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Kultur Walzerkönig spielt zum Tanz auf
Nachrichten Kultur Walzerkönig spielt zum Tanz auf
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00:00 17.02.2017
Rostock

Die Stadthalle ist prall gefüllt. Glücklich sitzt Angelika Stein auf ihrem Platz. Das letzte Mal hatte die Rostockerin nur Restkarten erwischt, nun hat sie es bis in die neunte Reihe geschafft. Ganz nah dran am Star des Abends: dem niederländischen Geiger André Rieu.

Es ist schrill, es ist bunt und vor allem: Es ist lustig. Rund drei Stunden zelebriert Rieu, der gemeinsam mit seinem eigenen Orchester – dem Johann-Strauss-Orchester – gekommen ist, sein Programm wie eine große Party. Dabei wird deutlich, Rieu ist nicht nur Musiker, sondern vor allem Entertainer. „Vor 30 Jahren hatten wir unsere erste Probe“, erzählt er mit sympathisch niederländischem Akzent. „Weil wir kein Geld für einen Proberaum hatten, habe ich gefragt, ob wir in der Grundschule meiner Söhne proben können. Der Schulleiter sagte Ja. Was er nicht sagte, war, dass die Heizung nicht funktioniert“, erinnert sich Rieu und lacht.

Es sind kleine Geschichten wie diese oder seine Mimik während kleiner Comedy-Elemente, die er immer wieder ins Programm einrührt – etwa, wenn er den Flötisten mit einem riesigen Schaumstoffhammer scheinbar k.o. schlagen lässt, Zitherspieler Frédéric Jenniges ankündigt und dann den Bühnenarbeiter beklatscht, der den Stuhl bringt – die zeigen, Rieu hat den Schalk im Nacken.

Ein Teil des kleinen Jungen, der mit fünf Jahren seinen ersten Violinunterricht hatte, scheint immer noch in ihm zu stecken. Genauso wie sein musikalisches Talent, das im Zusammenspiel mit dem Orchester leider zunehmend in den Hintergrund rückt. Seine Geige, fast scheint sie wie ein nettes Beiwerk, während Rieu den Part des sympathischen Gastgebers und eloquenten Moderators gibt.

Doch das Rezept, „eine Mischung aus Qualität, Gefühl und Entertainment“, wie er es selbst bezeichnet, geht auf. Schon beim Einmarsch zu „Seventy-Six Trombones“ aus dem Musical „The Music Man“ von Meredith Willson hat Rieu sein Publikum fest im Griff. Es ist, als würde er einen Schalter umlegen – von null auf hundert. Das mag an der schmissigen Musik liegen, denn Rieu lässt sein Orchester neben bekannten Walzern und Märschen mit Vorliebe Film-, Musical- oder Opernklassiker verarbeiten. Oder an den internationalen Solisten wie den Sopranistinnen Donij van Doorn und Anna Majchrzak oder den „Platin-Tenöre“ alias Gary Bennett (Australien), Béla Mavrák (Ungarn) und Erid Reddet (Frankreich). Vor italienischer Kulisse schmetterten Letztere voller Inbrunst das neapolitanische Lied „Maria, Mari“ heraus.

Es liegt aber auch an der Art der Präsentation, die sich in der Intensität mit klebrig-süßem Zuckerguss vergleichen lässt – das ist nur was für echte Naschkatzen. Auch farblich passt der Vergleich. Denn die Zeiten, in denen Rieus Orchester Schwarz trug, sind längst passé. Heute sind es üppige pastellfarbene Ballkleider, in denen die vorwiegend weibliche Orchester-Besetzung vor einer Video-Leinwand spielt, auf der verschiedene Szenarien eingeblendet werden – mal der Vollmond, mal die Sonne, die die Bühne in ein zartrosa Licht taucht. Fast wirkt die Inszenierung wie eine Mischung aus Musik, Kitsch und Klamauk, die da so sympathisch und voller Inbrunst präsentiert wird. Doch genau die kommt an. Und zwar, weil sich weder das Publikum noch die Musiker auf der Bühne zu ernst nehmen.

Es geht vor allem um eins: gemeinsam Musik zu hören und Spaß daran zu haben. „Die Menschen kommen in die Halle und kennen sich nicht, bis sie unsere Musik hören und gemeinsam singen“, sagt Rieu. Viele Freundschaften seien während der Konzerte entstanden. Davon ist auch Angelika Stein überzeugt. „Die Musik verbindet und sie macht einfach Spaß.“

Stefanie Büssing

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