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Kultur Weckruf vom Pink-Floyd-Mann
Nachrichten Kultur Weckruf vom Pink-Floyd-Mann
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00:05 02.06.2017
Mit Haltung im Kreuz und Wut im Bauch: Roger Waters (73) Quelle: Foto: Archiv
New York

Eine Uhr tickt zu Beginn wie in Pink Floyds „Time“. Ein Mann murmelt, was war, „als wir jung waren“. Musik zieht schwer herauf, das Ticken wird lauter, die Stimme bedrohlich. Am Ende klingeln die Wecker nicht, das Intro „When We were Young“ reißt ab. Eine Akustikgitarre erinnert an „Wish you were Here“. Der Mann singt: „Wenn ich Gott wäre, hätte ich die Äderchen im Gesicht ein wenig widerstandsfähiger gegen Alkohol gemacht“. So beginnt Roger Waters sein viertes Solo- Album. „Déjà vu“ heißt der Song. Waters war 1965 Mitgründer von Pink Floyd, Songwriter, Bassmann, Sänger, visionär, stur. Dem banalen Witz folgt die böse Spitze: „Ich glaube, wenn ich Gott wäre, hätte ich einen besseren Job gemacht“, singt er. Waters’ Wahrheit: Der Mensch denkt nicht, Gott lenkt nicht.

Der Brite, der in New York lebt, leistet sich die Gottesrolle ohne Ehrfurcht, er glaubt nicht an Gott. Auch an Sentimentalität glaubt Waters nicht, hält Sehnsüchte der Fans nach Weiterschreibung der Geschichte Pink Floyds für nebensächlich. Er wird nie mehr mit der Band auftreten. Die Grabenkämpfe mit Gitarrist David Gilmour sind Vergangenheit, sein Hochmut gegenüber dem (verstorbenen) Keyboarder Richard Wright ebenso. Die große Psychedelic- und Artrockband Pink Floyd wurde nach seinem Weggang klingendes Museum, das noch mit zwei nicht mehr essenziellen Platten rüberkam. Woran sollte man da heute anknüpfen?

Auch Waters’ letztes Solowerk ist 25 Jahre her, im gerühmten „Amused to Death“ berichtete er damals von der Unterhaltungskrake, die jede Sekunde des menschlichen Tages flutete, bis zur geistigen Verelendung. Es war nicht unterhaltsam, so wurde es kaum gekauft.

„Is This The Life We Really Want?“ heißt die neue Platte: „Wollen wir wirklich so leben?“, stellt es die Frage zur Zeit und berichtet im Titelsong von der Angst vor allem Fremden, die in Fremdenhass übergeht, von bedrohter Presse- und Meinungsfreiheit. Das Album erzählt von uns, den Leuten des guten Westens, die wir allem Humanismus zur Unehre oft nur das eigene Leben wertschätzen, die wir es ertragen können (aber nicht sollten), wenn anderswo wieder ein großes Sterben geschieht. Waters macht deutlich, wie der westliche Tod den islamistischen Terror treffen will und die Kinder trifft. In „The Most beautiful Girl“ besingt er mit brüchiger Stimme ein kleines Mädchen, das im Jemen bei einem amerikanischen Angriff starb. Im Anti-Trump-Song „Picture That“ stellt der Sänger sarkastisch fest, dass es „so etwas wie ’zu gierig’ gar nicht gibt“. Damit zitiere er den „Deppenpräsidenten“.

Die Collagenhaftigkeit, die das kommerziell enttäuschende „Amused to Death“ zu einer Art Hörspiel mit Musik machte, ist auf „Is this the Life“ zurückgedreht, die Songs sind von melancholischer Grundstimmung, manche groß, rocksinfonisch, manche folkig wie zu „Atom Heart Mother“-Zeiten. Waters hat eine Platte gemacht, die als Pink-Floyd-Album durchgehen könnte.

Matthias Halbig

OZ

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