakaliwood: Ugandas Traumfabrik für Kult-Actionfilme

Ugandas Antwort auf Hollywood liegt in einem Slum. Dort dreht ein Regie-Autodidakt die nach eigenen Angaben ersten Actionfilme seines Landes. Er hat kein Geld - aber beachtlichen Erfolg.

Kampala. Am Ende einer unbefestigten, mit Schlaglöchern übersäten Straße entlang eines stinkenden Bachs in Ugandas Hauptstadt Kampala steht ein Hubschrauber aus Altmetall. Daneben eine Gruppe Soldaten und Gangster. Daraus tritt ein Mann hervor und sagt: „Willkommen in Wakaliwood!“

Es ist der Regisseur Isaac Nabwana mit seinen Schauspielern. Hier im Armenviertel Wakaliga dreht Nabwana Actionfilme. Das Budget ist minimal, die visuellen Effekte sind alles andere als realistisch. Trotzdem sind die blutrünstigen, aber humorvollen Streifen nicht nur in Wakaliga, sondern auch im Ausland Kult geworden. Nabwana selbst gilt als Ugandas Quentin Tarantino („Pulp Fiction“). Sein Film „Who Killed Captain Alex“ aus dem Jahr 2010 ist bei YouTube mehr als eine halbe Million Mal angesehen worden.

Der 43-jährige Nabwana produziert mit seiner Firma Ramon Productions in der ostafrikanischen Version von Hollywood Filme für weniger als 200 Euro. Maschinengewehre werden aus alten Motorradmotoren gemacht, die Kugeln aus Holz geschnitzt. Die Laiendarsteller werden nicht bezahlt, dürfen aber die Hälfte der Einnahmen für DVDs behalten, die sie für rund einen Euro von Tür zu Tür und an Geschäfte verkaufen.

Der Regisseur, der auch Schauspieler, Kameramann und Cutter ist, verdient an seinen Dutzenden Filmen nach eigenen Angaben jeweils ein paar hundert Euro. Ein großes Problem, sagt er, sei das illegale Kopieren und Verbreiten der DVDs.

„Who Killed Captain Alex“ vermarktet Nabwana als ersten Actionfilm Ugandas. Die Geschichte über den Kampf eines Armee-Hauptmanns gegen die „Tiger Mafia“ besteht vor allem aus Maschinengewehr-Geballer, akrobatisch inszenierten Kung-Fu-Kämpfen und irrwitzigen Explosionen - dazu augenzwinkender Kommentar aus dem Off und englische Untertitel der Dialoge auf Swahili. „Dieser Film ist unterhaltsamer als das, was es bei uns in Amerika gibt“, lautet ein Kommentar bei YouTube.

Die meisten ugandischen Filme sind Liebesgeschichten oder Familiendramen. „Die Regierung unterstützt die Filmindustrie nicht“, kritisiert Philip Luswata, Kinoexperte an der Universität Markerere. Nabwana ahme Hollywood nach. Aber: „Er weiß, was seine Fans wollen.“

Nabwana kommt aus bescheidenen Verhältnissen und hat sich fast alles selbst beigebracht. Nach dem Schulabschluss arbeitete er in einer Ziegelei, träumte aber von einer Filmkarriere. Er sparte genug Geld für ein paar Stunden Unterricht am Computer zusammen. Im Internet lernte er, Filme zu schneiden, und er lieh sich eine Videokamera. „Seit meiner Kindheit bewundere ich Filmstars“, sagt Nabwana. „Mein älterer Bruder erzählte mir von Kung Fu, Bud Spencer und Rambo. Das hat mich inspiriert, und ich war entschlossen, im Filmgeschäft zu arbeiten.“

Nabwanas Team besteht aus etwa 30 Schauspielern, Handwerkern und Technikern. „Wer als Schauspieler zu uns kommt, wird hier ausgebildet, denn in Uganda gibt es keine Filmhochschulen“, sagt der Regisseur.

Mehr als 300 Fans aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, Kanada, Russland und Indien haben Nabwana zufolge sein Studio besucht. Dutzende von ihnen haben in seinen Filmen mitgespielt, in denen die Weißen fast immer getötet werden. Zum Dank für ihren Einsatz bekommen sie „Todeszertifikate“. Eine Wand in einem Proberaum zieren die Unterschriften von mehr als 50 solcher „Gefallenen“.

Ein Besucher, der nicht nur kam, um einen Filmtod zu sterben, ist Alan Hofmanis, Programmdirektor des Lake Placid Filmfestivals in den USA. Im Dezember 2011 sah er erstmals „Who Killed Captain Alex“. „Ich fand den Film großartig“, erzählt er. „Zwei Wochen später bin ich hierher gekommen.“

Nach mehreren Besuchen ist Hofmanis schließlich geblieben und gehört nun zum Team. Er spielt in Filmen mit und hilft, Geld im Internet zu sammeln. „Wakaliwood ist in keinem guten Zustand, aber ich will es unterstützen und auf ein höheres Niveau bringen“, sagt Hofmanis.

Bei einer Crowdfunding-Aktion im vergangenen Jahr kamen mehr als 13 000 US-Dollar (etwa 11 600 Euro) zusammen. Davon kaufte die Produktionsfirma Hilfsmittel für Mündungsfeuer und Bombenexplosionen. Nun hofft Nabwana, dass seine wachsende Bekanntheit mehr Unterstützer auf den Plan ruft, damit er sich einen weiteren Traum erfüllen kann: ein modernes Filmstudio.

dpa

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