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Kultur Weichkäfer und Eiskometen
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00:00 17.02.2017
Potsdam

„Schnee ist immer schön“, meint Sandra Bartocha beim Blick aus dem Fenster. „Weil er weiß ist und rein. Die Landschaft wird minimalistischer.“ Die 36-jährige gebürtige Mecklenburgerin und eine der bedeutendsten Naturfotografinnen Deutschlands, sagt, dass sie noch raus will in den Wald hinterm Plattenbau ihrer Potsdamer Wohnung. Die weiße Pracht ist zentimeterhoch vom Firmament gerieselt. Welche Motive sich da wieder für sie bieten!

Fotografieren – eine Leidenschaft, die sie vom Vater geerbt hat, der Bildreporter bei ADN Zentralbild war. Damals, in Neuendorf bei Neubrandenburg, nahm er sie als Kind zu Touren mit. Mit fünf hatte sie ihren ersten eigenen Fotoapparat, eine Praktika. „Ich bin rumgestromert und nahm Pflanzen auf, die mir gefielen“, erzählt Bartocha. „Und war fasziniert bei Vater in der Dunkelkammer, wenn das Bild aus der Entwicklungslösung kam.“

An der Uni Potsdam ließ sie sich nach 17 Semestern ohne Abschluss exmatrikulieren. „Ich wollte nur fotografieren, das hatte ich parallel gemacht.“ Auf Hochzeiten, für Kalender. Dann der erste große Auftrag. Drei Jahre fotografierte sie für den Bildband zum 20. Jubiläum des Müritz-Nationalparks.

Unterwegs ist sie mit ihrer Nikon D 810 und Nikon D 800 E. Dabei hat sie stets auch sieben ihrer zehn Objektive mit Brennweiten von 14 bis 400 Millimetern. Sie mag den Wechsel zwischen Tag und Nacht.

„Da entsteht ein magisches Licht, das gar nicht so wahrnehmbar ist, aber vom Sensor der Kamera erfasst wird. Daraus ergeben sich Möglichkeiten, Wunderwelten zu erschaffen, die sich mit dem bloßen Auge sonst nie eröffnen würden“, erklärt Bartocha.

Überhaupt: das Licht. Kürzlich kam der wunderbare Bildband „LYS“ von Bartocha und dem Tierfotografen Werner Bollmann aus Kiel heraus. „Eine Herzensangelegenheit“, wie sie sagt. Von 2012 bis 2015 waren sie dafür zusammengerechnet zwölf Monate auf 13 Reisen – in Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland. „Unsere Idee war, das Wesen und das besondere Licht der skandinavischen Landschaft in Bildern zu erfassen.“

Mit dem Aufmacherfoto fürs Kapitel „Wildes Meer“ hat Bartocha im Oktober 2016 einen Preis bei „Wildlife Photographer of the Year“, dem größten Wettbewerb für Naturfotografie weltweit, gewonnen.

Entstanden an einem Wintertag auf den Lofoten. „Der Sturm trieb die Wellenkämme in die Bucht. Gleichzeitig wurden sie wieder in die entgegengesetzte Richtung geblasen.“ Was für ein Türkis und Blau der Wellen vor schneebedeckten Bergen! „Das Nordmeer hat fast eine mediterrane Farbenpracht“, schwärmt sie. Man kann sich nicht sattsehen an den 139 Motiven. Auf einem ist der Tundraboden Spitzbergens mit Ästen übersät, an denen Blättchen grünen. Dazwischen weiße Rentierflechte. Ein anderes zeigt Fichtenstämme und Findlinge, die mit Blaubeeren und Moosen bewachsen sind, im Nationalpark Tiveden Schwedens. Dieser Wald ist so mystisch, man denkt, hier könnten Trolle leben.

Nächtens hat Bartocha auch den arktischen Siebenstern abgelichtet. „Wir haben ihn Tänzer der Nacht genannt, weil er mit seiner weißen Blüte im dunklen Dickicht so elegant emporragt.“ Da ist auch die Wunderwelt eines Moospolsters. Beim Blättern hält man immer wieder inne. Wie bei den Fichten mit ihrer typischen schmalen Wuchsform des Nordens, die wie Kerzen aus dem Nebel emporragen. Beim Bild vom Schneesturm auf Spitzbergen könnte man schwören, das sei eine Grafik. Alles ist weiß, bloß die leichten Kanten der Berge sind als Schraffur erkennbar. Und was ist das? „Eiskometen“, sagt Bartocha.

Das Foto zeigt durch Wind geformte Schnee- und Eisstrukturen.

Im Kapitel „Lichter Süden“ ist eine jahrhundertealte knorrige Eiche im Gegenlicht zu bewundern. Beim Wiesenkerbel von oben mit seinen fünf weißen Blütenblättern an großen Dolden wird klar, warum die Natur eine Inspirationsquelle für skandinavisches Design ist. „,Ruhige Wasser’ ist dann sozusagen unser Zen-Kapitel“, erklärt Bartocha. Mit Bildern der friedlichen Ostsee. In der weiten Tundra Norwegens haben die beiden karge Steinlandschaften verewigt. Und dann ist da das Foto vom einsamen Mornellregenpfeifer. „Tagelang hielten wir Ausschau nach einem Exemplar“, erzählt Bartocha.

Angelika Stürmer

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