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„Warum müssen Menschen für ein Fußballspiel leiden?“

„Warum müssen Menschen für ein Fußballspiel leiden?“

Regisseur Benjamin Best über seine Dokumentation „Dirty Games“

Köln Am Freitag beginnt die Fußball-EM in Frankreich. Mit den Olympischen Spielen, die am 5. August in Rio eröffnet werden, folgt direkt das zweite sportliche Großereignis des Sommer. Pünktlich dazu hat der Kölner Filmemacher und WDR-Journalist Benjamin Best (40), der sich mit Wettskandalen, Manipulation und Korruption im Sport beschäftigt, seinen Dokumentarfilm „Dirty Games“ vorgelegt.

 

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Ein großer Sportsommer steht bevor. Freuen Sie sich auf Fußball-EM und Olympische Spiele?

Benjamin Best: Ehrlich, es fällt mir schwer. Ich habe früher selbst Fußball gespielt, habe mit dem deutschen Nationalteam gefiebert.

Aber?

Best: Ich habe mit Menschen gesprochen, die ihr Hab und Gut verloren, damit andere ein Sportereignis sehen können. Da stelle ich mir schon die Frage: Warum soll ich mich dafür begeistern? Das weltweite Sportsystem ist kaputt.

Sie sind für „Dirty Games“ um die Welt geflogen, haben unter anderem mit dem ehemaligen Boxmanager Charles Farrell gesprochen.

Best: Und es ist erschreckend, mit welcher Offenheit er mit mir über gekaufte Profikämpfe gesprochen hat. Wir reden nicht über Amateure, sondern über die Boxelite.

Zum Beispiel über einen gekauften Sieg von Mike Tyson.

Best: Es gab stets Gerüchte, dass Kämpfe verschoben worden sein könnten. Aber wenn ein Insider so über Manipulationen berichtet, hat das eine andere Qualität.

Farrell sagt in Ihrer Doku den Satz: „Professionelle Verlierer verdienen beim Boxen mehr Geld als durchschnittliche Gewinner.“

Best: Das führt den Sport ad absurdum und ist für Zuschauer ein Schlag ins Gesicht. Wenn man von einem fairen Kampf ausgeht und ein langjähriger Manager sagt, dass man mit Verlieren mehr Geld macht als mit Gewinnen – welchen Sinn hat es, Boxen anzuschauen?

Sie sind nach Nepal geflogen. Von dort kommen viele Gastarbeiter, die in Katar die Stadien bauen.

Best: Das war eine sehr bedrückende Reise. Die Menschen haben mir durch die Bank von schlimmsten Menschenrechtsverletzungen berichtet. Wöchentlich kommen die Särge per Flugzeug aus Doha.

Warum lässt die Weltgemeinschaft so etwas zu? Warum müssen die Ärmsten der Armen leiden, nur weil in Katar ein Fußballturnier gespielt werden soll?

Gastarbeiter haben Ihnen auch Arbeitsverträge mit deutschen Baufirmen gezeigt.

Best: Deshalb sind die desaströsen Zustände in Katar auch ein deutsches Thema. Da muss Druck aufgebaut werden, auch von der Bundesregierung. Aber: Am Ende geht es ums Geld. Und wenn gut gezahlt wird, schaut man gern mal weg beim Thema Menschenrechte.

Betrug, Korruption, Menschenrechtsverletzungen – Ihre Doku beschreibt einen verheerenden Zustand im weltweiten Profisport.

Best: Das ist so. Im Sport lässt sich sehr viel Geld verdienen, deshalb steht er unter dem Einfluss von Sponsoren, Regierungen, Funktionären und oft auch von der organisierten Kriminalität.

Gibt es Hoffnung?

Best: Ich habe Menschen getroffen, die genug haben von den Machenschaften im Profisport. Sie suchen Alternativen, weil sie sich nicht mehr mit „Brot und Spielen“ abspeisen lassen wollen.

Benjamin Best

Der Journalist und Regisseur Benjamin Best (im Bild) wurde im Jahr 1976 in Berlin geboren. Er studierte Jura, Englisch und Sport in Berlin und Köln. Best arbeitet für den Westdeutschen Rundfunk (WDR). Von ihm stammen Dokumentationen und Radio-Features zu Sportskandalen und das Buch „Der gekaufte Fußball – Manipulierte Spiele und betrogene Fans“ (2013).

Interview von Patrick Hoffmann

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