Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Weg von der Straße

Rostock Weg von der Straße

„Les Bummms Boys“ kommen zum Kulturtalk ins Rostocker OZ-Studio / Dritte CD erscheint im Dezember

Rostock. Hauptsache, die Jungs sind weg von der Straße! Nee, genau da wollten diese Bengels kurz nach der Pubertät hin. Und das ist exakt das, wovon Eltern träumen. Das Kind ist mit dem Abitur fertig und sagt: „So, ich gründ ‘ne Band!“ Natürlich ohne vorher groß Gitarre zu können oder gar auf der Kreismusikschule Musterschüler gewesen zu sein. Ungefähr so haben es die Jungs von Les Bummms Boys vor zehn Jahren gemacht. Stephan „Stüben“ Engelstädter (32), Sebastian „Powi“ Powilleit (33) und Tom Ludwig (31) — warum der „Grandma“ genannt wird, weiß wohl nur seine Omma.

Sie erzählten ihren Eltern 2006, dass sie Musiker werden. Die Band, die sie dazu erfanden, hieß Rohkost. Den Namen mussten sie später bei einem Festival nachts im Tourbus spontan ändern, weil sich den schon eine andere Combo gesichert hatte. Also, cool bleiben, Mann: Les Bummms Boys. Der französische Artikel unterstreicht das Savoir-vivre der Band und das Dreifach-M im Namen, nu ja, lässt sich cool googeln und man will ja auch keine falschen Vorstellungen aufkommen lassen.

Nach dem Entschluss, berühmt zu werden, machte einer sogar eine Ausbildung im Tontechnikbereich, die anderen Zivildienst oder freiwilliges soziales Jahr. Grandma in einer Tagesförderstätte für mehrfach schwerstbehinderte Menschen, mit denen er musiktherapeutisch arbeitete und so das Abc für die Rockmusikerkarriere mitbekam.

Und dann ging‘s auch schon on tour. „Das war so eine Mischung aus Reiselust und Backpackerleben. Mit zwei Gitarren, Melodikas und 15 Euro in der Tasche durch Europa ziehen“, sagt Tom. Sie sind getrampt. Spanien, Italien, Frankreich, Portugal — und spielten auf Straßen, in Kneipen, Fußgängerzonen. Von ihrer ersten Reise, zu der sie mit 15 Euro gestartet waren, kamen sie mit 200 Euro zurück nach Rostock. Starker Start also!

Und so langsam wurden sie, erst mit Coverversionen, später mit selbst komponierten deutschsprachigen Liedern, auch in Rostock und Umgebung gefragt: Es kamen Auftritte in Kindergärten, auf Partys, Hochzeiten dazu. Später Events wie Campus Open Air Wismar, Hanse Sail, Pangea Festival oder Pyro Games in Leipzig, Dresden, Hamburg, Rostock. Um die 100 Konzerte pro Jahr geben die Les Bummms Boys jetzt in ganz Deutschland. Sie spielen exklusiv im kleinen Kreis, weiterhin auf Partys, bei Open Airs vor 30000 Leuten, in Cafés vor 150 oder in Clubs vor 400 Gästen. Im ausverkauften Ostseestadion spielten sie mal in der Halbzeitpause des Bayernspiels. „Schwer zu sagen, seit wann wir davon leben können. Das war so ein schleichender Prozess“, sagt Gitarrist und Sänger „Stüben“, der auch die meisten Texte schreibt. Die Band sagt über ihn, er mag kleine Schnecken, frickelt gern Wörter zu Texten zusammen und freut sich dann diebisch, wenn daraus Liedgut entsteht. Mittlerweile sind sie so eine Art Mehrgenerationen-Projekt. Von der Zehnjährigen bis zur Omi kommt alles zu Auftritten ins Rostocker MAU, in den Klostergarten oder wo sie gerade klampfen — und im Publikum wird kräftig getanzt. Wer Les Bummms Boys mal erlebt hat, weiß: Da ist Stimmung im Saal. Zumal sie sich mit den HMT-Absolventen Erik Weyer (30/Posaune), Martin Becker (30/Saxofon, Klarinette) und Richard Weiß (28/Trompete) nicht nur Spitzenbläser für die Stimmung, sondern auch Musikkompetenz in die Band geholt haben. „Aus Angst ist Stolz geworden bei meinen Eltern“, lacht Bassist „Powi“. Seine Familie hätte die Konzerte in den Anfangsjahren vollständig ignoriert. „Das lief unter folgendem Motto: Mein Bruder ist technischer Zeichner bei Airbus. Und dem guckt ja auch keiner bei der Arbeit zu“, lacht er.

Les Bummms Boys — das ist eine Form von Lebensart, wie sie eigentlich ausgestorben scheint. Ihr Credo: Wird schon gut gehen am Ende, und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. Und derweil:

Spaß dabei. Dazu gehört auch eine Spur weit Mut. Sicherer ist es gewiss, ein Lehramtsstudium zu beginnen, ein Leben lang auf eine Musikerkarriere zu hoffen und dann doch Lehrer zu werden.

„Stüben“ hat nach den Touren durch Europa eine Musikkneipe in Rostock eröffnet. In einem ehemaligen Bordell. „Les Bummms Boys im Bummshaus“ sollte das anfangs mal lauten, war dann aber doch zu plakativ. Schließlich wurde es eine Szenekneipe mit sehr viel HMT-Studenten und Singer/Songwriter-Atmosphäre.

Jetzt leisten sie sich pro Jahr eine Tour zur Erweiterung des Horizonts. Anfang des Jahres waren sie in Indonesien unterwegs, 2015 in Indien. Im Mai geht es nach Brasilien. „Da spielen wir auf einer Schwulenhochzeit und in der Uni von Rio“, sagt „Powi“. Das zweite Konzert hat das Deutsche Institut in Brasilien vermittelt. Das erste nicht.

CD‘s haben sie 2010 mit „Muggebedürfnis“ und 2013 mit „Saftladen“ aufgenommen. Die dritte Scheibe kommt im Dezember. Releaseparty ist am 10. 12. im Rostocker MAU. Am 27. Juli spielen sie im Klostergarten bei der Sommerbühne der Bühne 602 — zum dritten Mal. 2014 war das Konzert ausverkauft mit 450 Besuchern. 2015 waren 600 Leute da. „Ein 240-Grad-Event“, sagt Grandma.

„Und der ganz große Durchbruch ist für Mai 2017 geplant. Ab da werden wir in Dauerschleife im Mainstreamradio gespielt. Da freu‘n wir uns schon drauf“, sagt „Stüben“. Aber vorher stellen sie sich im OZ-Studio am 21. April vor.

Von Michael Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.